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Dorfcheck Alaró: So kommt man in Herbstlaune

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Alaró - Mallorca

Bunt wie der Markt ist auch das Dorf. Alaró bietet Kunst, Mode, Yoga und einen tollen Berg

JUTTA CHRISTOPH.

Markttag
Der Herbst kann grau und ungemütlich sein. Das weiß, wer gerade ein paar Tage in der Heimat verbracht hat. Zurück auf der Insel gönnt man sich gleich ein sonniges Kontrast­programm – und besucht den Markt in Alaró. Dort gibt‘s grüne Oliven, Esskastanien, Weintrauben, gelbe und rote Astern – alles Herbst­zeichen, die wir mögen. Die Kastanien am Stand von Sebastián sind riesig und kommen aus Galicien (sechs Euro/kg), die kernlosen Weintrauben stammen ebenfalls vom Festland. „Aber die Oliven sind aus Bunyola“, versichert der Bauer aus Sa Pobla. Obwohl der olivo mallorquín, also der Olivenbaum der Insel, ein bisschen träge sei. Sebastián verkauft auch junge Olivenbäume vom Festland (5 Euro), die bereits nach zwei Jahren erste Früchte tragen.


Sebastiáns Stand befindet sich in der Mitte eines goldenen Blumendreiecks. Von hier sind’s fünfzig Schritte Richtung Pfarrkirche, dann steht man zwischen Kübelpflanzen und Blecheimern mit dicken Blumensträußen. Jeweils 20 Schritte rechts und links von Sebastián findet man zwei weitere Blumenstände. Der eine heißt „Flores y Llabrés“ und verkauft hübsche Rosen in grün-gelb (1,20 Euro/Stück), weiße Lilien und rosé­farbene Gelbwurzblüten (12 Euro/Stück). „Die Qualität ist so gut, weil die Pflanzen in einer Gärtnerei in Algaida gezüchtet und täglich frisch geschnitten werden“, erzählt uns Isabel, die Verkäuferin. Schräg hinter ihr hat Francisco seinen Teppich-Stand. Der Mallorquiner ist der einzige auf der Insel, der aus Palmenblättern runde Teppiche flicht (ab 25 Euro, 1,20 Meter Durchmesser).

   
Mit dem Kuchen zur Kunst

Der Rest vom Markt ist schnell erklärt: Ein paar Obst- und Gemüsestände, und solche mit Käse, Wurst, Kleidung und Haushaltswaren. Viel anziehender wirkt da die Schlange vor der Bäckerei Ca na Juanita direkt am Platz. Da muss es etwas Besonderes geben! Man reiht sich brav ein und steht nach 15 Minuten vor der Wahl – deftig oder süß, Gemüse-Quiche oder Schoko-­Käsekuchen?


Wir nehmen beides und spazieren die Hauptstraße Avda. Alexandre Rosselló entlang. Gucken beim Antiquitätenhändler ins Schaufenster und bleiben vor dem Zentrum zeitgenössischer Kunst Addaya Art stehen. Hier sind noch bis Dezember Installationen von ­Juan Pablo Meneses zu sehen. Und im Kulturzentrum Casal Son Tugores inszeniert das französisch-­mallorquinische Galeristen-Paar von Addaya Art gerade eine Ausstellung zum Thema Street-Art.


Bei der Designerin
Drei Türen weiter (Avda. Alexandre Rosselló 14) führen Treppen ins Atelier von Margalida Mayol. Samstagvormittags kann man bei der Designerin ein und ausgehen und natürlich Kleidung anprobieren. Stark im Insel-Trend liegen gerade Mäntel im Retro-Look (ab 95 Euro). Zu Weihnachten bringt die Designerin eine eigene Männerkollektion heraus. „Wenn Männern ein Schnitt gefällt, kaufen sie die Hose oder das Sakko in der nächsten Saison wieder“, glaubt die Designerin. Natürlich in neuen Mustern und Farben.


Auf zur Massage
Seit ein paar Monaten gibt es zwei neue Öko- und Gesundheitsläden in Alaró. Im „Herbes d‘un temps“ werden neben natürlichen Produkten wie Aloevera-Saft, Aroma-Ölen und Bier aus der Tramuntana auch Massagen mit heißen Steinen angeboten. Wochentags kostet die 45-minütige Schulter- und Nackenentspannung nur 15 Euro (Avda. Constitució, 5, Tel.: 971-87 91 89).


Das Eco Senalla von Mariló und Jorge möchte auch ein Treffpunkt für natur- und gesundheitsbewusste Menschen sein. Zum Konzept gehören ein Café mit Terrasse sowie ein Übungsraum, in dem Yoga, Pilates, Chi Gong und Gymnastik für Kinder angeboten werden (s. a. rechte Spalte). Fürs Frühjahr sind noch weitere Kurse geplant, etwa das Seminar „Ökogarten anlegen“. Jeden Freitagabend gibt’s im Eco Senalla ab 21 Uhr ein vegetarisches Abendessen (C/. Verge del Refugi, 5, Tel.: 971-51 82 93).


Ein wenig Sightseeing …
Weiter geht’s. Nach einem Pflicht-Stopp am imposanten Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert, das an der Pfarrkirche steht, haken wir gleich noch den zweiten offiziellen Kultur­punkt Alarós ab: la torre de l’electricitat. Das Elektrizitätswerk wurde 1901 eingeweiht, Alaró war das erste Dorf Mallorcas, das über Elektrizität verfügte. Ungefähr aus derselben Zeit stammt auch das alte Stadthaus, in dem das Restaurant Sa Fonda untergebracht ist. Die Tische sind in zwei großen Wohnzimmern aufgestellt, man sitzt zwischen antikem Mobiliar unter Gewölbe­decken, gekocht wird mallorquinisch.


… und das beste Lamm
Tafeln mit Bergblick kann man im Es Verger. Die zünftige Wirtsstube liegt unterhalb der mittelalterlichen Burg von Alaró. Hier soll das beste Lammfleisch der Insel serviert werden. Die Anfahrt kostet allerdings Nerven, manchmal den Spoiler. Besser: die Jausen­stube erwandern. Dann schmeckt das Lamm erfahrungsgemäß noch besser. Chefin Antonia Muntaner lässt das Fleisch mindestens drei Stunden im Steinbackofen garen, dann ist es butterweich. Anschließend schichtet Neffe Tomeu zum Lamm Bratkartoffeln und Salat auf die Teller. Das Futterglück kommt dann inklusive Rotwein für 16 Euro auf die derben Holztische (Di bis So 12 bis 21 Uhr).


Noch ein Tipp
Wenn Sie klassische, amerikanische Cowboystiefel mögen, machen Sie vor dem Marktbesuch einen Stopp bei Tony Mora. Hier werden die Stiefel von Hand gefertigt, an der Werkstatt befindet sich auch ein Verkaufsladen. Samstagvormittags geöffnet (Carretera Alaró, Km 4).

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