Wandern

Tour im Westen: Durch das Brandgebiet

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Andratx - Mallorca

Eine Wanderung vom Coll de sa Gramola zum Mirador d‘en Josep Sastre
 

ROLAND OTTO

Diese Tour führt ausschließlich durch ein Gebiet, das von dem verheerenden Waldbrand Ende Juli 2013 im Südwesten der Insel mit am stärksten betroffen war. Man wird auf der gesamten Wanderung das zerstörerische Werk der Flammen sehen und bei diesem Anblick bedrückt sein. Andererseits ist aber festzustellen, dass die Forst­behörde Ibanat und zahlreiche ehrenamtliche Helfer – darunter viele Kinder und Jugendliche – in den vergangenen eineinhalb Jahren eine großartige Aufräumungs­arbeit geleistet haben. Auch die Wiederaufforstung zeigt schon erste Erfolge.


Die leichte Wanderung beginnt am Coll de sa Gramola kurz vor Kilometerstein 106 der Landstraße Ma-10, die von Andratx nach Pollença führt. Links der Straße befindet sich ein Parkplatz. Der Wanderer folgt dort geradeaus einem Pfostenpfeil. Eine breite Piste führt nun zunächst eben, später leicht ansteigend aufwärts. Rechts liegt eine beim Waldbrand unversehrt gebliebene finquita, die von verkohlten Baumgerippen umgeben ist.


Man bleibt auf dem Hauptweg, der Camí de ses Basses genannt wird und der dann wieder eben weiter verläuft. Der Wanderer passiert eine weitere finquita, von der sich ein spektakulärer Ausblick auf das Meer und die Küstenlandschaft bietet. Rechts ragen die Hochklippen Puig Roig und Penyals de s‘ Evangèlica empor. Tief unten sind das Landgut Es Ratjolí und der gleichnamige Torrent zu erkennen.


Man ignoriert in der Folge Abzweige (Pfostenpfeile), übersteigt eine über den Weg gespannte Eisenkette und kommt an einem an einer Kiefer befestigten Schild vorbei, das darauf hinweist, dass Hunde nur angeleint mitgeführt werden können. Der Wanderer passiert eine alte Steinhütte, die Es Campàs genannt wird. Die Piste steigt dann in Kurven an und führt schließlich zum Collet de sa Pedrissa, der auf einigen Wanderkarten auch als Coll d‘en Tió bezeichnet wird. Die Gehzeit vom Parkplatz bis zu dem Sattel hat rund 30 Minuten betragen.


Blickt man nun zurück, ist eine großartige Aussicht auf die Berge Penyal de n’ Anglada, Puig des Voltor und Puig des Campàs mit ihren imposanten Steilwänden und spitzen Zinnen möglich. Besonders beeindruckend ist aber der Blick auf den 926 Meter hohen Tafelberg Mola de s‘Esclop.


Weiter geht es vom Coll de sa Pedrissa auf dem breiten Weg, der nun in Kurven abwärts führt. Man kommt an einem weiteren Schild mit dem Hinweis auf Leinenpflicht für Hunde und an einem Schild „Jagdgebiet“ vorbei. Links unten sind Talsenken zu sehen, an deren Abhängen noch viele – teils eingestürzte und zugewachsene –Terrassenmauern auffallen. Diese Mauern sind Relikte aus einer Zeit, in der das Areal noch bewirtschaftet war. Dokumente aus dem Jahr 1232 belegen die Existenz der Possessió de la Gramola in dieser Gegend. Eine weitere Possessió existierte im 13. Jahrhundert mit dem Namen Puyalmessen, die später Ses Basses genannt worden ist. Ab dem 16. Jahrhundert haben die Gehöfte Alcaría de las Perpinyás und Es Campàs die terrassierten Felder bewirtschaftet. Neben Ölbäumen wurde auch Getreide­ angebaut sowie Schafe, Ziegen und Schweine gehalten.


Der Wirtschaftsweg führt dann rund um einen Talkessel. Gegenüber ist der lange Bergrücken der sa Paret des Moro zu sehen. Man folgt einem Pfostenpfeil und ignoriert zwei Steinmännchen, die nach rechts verweisen. Schließlich wird eine Weggabelung erreicht, bei der es links auf der Variante A des GR 221 weiter in Richtung s‘Arraco geht. Hier folgt man nun aber geradeaus der schwarzen Schrift „Trapa“ und einem schwarzen Pfeil auf einem Pfosten und der roten Schrift „Trapa“ und einem roten Pfeil auf Gestein.


Ein bald folgender linker Abzweig wird ebenfalls nicht beachtet. Hier ist links etwa 100 Meter entfernt die restaurierte Hütte Ca’n Pep Serra zu sehen. Wenig später wird dann die Steinhütte Caseta de ses Basses erreicht. Beide Schuppen haben einst zu dem Gutshof Ses Basses gehört. Die Gehzeit vom Collet de sa ­Pedrissa bis hier hat rund 30 Minuten betragen.


Weiter geht es von der Steinhütte rechts auf dem Weg (rote Markierungen an einem Baumstumpf und auf Gestein). Man verlässt die Piste sogleich nach wenigen Schritten und biegt links (Steinmännchen, roter Klecks) auf einen Pfad ab. Dieser führt hangwärts
nach oben, wobei Steinmännchen und rote Punkte die Richtung zeigen. Beim Aufstieg hat man immer wieder einen herrlichen Ausblick auf das Meer und die wild zerklüftete Küstenlandschaft von Estellencs. Der Wanderer gelangt dann zu einer Steinpyramide, bei der links (roter Klecks, Steinmännchen) auf einen steinigen Pfad einzubiegen ist. Dieser führt nun leicht ansteigend zu einer weiteren Steinpyramide, bei der die Piste rechts wegknickt.


Der Steig verläuft zunächst nach oben (Steinmännchen), dann kurz nach unten, um dann wieder anzusteigen. Schließlich gelangt man nach einer längeren Steigung zu einer Hochebene, die längs bis zu einer sehr hohen Steinpyramide führt. Die Gehzeit von der Caseta de ses Basses bis hier hat rund 20 Minuten betragen.


Bei der Steinpyramide wird rechts auf einen Pfad abgebogen und nach etwa 50 Metern der Aussichtspunkt Mirador d‘en Josep Sastre erreicht. Von der 400 Meter direkt über dem Meer gelegenen Brüstung ist die Insel Dragonera in ihrer ganzen Schönheit zu erblicken. Da die Hochklippe Cap Fabioler, an deren Abbruchkante der Mirador steht, senkrecht abfällt, ist hier ein schwindelerregender Tiefblick möglich. Aber auch die Aussicht auf die Küstenlandschaft von Estellencs, Banyalbufar, Port des Canonge und Valldemossa kann sich sehen lassen.
 

Wegstrecke
9 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 2 Std. 40 Min.


Höhenunterschied
100 m   


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-1 nach Andratx und dort auf der Ma-10 Richtung Estellencs bis kurz vor Kilometerstein 106. Hier befindet sich der Coll de sa Gramola und ein Parkplatz.


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Wegen und steinigen
Trampelpfaden. Beim Mirador d’en Josep Sastre ist absolute Schwindelfreiheit notwendig. Rückweg auf der Hinroute.


Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant, Regenschutz.


Einkehr: Lokale in Andratx.

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