Sightseeing

Plaça-Check: Modern und ein bisschen mondän

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Pollença - Mallorca

Der Club Pollença residiert seit 1910 am Platz. Beliebt ist auch das Café Español mit W-Lan

JUTTA CHRISTOPH

Wer im Süden Mallorcas wohnt und plant, Pollença zu besuchen, der überlegt meist zweimal, ob die weite Fahrt in den Nordosten lohnt. Tut sie. Das merkt man, wenn man auf der Plaça Major, Pollenças Hauptplatz, steht. Sonntags findet hier ein großer Wochenmarkt statt. An diesem Mittwochabend kann man in Ruhe eine 360-Grad-Drehung machen und die Platanen zählen, die den Platz rahmen. 18 Bäume werfen ihre Schatten auf Kaffeehaustische auf der einen und Steinbänke auf der gegenüber­liegenden Seite.


Die Bank-Bekanntschaft
Auf einer dieser Bänke sitzen Maria Antònia und Jaume, die in Inca leben und nach der Arbeit oft auf ein Eis nach Pollença fahren. „Das Dorf hat ein ganz besonderes Flair“, sagt Maria Antònia, „und es gibt hier das beste Eis weit und breit.“ Gemeint ist die Eisbude Gelats Valls, die am Platz zwei Dutzend Eissorten (Kugel 1,40 Euro) sowie Sorbet und Horchata, Erdmandelmilch, verkauft. „An bewölkten Tagen ist besonders viel los, weil die Leute dann nicht an den Strand fahren“, erzählt Antònia hinterm Tresen. Produziert wird seit 1930, an den Familienrezepten hat sich seitdem nicht viel verändert. Den derzeitigen Bestseller – Cookies – kannte Antonias Großvater aber wohl noch nicht.


Der Bar-Besuch
An Großvaters Zeiten fühlt man sich auch im Café des Club de Pollença gegenüber erinnert (täglich ab 7.30 Uhr geöffnet). Der herrschaftliche Bau beherbergt den Kulturclub seit 1910, durch einen edlen Windfang betritt man das marmorgeflieste Entree, von dem zwei Salons abgehen. Auf mehreren Tischen liegen Tageszeitungen aus, in der Nähe der Bar sitzt Juan Serda mit seinen Freunden Juan und Bartolomé. „Das ist der einzige Club, der vor dem Bürgerkrieg gegründet wurde und noch heute existiert“, erzählt Juan Serda stolz. Er trat mit 14 Jahren ein und ist seit 70 Jahren Clubmitglied. Sein Freund Juan zählt 93 Jahre und 75 Jahre Mitgliedschaft. Von den knapp 1.000 Mitgliedern seien ein Fünftel Engländer, schätzen die Herren. Für
80 Euro Beitrag im Jahr kann beitreten, wer möchte, an den Kulturveranstaltungen teilnehmen sowie Kaffee, Sandwiches und Tapas zu reduzierten Club-Preisen bestellen. Zum Beispiel einen Tomaten-­Mozzarella-Salat, der auf einem großen Teller mit Oliven und Basilikumblättern serviert wird (6,20 Euro, Mitglieder 5,90 Euro). Jetzt muss man sich nur entscheiden, ob man an einem der Clubtischchen essen möchte oder draußen auf der Terrasse.


Das Publikum
Von der Terrasse aus behält man in jedem Fall das Dorfgeschehen besser im Blick. Während sich linker Hand langsam die weiß eingedeckten Tische beim Italiener Il Giardino mit Touristen füllen, tobt auf der Plaça oberhalb eine Horde Kinder. Die Eltern besetzen mehrere Steinbänke und tauschen Alltagssorgen aus. Erfahren, was zu Hause los ist, will auch Katrin aus Köln. Die deutsche Residentin lebt in Pollença und kommt mindestens einmal am Tag ins Café Español Ca‘n Moixet, weil es hier kostenloses W-Lan gibt. Morgens trinkt sie am Platz Milchkaffee und checkt E-Mails, abends bestellt sie zum Surfen im Netz gerne Weißwein. Sie ist nicht die einzige, die den Blick auf den Bildschirm gesenkt hat. Am Tisch nebenan sitzt ein englisches Paar, jeder mit einem Tablet auf den Knien, und scheint Büroarbeit zu erledigen.


Die Sehenswürdigkeit
Neben dem Café Español befindet sich die Pfarrkirche Nostra Senyora dels Àngels. Der steinerne Bau nimmt die obere Stirnseite des rechteckigen Platzes ein und wurde 1236 von den Tempelrittern errichtet. Sehenswert sollen die Deckenmalereien sein, die man zum Beispiel Sonntagmittags nach der heiligen Messe besichtigen kann.


Als Sehenswürdigkeit aus Fleisch und Blut könnte man Julia bezeichnen. Die Russin mit den blonden Haaren und blauen Augen lebt seit zwölf Jahren auf Mallorca, spricht perfekt Spanisch und arbeitet in der einzigen Boutique am Platz, wo sie Schmuck, Kleidung und Accessoires aus Indien und Asien verkauft. Wenn nicht viel los ist, beobachtet Julia gerne von der Tür aus das Treiben auf dem Platz. Bis sich eine verdächtige Kamera nähert, und ein Tourist mal wieder ein Foto von der Russin schießen will.

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