Wandern

Tour im Norden: Schlucht zum Meer

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Pollença - Mallorca
Leichte Wanderung bei Port de Pollença zur Bucht Cala de Bóquer

ROLAND OTTO

 

Im Norden Mallorcas haben sich bei Port de Pollença Land und Meer auf spektakuläre Weise miteinander verzahnt. Malerische kleine Buchten werden von bizarren Steilklippen gerahmt, während sich im Dreieck von Cala Sant Vicenç, Pollença und Port de Pollença Fruchtplantagen und Olivenhaine ausbreiten. Das Vall de Bóquer komplettiert ein beeindruckendes Landschaftsbild. Das Tal zählt aber auch zu den bekannten Vogelschutzgebieten Mallorcas und hat bedeutende archäologische Funde aufzuweisen.

 

Ausgangspunkt der leichten Wanderung ist Port de Pollença und dort die Umgehungsstraße Ma-2200, die Richtung Formentor führt. Bei einem Kreisel am Ortsende verweist gegenüber der Avenida de Bocchoris links ein Schild „Camí de Cala Bóquer“ auf eine breite Piste und auf einen Parkplatz. Hier befindet sich auch eine Tafel „Rutes de la biodiversitat, Nr. 6 – Cala Bóquer“, die das Rathaus von Pollença aufgestellt hat. Auf der Tafel wird über die Flora und Fauna und die Geschichte des Vall de Bóquer informiert.

 

Auch einige Regeln werden genannt, an die sich Wanderer zu halten haben. Vom Parkplatz führt der breite Weg dann zu dem offenen Eingangstor der possessió und ihren sehenswerten Gartenanlagen. Von der Terrasse des Anwesens bietet sich bei klarer Sicht ein famoser Ausblick auf die Bucht von Pollença und die südlich gelegenen Berggipfel Puig de Maria, Cuculla de Fartàritx, Puig Ca de Míner und Puig Tomir. Die Häuser von Bóquer wurden im 17. Jahrhundert erbaut. Viel später, von 1890 bis zu seinem Tod im Jahr 1935, war der Mallorquiner Miquel Capllonch Rotger Besitzer des Landguts.

 

Er ließ auch den Wehrturm des Anwesens errichten. Der Pollençin war als Komponist weit über Mallorca hinaus bekannt und feierte als Pianist in Barcelona, Madrid und Berlin große Konzerterfolge. Vor unserer Zeitrechnung befand sich auf dem heutigen Gelände der possessió in der Talaiot-Zeit schon um 1000 v. Chr. eine Dorfgemeinschaft. Der oben erwähnten Tafel des Rathauses von Pollença ist zu entnehmen, dass ein Teil ihrer Bewohner foners, Steinschleuderer, waren, die in den Punischen Kriegen auf Seiten Karthagos gegen das Römische Reich gekämpft haben.

 

Weiter geht es von den Cases de Bóquer durch ein offenes Tor. Ein Schild weist darauf hin, dass keine Hunde mitgeführt werden dürfen. Die Route führt nun rechts auf einer Asphaltpiste und durch ein weiteres offenes Tor kurz aufwärts, später auf einem ebenen Weg und Pfad zu einem Felsdurchlass. Die bizarr geformten Felsbrocken sind bis zu zehn Meter hoch. Die Bresche zwischen den Felsen wird Portell des Sementer, das „Tor der Saat“, genannt. 

 

Kurz darauf eröffnet sich ein herrlicher Ausblick auf das tief eingeschnittene Vall de Bóquer. Das Erosionstal wird links von der Bergkette Serra del Cavall Bernat und auf der rechten Seite von der Serra d‘Albercutx ­flankiert, die aus den Gipfeln Penyal Roig, Puig d‘Albercutx und El Morral besteht. Vor allem die fast 350 Meter hohe Serra del Cavall Bernat zählt mit ihren geschwungenen Linien, die immer wieder von spitzen Zinnen und schroffen Zacken unterbrochen werden, zu den formschönsten Bergformationen Mallorcas.

 

Eine Überquerung der Serra ist eine der spektakulärsten und schwierigsten Wanderungen auf der Insel. Nach dem Portell wird auf einem breiten Weg zunächst ein Mauerdurchlass passiert. Die Piste führt dann eben oder leicht ansteigend Richtung Meer (Steinmännchen). Die Vegetation des Tales ist rau und besteht überwiegend aus der Pflanzengemeinschaft der Garrigue. Auszumachen sind Schneidegras, das endemische Balearen-Johanniskraut, Rosmarin und der Balearen-Dorntragant, ein stacheliger Polsterbusch.

 

Vor allem die voluminösen Mastixbüsche und die bis zu drei Meter hohen Palmitos, Zwergpalmen, ziehen die Blicke der Wanderer auf sich. Nach einem weiteren Mauerdurchlass ist rechts die Font des Sementer mit einem Stollen und einer Tiertränke zu sehen. Der Name „Quelle der Saat“ deutet darauf hin, dass die Bóquer-Ebene einst fruchtbar war und auch bewirtschaftet wurde. Schließlich wird rund 30 Minuten nach Tourstart der Coll del Moro erreicht. Da das Vall de Bóquer ein Vogelschutzgebiet ist, trifft man hier immer wieder auf birdwatchers.

 

Die Vogelkundler suchen mit optischen Geräten den Himmel, die Felswände der Serra del Cavall Bernat und der Serra d‘Albercutx, die Sträucher und Büsche des Vall de Bóquer nach Vögeln und Nistplätzen ab. Je nach Jahreszeit sind mit etwas Glück die unterschiedlichsten Vogelarten zu sehen. Dazu zählen der Eleonorenfalke, die Samtkopfgrasmücke, die Blaumerle und der Fichtenkreuzschnabel. Auch die Mittelmeermöwe und Korallenmöwe sind hier zu sichten.

 

Nur der Fischadler, der an der Westseite der Serra del Cavall Bernat Nistplätze haben soll, lässt sich so gut wie nie blicken. Bei dem Coll del Moro verweist eine Steinpyramide dann links auf einen Pfad. Nach etwa 20 Metern kann man bei einem großen Steinhaufen zwischen zwei steinigen und muldigen Trails wählen, die beide (Steinmännchen) hinab zur Cala de Bóquer, die unten zu sehen ist, führen.

 

Nach rund zehn Minuten ist dann der Strand aus groben Kieselsteinen erreicht. Hier fallen zunächst einige Wagemutige auf, die mit ihren Füßen schon mal die im März doch noch sehr kühlen Wassertemperaturen testen. Das muss keine Nachahmung finden, denn man kann sich auch schlicht an dem imposanten Ausblick auf die 434 Meter hohe Steilklippe El Pal, die höchste Erhebung auf der Halbinsel Formentor, erfreuen.

 

Wegstrecke 5,5 km (hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 1 Std. 30 Min.

 

Höhenunterschied 90 m

 

Schwierigkeitsgrad **

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 nach Alcúdia und dort auf der Ma-2220 Richtung Port de Pollença. Vor Ortseinfahrt weiter auf der Umgehungsstraße Ma-2200 in Richtung Formentor (Beschilderung) fahren. Weitere Beschreibung siehe oben.

 

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Wegen und steinigen Pfaden. Die teils steilen, steinigen und muldigen Pfade vom Coll del Moro zur Cala de Bóquer sollte man nicht in Sandalen hinabsteigen. Rückweg auf der Hinroute.

 

Ausrüstung: Leichte Wanderschuhe, Wasser, Proviant.

 

Einkehr: Lokale in Port de Pollença.

 

Diese Wanderung wurde am 31.03.2016 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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