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Teufelstreiben mit EU-Lizenz

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Palma de Mallorca - Mallorca

Kaum ein Fest auf der Insel ohne Furcht einflößenden Feuerlauf. Die Zündler kann man sogar privat mieten

INGO THOR. Es mutet an, als würden sie seit ewigen Zeiten zu Mallorca gehören, so wie die Fische zum Mittelmeer. Doch nein, die rot-schwarzen Correfoc-Teufel, die an ­diesem Wochenende zur Nit de Sant Joan, zur Johannisnacht, wieder die Feuerwerkskörper knallen lassen, gibt es noch gar nicht so lange. „Erst 1993 wurde der erste Correfoc-Lauf auf der Insel veranstaltet, und zwar im Dorf Sant Joan“, sagt betont sanft Amalia Salas von der „Federació de Dimonis de Balears“, der hochoffiziellen Vereinigung der Feuerteufel der Insel. Ursprünglich stammt die Tradition aus Katalonien.


Amalia Salas und ihre Freundin Loly Atienzas machen nicht den Eindruck, als würde es ihnen einen Heidenspaß bereiten, Kindern und sogar manchen zartbesaiteten Erwachsenen den Schlaf zu rauben. Doch wie das nun einmal auf der Welt so üblich ist, ist man im verkleideten Zustand – beim Karneval, Maskenball oder eben Feuerwerks-Spektakel – ganz anders drauf.


Und so schlüpfen Amalia und Loly immer mal wieder in ihre selbst entworfenen, genähten und mit nicht brennbaren Farben bemalten Kleider aus nur schwer entzündbarer Baumwolle, ziehen sich die selbst gemachten Masken über, die übrigens mit ebenfalls selbst gefundenen Schafs- oder Ziegenhörnern versehen sind, und sind plötzlich lärmende und bedrohlich wirkende dimonis. ­Bewaffnet mit Lederhandschuhen und Knallkörpern aller Art und mit Trommlern im Schlepptau ­ziehen sie durch Straßen und Gässchen der Inseln, stets im Auftrag der Gemeindeverwaltungen.


Und sie dürfen das auch, denn sie verfügen über ein carnet. „Bis 2011 konnte man noch einfach so Mitglied einer colla ­(Gruppe) werden“, sagt Amalia Salas, doch das habe sich mit einer EU-Verordnung geändert. „Jetzt müssen angehende dimonis einen Kurs mitmachen, sie lernen bei uns den Umgang mit den Knallkörpern.“ Wenn sie dann noch eine Sondersteuer zahlen, dürfen sie mitzündeln. Wer besonders viel Erfahrung gesammelt hat und per Zusatzkurs eine Qualifikation als „Gruppenverantwortlicher“ erwirbt, darf auch die Knallkörper transportieren, was in der Regel mit Diesel-Autos gemacht wird, weil sich dieser Kraftstoff nur schwer entzündet.


Der feurig-lauten Tätigkeit gehen mallorcaweit etwa 40 collas nach, ganz genau weiß man das nicht, jede einzelne hat etwa 30 bis 50 Mitglieder. „Da das Interesse der Gemeinden an den Feuerteufeln seit einigen Jahren krisenbedingt zurückgeht, treten wir jetzt auch vermehrt bei Hochzeitsfeiern und Junggesellenabschieden auf“, sagt Amalia Salas. Ein circa 30-minütiger Lauf mit richtig vielen Knallkörpern koste etwa 2.000 Euro, und das alles gehe vonstatten, ohne dass Zäune aufgestellt werden müssen, was die EU ursprünglich auch gefordert habe. Die Feuerhantierer sind sich dabei der Gefährlichkeit ihres Agierens bewusst und scheuen Material wie Nylon oder Plastik wie der Teufel das Weihwasser. Selbst bei harmlosestem Funkenflug könnten diese sich sofort großflächig entzünden. Auftritte im Wald sind selbstredend ebenfalls tabu.


In der Johannisnacht heizen Amalia, Loly und andere dem Publikum ab Mitternacht im Parc de la Mar von Palma ein. So wie sie das immer machen: Wenn sie blitzschnell und ruckartig auf die Kinder zustürmen, wirken sie richtig böse. Und wenn das Feuer zischend aus einer sich drehenden Fahrradspeiche entweicht, wird auch manch ein Erwachsener von Fluchtgedanken übermannt.


Fetischisten des Adrenalin-Kicks, die über zwölf Jahre alt sind und mitlaufen wollen, empfehlen die dimonis, tunlichst bereits abgetragene langärmelige Baumwollkleidung und dazu Mützen und Brillen anzuziehen. Schließlich ist alles nur Spaß.

 

Rent a devil

 

Die „Correfoc“-Leute freuen sich auch über Auftritte bei deutschen Partys und Festen. Weitere Informationen unter Tel.: 686-37 12 82 (Amalia) oder 696-00 39 27 (Loly).

 

Alternativen

Umzüge mit und ohne Geknalle

 

Ordentlich eingeheizt wird traditionell an vielen Orten auch zu den Sant-Antoni- und Sant-Sebastià-Feiern im Januar. Wer sich ein stilleres Fiesta-­Erlebnis gönnen möchte, wird auf der Insel allerdings ebenso bedient. Immer wieder gern gesehen sind etwa die sogenannten gegants – riesige Figuren, die Bauern, Bäuerinnen und sonstige Angehörige der Landbevölkerung darstellen. Sie werden bei Dorffesten durch die Straßen bewegt. Daneben treten auch immer wieder die capgrossos in Erscheinung, große, bunte Köpfe, die sich die Feiernden überstreifen. Musikalisch untermalt werden die Umzüge meist von teils gewöhnungsbedürftigen Ximbomba-Klängen, einer Reibetrommel.

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