Sightseeing

Sineu: Gediegenes Landstädtchen

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Sineu - Mallorca

Sineu hat, was man zum Wohlfühlen braucht: Geschichte, Kultur, Design und Weinkeller

JUTTA CHRISTOPH

Der berühmte Markt
Wenn man von Sineu spricht, dann meist im Zusammenhang mit dem Wochenmarkt, zu dem Besucher mittwochs von der ganzen Insel strömen. Das Landstädtchen war schon zu arabischen Zeiten ein wichtiger Marktplatz und ist es bis heute, auch dank vieler Touristen, geblieben. In Sineu findet man neben vielen bunten Ständen, die sich durch die Gassen ziehen, noch einen Viehmarkt, der diesen Namen verdient. Eine Viehtränke unterhalb des großen Marktplatzes erinnert an Zeiten, als Besucher statt in Reisebussen noch mit Pferd und Wagen anreisten.


Wenn man Sineu auf den Wochenmarkt reduziert, verpasst man allerdings die besten Dorf-Seiten. Was es auf dem Hügel Puig de Sant Onofre noch zu entdecken gibt, verrät die Infotafel auf dem zentralen Platz Sa Plaça. Von hier führen die kulturell interessanten Pfade sternen­förmig durch die Gemeinde – zu Klöstern, Kirchen, Herrenhäusern, Weinkellern. Wer sich vor dem Rundgang stärken möchte, setzt sich in eine der Bars und beobachtet bei Kaffee und Croissant das geschäftige Treiben der Bewohner.

 

Der gestohlene Kirchturm
Lustig ist die Legende vom geklautem Glockenturm, und die geht so: Im 13. Jahrhundert wollten sich die Bürger Sant Joans von der ländlichen Hauptstadt lossagen. Sie erschienen zahlreich auf dem Marktplatz von Sineu, im Hosenbund Stricke, die sie unbeobachtet fallen ließen. Die Männer knüpfen daraus ein langes Seil und legten es um den Glockenturm der Pfarrkirche. Auf dem Rückweg nach San Joan begannen sie am Seil zu ziehen, der Turm bewegte sich ein Stück, dann riss das Seil. Heute steht der Glockenturm einige Meter vom Gotteshaus entfernt und ist durch eine Brücke mit diesem verbunden. Mittwochs (10 bis 13 Uhr) gelangt man durch das Pfarr­museum (Eintritt 1 Euro) in die Kirche Santa Maria de Sineu aus dem 13. Jahrhundert. Gotische Bögen trennen im Inneren die sehenswerten ­Seitenkapellen ab.


Sineu meets Bangladesch
Die Treppen der Pfarrkirche führen direkt auf das Atelier von Irene Peukes zu (Plaça Es Mercadal, 3). Die deutsch-spanische Modedesignerin hält sich noch bis Mitte Dezember in Bangladesch auf, um in dem süd­asiatischen Staat ihr neuestes Projekt „Pla“ voranzutreiben. „Pla“ heißen Schuhe, die Kunsthand­werkerinnen in Bangladesch von Hand aus einem Jutezopf fertigen. Auf Mallorca werden die Sohlen produziert, ab März gibt es die Schuhe dann in verschiedenen Farben zu kaufen (www.pla.org.es). Aktuell findet man in Irene Peukes Atelier handgewebte Schals (80 Euro) und raffiniert gewebte Oberteile aus ­Guatemala. Im Frühjahr kommt die neue Kollektion, in hellen, kräftigen Farben wie Orange und Pink.


Hinter Klostermauern
1309 ließ König Jaume II an der höchsten Stelle Sineus eine königliche Residenz errichten. Knapp 300 Jahre später wandelte König Philipp II. den wehrhaften Palast in ein Frauenkloster um. Seither leben Franziskaner-Nonnen hinter den dicken Mauern des Palau del Rei in Klausur. Jeden Mittwoch (9 bis 14 Uhr) sind die Tore der Klosterkirche für Besucher geöffnet und mit etwas Glück trifft man dann auch Schwester Sol Trinidad an. Die Nonne ist der quirlige Mittelpunkt des Klosters, denn ihre drei Mitschwestern sind bereits zwischen 83 und 85 Jahre alt. Sol Trinidad stammt aus Sineu und wurde früher im Dorf von allen Paquita genannt. Sie lebt seit 46 Jahren im Kloster, liest den Rosenkranz, teilt die Kommunion aus und kümmert sich um Haus und Garten. Da die Nonnen das Kloster nicht verlassen dürfen, schicken sie eine Frau zu ihrem Lieblingsbäcker um die Ecke. Im Forn Can Pinara (C/. de l‘Esperança) gibt‘s das beste Brot in der Umgebung, findet Sol Trinidad – in der über 70 Jahre alten Bäckerei wird noch im Holzofen gebacken.

Ab in den Keller
Sineu ist voller cellers. In jedem Teil des Dorfes befindet sich ein ehemaliger Weinkeller, in dem heute deftige mallorquinische Küche serviert wird. Ein besonderer Tipp ist der Celler Ca‘n Castanyer, hier dürfen Gäste ihr Essen zum Wein selbst mitbringen (C/. de l‘Esperança, Mo-Sa, 9-14 Uhr). Die ausgetretenen Stufen führen in einen alten Gewölbekeller mit sechs derben Holztischen, im Winter brennt im Kamin immer ein Feuer, wer mag, röstet sich auf der Glut sein Brot für die merienda (zweites Frühstück) oder brät sich mittags Fisch oder ein Stück Fleisch. Besteck und Teller werden gestellt, im Ausschank vom Fass gibt‘s zwei Rotweine und einen Roséwein der Insel (Glas je 1,50 Euro) sowie einen süßen und trockenen Aperitifwein (Glas ab 2 Euro).

Gemeindesitz mit Kreuzgang
Wer jetzt noch weiter spazieren mag, läuft zum ehemaligen Minimiten-Kloster aus dem 17. Jahrhundert im Carrer de Vent – heute das Rathaus von Sineu. Im Patio gibt es einen schönen Kreuzgang mit ionischen Säulen. Im Rathausarchiv wird die barcella aufbewahrt, ein Bronze­gefäß aus dem 13. Jahrhundert, in das genau elf Kilo Getreide passen. Vor der Einführung des metrischen Systems war es das offizielle Maß für Getreide auf Mallorca. Wer es sehen möchte, frage im Rathaus nach.

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