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Dorfcheck Sa Pobla: Bodenständig

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Pobla (Sa) - Mallorca

Auf dem Markt, in den Geschäften und den Bars der Kartoffel-Hochburg Sa Pobla geht es noch geerdet zu

JUTTA CHRISTOPH

Der Wochenmarkt
Jeden Sonntagvormittag findet auf der Placa de la Constitució der Wochenmarkt statt, mit Obst, Gemüse, Haushaltswaren, Tieren, Käse und Wurst. Natürlich gibt’s auch die örtliche patata von Sa Pobla, deren guter Ruf bis England hallt. Dorthin werden die kleinen mürben Erdäpfel von Sa Pobla nämlich exportiert. Während die dicken, großen Knollen auf ­Mallorca bleiben. „Die neue Ernte kommt Ende Februar“, sagt Gemüse­bauer Miguel – in der fruchtbaren horta gibt es drei Ernten pro Jahr. Die Sorten wurden an die Vorlieben der Nord­europäer angepasst: Die Engländer lieben die Marisbal mit weißem Fleisch, die Deutschen bevorzugen die gelbe Marfona. Und Residenten auf Mallorca? Für die bewahrt Miguel immer eine Kiste mit extra kleinen Knollen auf (0,70 Cent/kg): „Die Ausländer essen die ja mit Pelle.“ Der Bauer mag sie, wie die meisten Mallorquiner, lieber geschält auf dem Teller.


Leere Brunnen, falsche Zungen
Mitten auf der Plaça de la Constitució steht eine arabisch anmutende Brunnenanlage – leider außer Betrieb und ein Sammelbecken für Müll. Rund um den Hauptplatz von Sa Pobla gruppieren sich Bars, stattliche Häuser, einige davon zu verkaufen, und Geschäfte. Eines davon ist das Es Pons, in dem Nähmaschinen-Liebhaber zwei Raritäten der Marke Pfaff bestaunen können – über hundert Jahre alt und unverkäuflich. Doch wer weiß – laut Verkäufer Gabriel wird der Möbel- und Stoffladen bald dicht gemacht und die Tret­maschinen ausrangiert. Bis es soweit ist, wollen aber noch etliche Sitzpolster mit Zungenstoffmuster genäht und verkauft werden. Das Stück kostet 12 Euro. „Die sind so günstig, weil der Stoff nur einseitig bedruckt und nicht durchgewebt ist“, erklärt Gabriel. Zu sehen ist der Zungen-Fake für den Laien nicht.


Kiosk für Naschkatzen
An der Nordseite des Rathauses duckt sich der Kiosk von Bartolomé, ein einfacher Containerbau, der schon seit 30 Jahren Süßes, Süß-Salziges und Salziges an große und kleine Schleckermäuler verteilt. Ab 0,5 Cent wird man im Ca‘n Calent glücklich, das Geschäft übernahm Bartolomé von seinem Schwiegervater. Der ­Mallorquiner, auch ein Süßer, wie er selbst sagt, empfiehlt Schaumzucker-Bananen, fruchtige Erdbeeren und Jelly Belly – kleine Geleebohnen umhüllt von einem Drageemantel. Natürlich gibt’s auch Salziges wie Kürbiskerne, Pistazien und Erdnüsse. Sonntags läuft der Absatz am besten, ab Ostern schauen Stammkunden bestimmt auch zweimal am Tag vorbei – dann verkauft Bartolomé wieder sein selbst gerührtes Zitronen­sorbet.


Schokolade schlürfen
Wer sich nach was Handfestem zum Frühstück sehnt, läuft ein paar Schritte weiter zum Panord (C/. Mercat, 10). Der Bäckerbetrieb hat sein Hauptgeschäft in Alcúdia, doch auch die Zweigstelle Sa Pobla hält eine Riesenauswahl an Teigwaren bereit. Zum üblichen Angebot wie Ensaimadas, cocas und Croissants gibt’s Schweineohren überzogen mit dunkler und weißer Schokolade, Sachertörtchen mit getrüffelter Orange und Blätterteiggebäck mit Kaffeecreme. Wer will da noch ein schlichtes Käse-Schinken-Baguette bestellen... Zur Bäckerei gehören neun Tische, die eigentlich immer besetzt sind. Kurz zu warten, lohnt sich aber, die Einheimischen ziehen weiter, sobald die Schokolade getrunken, das süße Häppchen verzehrt ist.


Übernachten für 12 Euro
Im Speisesaal des Hostal Fonda Europa hängt eine Urkunde von 1918, die offi­ziell bestätigt, dass das Haus in der Calle Misterio 3 für den Hotel­betrieb zugelassen ist. Als besondere Merkmale sind angeführt: Elektrizität auf jedem Zimmer sowie Fuhrwerk-Service und Vermietung von Kutschen. Heute punktet die Herberge (www.fondaeuropa.com) mit ausgezeichnetem Essen, günstigen Preise und dem Charme von anno dazumal. Guillermo Sans übernahm das Hostal vor drei Jahren und hat seitdem nicht viel verändert. Die zwei Doppel- und sechs Einzelzimmer sind einfach, aber gemütlich (Übernachtung ab 12 Euro), die Küche traditionell. Auf der Mittags- und Abendkarte steht zum Beispiel mallorquinische Brotsuppe, Kabeljau aus dem Ofen und gebackenes Kaninchen mit Zwiebeln (Mittagsmenü ab 7 Euro). Getafelt wird an hübschen Holztischen im ersten Stock, wo sich jeden Montagmittag auch die Ses Jonqueres zum Essen und Diskutieren einfinden – ein illustres Künstler- und Intellektuellengrüppchen der Insel.

Das Tapas-Brötchen
Noch eine Adresse, die man sich merken sollte, ist die Tapas-Bar Toni Cotxer an der Placa Major 19. Seit vierzig Jahren sind Toni, seine Tapas und die weinroten Kunstledersessel eine Institution am Marktplatz. Seit fünf Wochen wird das Geschäft nun von Sohn Nadal geführt, da Toni überraschend verstorben ist. Seine Spezialitäten bleiben, darunter das bocadillo variado (4 Euro), ein Brötchen belegt mit gemischten Tapas wie russischem Salat, Kutteln in scharfer Soße, gebratener Hühnerleber und Tintenfisch­ringen. Am Wochenende trifft sich das halbe Dorf in dem lauten Saal, wer gerne Menschen studiert, hat hier seine Freude.
 

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