Strände

Spitze Schreie in der Röhre

4 Stimmen

Calvià - Mallorca

„The Beast“ ist die höchste Wasserrutsche Mallorcas. Wir haben sie ausprobiert

ANDREAS JOHN

Nein, da gibt es wirklich keine zwei Meinungen: Dieser Schrei ist hollywoodreif. So spitz und laut erinnert er an den von Janet Leigh in Hitchcocks „Psycho“. Genau sechs Sekunden langt hallt er markerschütternd durch die Luft bis er schließlich 30 Meter unter uns in einem unüberhörbarem „Platssssch“ endet.


Javi, der Rettungsschwimmer am Eingang der knallgelben Röhre, in der das blonde Mädchen gerade eben lauthals in die Tiefe gestürzt ist, kann über solch akustischen Adrenalin-Ausbrüche nur müde lächeln. Dafür sitzt er schon zu lange hier oben, um die vielleicht mutigsten Besucher des „Western Parks“ bei Magaluf auf ihren Höllenritt in der höchsten ­Wasserrutsche Mallorcas vorzubereiten.


„The Beast“ heißt sie und sorgt von Juni bis Ende September zwischen 10 und 18 Uhr für lautes Kreischen vor den Toren der britischen Urlauberhochburg südwestlich von Palma. Eigentlich ist es gar nicht der Höhen­unterschied, sondern vielmehr das Gefälle von über 80 Grad, das „die Bestie“ so gruselig unterhaltsam macht. Bereits nach 100 Metern endet die Rutschpartie in einem großen Auffangbecken, bis dahin erreicht man in der Badehose jedoch Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern.


Doch um zu Javi, dem Wächter der Bestie, zu gelangen, ist es ein langer Weg. Er führt über ein mit Holzplanken verkleidetes Baugerüst etliche Treppenstufen in die Höhe und treibt im Hochsommer nicht nur dickleibigen Badegästen den Schweiß aus den Poren. Oftmals ist dieser Kraftakt jedoch vollkommen für die Katz. „Hier tauchen jeden Tag Gäste auf, die nach einem kurzen Blick in die Tiefe ganz schnell wieder umdrehen“, weiß Javi nicht ohne einen Anflug von Häme zu berichten. Warteschlangen, wie vor den meisten der insgesamt 15 Wasserpark-Attraktionen gäbe es selbst zu Spitzenzeiten im Hochsommer nur selten. Und wenn hier oben auch noch ein wenig Wind blase, sodass das Treppengerüst ein kleines bisschen hin- und her­schwanke, ja dann sei der Adrenalin-­Kick erst richtig groß.


Die Mischung aus Western-Ambiente, Nervenkitzel in Badehose und dem allgegenwärtigen Odeur von Chlorwasser kommt bei dem vor allem Englisch, Russisch und Skandinavisch sprechenden Publikum scheinbar sehr gut an. So besuchten nach Angaben der Betreiber im vergangenen Jahr rund eine Viertelmillion Urlauber das über 120.000 Quadratmeter große Areal, um hier zwischen Souvenirshop, Fastfood-Lokalen und Liegewiesen den Tag zu verbringen.


Der „Western Park“ ist Teil einer europäischen Kette aus insgesamt 41 Freizeit- und Themenparks des spanischen Unternehmens Aspro, das auf der Insel einen weiteren Wasserrutschen-Park („Agualand“) in Arenal sowie den Marine-Zoo „Marineland“ in
Puerto Portals betreibt.


Doch zurück zur „Bestie“ und Javi. Der hat uns gerade erklärt, wie man sich beim Sturzflug-Rutschen am besten verhält. ­„Arme auf der Brust überkreuzen, ­Beine durchstrecken und die Füße ügereriahmmm ....“, hören wir gerade noch, während wir auf dem Rücken liegend in der Röhre verschwinden. Nach eineinhalb Metern geht es bergab. Richtig bergab. So als ob man die ­Niagara-Fälle hinunterschießt. Der Sturz dauert eine gefühlte Ewigkeit, dann rast man in der Horizontalen über das Wasserbett gen Rutschenende.


Dumm nur, dass wir beim Einstieg in die Röhre Javis Anweisungen nicht ganz verstanden hatten. „Füße übereinander legen“, muss er wohl gemeint haben. So leistet man dem verdrängten Wasser auf der Rutsche weniger Widerstand. Und schützt gewisse Körper­zonen. Mit vor Angst gespreizten Beinen fühlt man(n) sich stattdessen, als ob einem jemand mit einem Hochdruckstrahler in die Mangel nimmt. Auch fürchten wir, dass sich unsere Badehose durch die enorme Reibungskraft in jeder Sekunde in Rauch auflösen ­könnte.


Schließlich trudeln wir wie eine entschärfte Tomahawk-Rakete in den Auffangpool, den wir nur kurze Zeit später auf zittrigen Beinen verlassen. „Nie wieder!“, schreit unser Verstand. „Sofort noch einmal!“, grölt das in uns erwachte Kind. Und als von oben dann noch ein spitzer Schrei ertönt, wissen wir: „The Beast“ hat wieder zugeschnappt. 

 

RUTSCH-INFO

Der „Western Park“ in Magaluf ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise liegen zwischen 11 und 26 Euro. Online-Tickets sind 10 Prozent günstiger. www.westernpark.com

Fotogalerie

Karte