Wandern
Zur Possessió Galatzó: Im Reich des „Comte Mal“
Calvià - Mallorca (deutschsprachig)
Eine Wanderung bei Capdellà zur Possessió Galatzó und zur Hochebene ses Planes
Die Cases de Galatzó wurden im Mai 2006 von der Gemeinde Calvià gekauft. Seitdem ist das 1.400 Hektar große Landgut allgemein zugänglich. Die finca mallorquina war über Jahrhunderte eines der ertragreichsten Güter der Insel, auf dem vor allem Oliven, Mandeln und Getreide angebaut worden sind. Heute gibt es auf dem Gebiet der Possessió vier ausgeschilderte Wanderwege. Bei der heutigen Tour wird die „Route 3“ nach ses Planes beschrieben.
Die leichte Wanderung beginnt am Ortsende von Capdellà am Ende der Carrer de Galatzó. Hier befinden sich die Schilder „Finca pública Galatzó“ und „GR 221, Cases de Galatzó, Estellencs“. Eine Tafel informiert zudem über die Wanderwege in diesem Gebiet. Der Wanderer erfährt auch, dass es bei der Route nach Estellencs um die Variante Capdellà-Estellencs des Weitwanderwegs GR 221 handelt.
Der Camí de Galatzó führt dann mehr oder weniger eben in Richtung Vall de Galatzó, wobei man den Puig de Galatzó vor Augen hat, der sich mit seiner gewaltigen Südwand präsentiert.
Man bleibt dann bei einem Pfostenpfeil auf dem Hauptweg und gelangt rund 20 Minuten nach Tourstart zu einem Tor, das durch eine Pforte rechts umgangen wird. Danach führt die breite Piste geradeaus abwärts. Kurz darauf wird der linke Abzweig mit dem Schild „Sa Vinya“ ignoriert.
Der Flurweg führt nun geradeaus (Pfostenpfeil) durch eine uralte Kulturlandschaft mit Oliven-, Mandel- und Johannisbrotbäumen. Man gelangt zu einem rechten Abzweig mit dem Schild „Ses Planes“. An diese Stelle wird der Wanderer nach dem Besuch der Cases de Galatzó wieder zurückkehren.
Weiter geht es nun geradeaus in Richtung der Cases de Galatzó (Beschilderung), wobei ein weiterer linker Abzweig „Sa Vinya“ ebenfalls ignoriert wird. Kurz vor den Häusern fällt ein kleiner Steinbau auf, bei dem es sich um eine Kornkammer handelt. In dieser wurde noch bis in das 19. Jahrhundert der Tribut an den Staat gelagert. Wenig später werden die Cases de Galatzó erreicht. Die Gehzeit von dem Tor mit der Pforte hat rund eine Viertelstunde betragen.
Das Landgut Galatzó hat eine lange Geschichte. Archäologische Funde zeigen, dass in dieser Gegend schon in der frühen und mittleren Bronzezeit (2000 bis 900 v. Chr.) Menschen gelebt haben. So wurden in der Höhle Cova d’en Batiat Reste von Keramiken aus dieser Zeit gefunden. Auch die Naveta de ses Sínies, ein schiffsförmiger Steinbau, in dem einst Menschen wohnten, zeugt von der Besiedlung.
Viel später waren es die Mauren, die sich während ihrer Herrschaft auf Mallorca hier niedergelassen und einen Gutshof unterhalten haben. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Hof 1283 als alquería de Galatzó, Eigentümer war damals Guillem Porcel. In der Folge wechselte mehrmals der Besitzer. Von 1627 an gehörte die Possessió den Condes de Santa Maria de Formiguera. Der schillerndste Vertreter der Adelsfamilie war der Graf in der zweiten Generation, der als Comte Mal in die Geschichte eingegangen ist.
Der „schlechte Graf“ musste aus seinem Heimatdorf Santa Margalida fliehen, weil er während einer Revolte von Bauern und Handwerkern den Sprecher der Aufständischen 1647 durch gedungene Mörder umbringen ließ. Bis jetzt lebt der Comte Mal als Mythos des Bösen weiter. Es heißt, er würde noch heute in der Nacht entweder mit einem weißen oder einem schwarzen Pferd über die Steilhänge des Puig de Galatzó reiten.
Nach der Besichtigung der aufwendig restaurierten Ölmühle, der tafona, und des schmucken Gartens, in dem ein hoher Pfefferbaum zu bestaunen ist, begibt man sich in zehn Minuten wieder zu dem Abzweig mit dem Schild „Ses Planes“ und biegt dort gleich links (Beschilderung und rot markierter Pfosten) auf eine holprige Piste ab. Diese führt zunächst eben durch den östlich gelegenen Teil des Vall de Galatzó. Der Wanderer kommt dabei auch am großen Orangenhain der Possessió vorbei, der aber nicht zugänglich ist. Nach einem rot markierten Pfosten steigt die Piste leicht an. Schließlich ist rund eine Viertelstunde nach dem Abzweig mit dem Schild „Ses Planes“ die Sèquia des Ratxo erreicht. Hier wird auch in Deutsch über den Wasserkanal informiert. Die Kanalisation – quanat genannt – ist maurischen Ursprungs und führt Wasser aus der etwa zwei Kilometer entfernten Font des Ratxo zu einem fast 100 Meter langen Staubecken, das sich wenige Schritte weiter oben links unterhalb des Weges befindet.
Wenig später gelangt man dann zum Mirador de ses Cases. Hier wird auf einer Tafel die Funktion der Wassermühlen, der molins d’aigua, erklärt. So wurde von dem Staubecken das Wasser auf die unterhalb zu sehenden, hoch gemauerten Wassergräben geleitet. Von dort konnte es herunterstürzen und das Mahlwerk für das Korn betreiben. Von hier hat man auch einen wunderschönen Blick auf das Landgut mit seinen Schaf-, Schweine- und Kuhställen. Überragt wird die Possessió von dem fast 650 Meter hohen Puig Batiat.
Weiter geht es auf dem Wirtschaftsweg, der nicht allzu steil in rund 20 Minuten zu dem Mirador de ses Sínies führt. Hier hat der Wanderer einen besonders schönen Blick auf das Vall de Galatzó und das Meer bei Santa Ponça mit der Inselgruppe Malgrats.
Auf der moderat ansteigenden Piste gelangt man dann nach weiteren fünf Minuten zum „Mirador de s’era de ses Planes“. Dabei handelt es sich um einen Dreschplatz für Korn und Hülsenfrüchte. Schließlich wird nach weiteren zehn Minuten die Hochebene ses Planes erreicht, auf der früher Getreide und Hülsenfrüchte angebaut wurden. Etwas unterhalb ist die Hausruine der Landarbeiter zu sehen.
Die Aussicht von hier ist phänomenal: Nicht weit entfernt erhebt sich der Puig de Galatzó. Dessen Felswände sind teilweise so steil, dass man sich einen Ritt des Comte Mal schwerlich vorstellen kann. Links sind die Mola de s’Esclop und unterhalb die tief eingeschnittenen Senken des Tafelberges atemberaubend gut zu sehen.
Wegstrecke
10 km (hin und zurück)
Nettogehzeit
rund 3 Std.
Höhenunterschied
290 m
Schwierigkeitsgrad
**
Anfahrt von Palma:
Auf der Ma-1 nach Peguera, dort bei der Ausfahrt Nr. 22 auf die Ma-1012 nach Capdellà. Weiter durch die C/. les Platges zur Ortsmitte. Hier verweisen die Schilder „Finca pública Galatzó“ und „GR 221, Cases de Galatzó, Estellencs“ geradeaus auf die Carrer de Galatzó. Am Ende der Straße sind auch einige Parkmöglichkeiten. Rückweg auf der Hinroute.
Tourencharakter:
Leichte Wanderung auf breiten Wegen. Für Kinder empfehlenswert. Öffnungszeiten der Finca pública: 1.10. bis 31.3.: 8.00 bis 17.00 Uhr, 1.4. bis 30.9.: 7.00 bis 19.00 Uhr. Das Mitführen von Hunden ist nicht gestattet.
Ausrüstung:
Leichte Wanderstiefel.
Einkehr:
Lokale in Capdellà.

