Sightseeing

Kathedrale von Palma: Das Wahrzeichen

14 Stimmen

Palma de Mallorca - Mallorca

An dem Besuch der Kathedrale von Palma kommt aus gutem Grund kaum ein Urlauber vorbei. Ihre ganze Wirkung entfaltet La Seu indes erst bei einem Gottesdienst

ALEXANDRA WILMS. Müsste man aus den 50 Dingen, die man auf Mallorca einmal gemacht haben sollte, nur eines auswählen, so wäre das für wohl der Besuch der Kathedrale von Palma. La Seu (Katalanisch für Bischofssitz) ist nicht umsonst das Wahrzeichen der Insel. Da ist nicht ohne Ironie, dass der Besuchereingang zum Wahrzeichen im ehemaligen „Almosenhaus“ liegt. Während früher die Armen hier Schlange standen, um eine milde Gabe zu erhalten, ist die Situation heute genau andersherum: Die Touristen stehen Schlange, um ihren Obulus für das Betreten der Kirche zu entrichten.


Das stößt manchem Besucher bitter auf: „Was, sechs Euro Eintritt? Das ist mir in einer Kirche noch nie passiert“, schimpft eine ältere Dame mit Föhnfrisur, bevor sie den Vorraum empört verlässt. Die meisten Urlauber – Inselresidenten kommen kostenlos herein – bezahlen jedoch brav den Eintrittspreis, um die Kathedrale und das dazugehörige Museum zu besichtigen. Das muss man schließlich gesehen haben.


Und tatsächlich: Nach dem Gang durch das überschaubare Museum mit seinen zahlreichen Reliquien, darunter Knochenstücken diverser Heiliger, sowie allerhand sakraler Gerätschaften und Gemälde, verschlägt es einem beim Eintritt in die Kathedrale zunächst einmal den Atem: Der Innenraum des 1601 nach drei Jahrhunderten Bauzeiten fertiggestellten Gotteshauses ist gigantisch. 42 Meter misst das Gewölbe von La Seu an seiner höchsten Stelle (ab September sollen auch Besichtigungen des Dachs möglich sein).    


Wie auch bei andere Bauten dieser Größenordnung ist die eigentlich gotische Kathedrale ein ­Sammelsurium verschiedenster Stile. Der Hauptaltar wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom katalanischen Jugendstil-Architekten Antoni Gaudí umgestaltet: Der von ihm entworfene Schalltrichter über der Kanzel links vom Altarraum wirkt inmitten von vergoldeten Barock­engelchen seltsam fehl am Platz. Eine weitere Attraktion ist die von Mallorcas bekanntestem zeitgenössischen Künstler Miquel Barceló gestaltete rechte Seitenkapelle, die erst 2007 fertiggestellt wurde. 


Den Beinamen „Kathedrale des Lichts“ trägt die Kirche wegen der 61 seitlichen Buntglasfenster und vor allem wegen der beiden großen Fensterrosetten am Ost- und Westende. Die Rosette über dem Altarraum hat ein Durchmesser von 11,52 Metern. Zweimal im Jahr stehen die beiden Fenster im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. An jedem 2. ­Februar (Lichtmess) und 11. November ist eine „Licht-Acht“ zu sehen: Die Strahlen der aufgehenden Sonne projizieren das bunte Fenster der gegenüberliegenden Seite genau unter die Rosette auf der Innenwand der Hauptfassade. Wer das Schauspiel erleben möchte, muss früh aufstehen: Gegen halb neun am Morgen ist die Acht perfekt. An beiden Tagen ist die Kathedrale so voll wie selten, und der Eintritt frei. 


Die wirkliche Atmosphäre der Kathedrale erlebt indes, wer an einer ganz normalen, auf Spanisch oder Katalanisch gehaltenen Messe teilnimmt (und dafür auch nichts zahlen muss). Zumindest einmal im Jahr gibt es auch deutschsprachige und ökumenische Gottesdienste: Die wegen des großen Andrangs gleich zwei aufeinanderfolgenden Christmetten am 24. Dezember sind zu einer festen Einrichtung des „deutschen Mallorcas“ geworden und schon allein wegen der festlichen Weihnachtsbeleuchtung ein Erlebnis.


Wer hingegen an einem Sommernachmittag ganz ohne Festbeleuchtung und Messe trotz gelangweilt nörgelnder Kinder und dem Dauerklicken der Kameras in besinnliche Stimmung gekommen ist, wird spätestens vor dem Ausgang wieder auf den Boden der Tatsachen geholt: Der Weg nach draußen führt durch einen Andenkenladen, dessen kurioses Sortiment allerdings eine eingehende Betrachtung Wert ist.

 

Alternativen

 

Die Stadt der Kirchen

 

In der Altstadt von Palma gibt es noch etliche weitere interessante Kirchen. Die Iglesia de Montesion in der gleichnamigen Straße war bis zum 14. Jahrhundert eine Synagoge. Die Kirchen von Santa Eulàlia (Plaça Santa Eulàlia) und Sant Francesc (Plaça Sant Francesc) stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Das älteste dieser Gotteshäuser ist indes die Kirche Santa Creu, in dessen Krypta die deutsche katholische Gemeinde jeden Sonntag um 12 Uhr die Messe feiert (in der Nähe des Kunstmuseums Es Baluard).

 

So geht's hin

 

Parken in der Tiefgarage am Parc de la Mar unterhalb der Kathedrale. Der Besucher­eingang befindet sich an der Nordseite der Kirche. Eintritt: 6 Euro, Kinder bis zehn Jahre und Residenten gratis. Öffnungs­zeiten und Messen unter
www.catedraldemallorca.org

Fotogalerie

Karte