Sightseeing

Das Dorf der langlebigen Senioren

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Bunyola - Mallorca

Erkundungen auf dem Kirchplatz in Bunyola – ausnahmsweise ohne Radfahrer

ALEXANDRA WILMS

An Bunyola fährt man irgendwie eher vorbei: Die an der Strecke von Palma nach Sóller gelegene Abfahrt hat man schnell verpasst. Dabei ist das Dörfchen wirklich niedlich und  empfängt den Besucher mit einer lichtgrünen Platanen-Allee. Mittelpunkt Bunyolas ist die Kirche Sant Mateu, um die herum zahlreich Bars angesiedelt sind.


Der Barbesuch
Während sich auf den Rattan-Imitat-Stühlen der Bar Tramuntana eine Abordnung der Dorfjugend gelangweilt zwei Eistees teilt, verspricht das Café Ca S‘Espardenyer mit deutlich mehr besetzten Tischen den höheren Unterhaltungswert. Das Publikum ist einheimisch, man kennt und grüßt sich. Wer auf die Kellnerin wartet, sollte Geduld mitbringen – oder es so machen wie die Dorfbewohner und sich das Gewünschte drinnen holen. Zum Beispiel ein Estrella Galicia vom Fass (1,60 Euro). Von einer der öffentlichen Bänke, die kaum zwanzig Zentimeter hinter den Tischen stehen, starrt ein zahnloser Methusalem mit dicken Brillengläsern neidisch auf das bestellte Käse-Anchovis-Bocadillo (3 Euro) – fast möchte man ihm eines davon anbieten. Aber nein, er könnte es ja eh nicht kauen.  


Das Geschäft
Die Auswahl fällt nicht schwer: Neben einer bereits geschlossenen Bankfiliale gibt es direkt am Platz nur einen einzigen Laden, die Bäckerei Es Forn de Sa Posada. Drinnen schwitzt Verkäuferin Coloma bei nahezu unmenschlichen Temperaturen – das Putzen der Außenseite des Schaufensters wird da zur willkommenen Abkühlung. Zu ihren Kunden gehören neben den Einheimischen auch die vielen Ausländer, die hier leben oder Sommerhäuser besitzen. Besonders beliebt sind die coca de patates und die coca mit ­Sobrassada und Aprikosen. Eine echte Sehenswürdigkeit gebe es am Platz – außer Rathaus und Kirche – nicht. Coloma empfiehlt deshalb einen Spaziergang in den oberen Teil Bunyolas: „Von dort aus hat man einen schönen Blick auf das Dorf.“  


Der Dorfklatsch
„Hier kennt jeder jeden“, sagt Coloma, man unterhalte sich vor allem über die Gesundheitszustand der Dorfbewohner. Die Lokalpolitik werde selten diskutiert, aber: „Wir sind hier eher konservativ.“ An den Tischen im Ca S‘Espardenyer sind die Aufreger finanzieller Art – und zwar auf ganz großer („Dieser Pujol, dass ausgerechnet der so viel Geld  in der Schweiz gebunkert hat …“) und ganz kleiner Ebene: Die Lauscherin lernt, dass sich 18 Cent Schulden bei der Sozial­versicherung nicht am Bankautomaten begleichen lassen, weil der nur 5-Euro-Scheine nimmt.


Die Bankbekanntschaft
Auf der Bank vor der Bäckerei sitzen Nicole aus Nicaragua und die Schwestern María Julia und Emilia aus Kuba. Die Mittelamerikanerinnen arbeiten als internas: Sie betreuen und pflegen Senioren in deren Häusern. „Hier in Bunyola gibt es sehr viele alte Leute – die werden wirklich sehr alt – und sehr viele Kinder. Also nur Extreme“, findet Emilia. Ihre Schwester María Julia berichtet von den Radler-Horden, die im Frühling und Herbst Platz und Straßen verstopfen „Aber nach der Frühstückspause fahren sie ja dann auch wieder.“


Der Tipp
Sowohl die Damen auf der Bank als auch Verkäuferin Coloma empfehlen den Markt, der mittwochs und samstags am Vormittag auf dem Platz stattfindet

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