Sightseeing

Wind im Haar und Gischt auf der Haut

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Palma de Mallorca - Mallorca

Das wirkliche Inselfeeling stellt sich erst ein, wenn man Mallorca mal vom Wasser aus gesehen hat

ALEXANDRA WILMS. "Besser als ein Boot zu haben, ist es, einen Freund mit einem Boot zu haben“, heißt es unter Mallorquinern. Da kann ich mich glücklich schätzen: So einen habe ich. Die erste Ausfahrt mit dem frisch gebackenen Schiffseigner bleibt unvergesslich. Als echte süddeutsche Landratte war ich skeptisch. Denn das Boot war ziemlich alt. Aber das Abenteuer lockte, also packten wir Picknick, Badetücher und Sonnencreme ein und legten im recht schmuddeligen Reparaturdock des Hafens von Palma ab.


Zunächst natürlich unter Motor, der laut vor sich hin knatterte. Als der Hafen hinter uns lag, wollte der Kapitän die Segel ausprobieren. Dazu drückte er seiner einzigen Matrosin die Ruderpinne in die Hand und gab den Befehl: „In den Wind fahren!“ Nach einer längeren Diskussion über den Gebrauch von Fachtermini, wie man erkennt, woher der Wind kommt und in welche Richtung die Pinne zu ziehen ist, wenn das Boot nach links fahren soll, gelang das Manöver dann auch. Zum Stolz der Landratte.


Und nachdem der Bootseigner an diversen Seilen gezogen hatte, flatterte das große, am Mast befestigte Segel im Wind. Der Kapitän machte den Motor aus, zog das Segel an – und plötzlich stand das Boot beängstigend schräg. „Der Wind drückt auf die Segelfläche, deshalb die Schräglage“, versuchte der Fachmann beruhigend zu erklären.


Dann rollte er ein zweites Segel aus, das sich vom Mast zum Bug des Schiffes erstreckte. Das Boot lag schräger und schräger. „Umkippen können wir aber nicht, oder?“, wagte ich mit leiser Stimme zu fragen. Das sei physikalisch nicht möglich, erklärte der Kapitän überzeugt. Ich blieb skeptisch und krallte mich sicherheitshalber fest an die Reling.


Nachdem wir auch eine halbe Stunde später noch nicht gekentert waren, begann ich langsam, mich zu entspannen. Und die Sache zu genießen. Es roch nach Meer, die Sonne schien, und das Rauschen der Wellen wurde nur vom Flattern der Segel unterbrochen. Das Meer funkelte in tiefstem Blau, und ab und an spritzte die Gischt über das Deck. Die Kathedrale von Palma wurde kleiner und kleiner, hin und wieder kreuzte ein anderes Schiff unseren Weg. Auch die Sache mit der Ruderpinne funktionierte immer besser, das Boot segelte tatsächlich meist in die vom Kapitän angezeigte Richtung.


Nach einer Stunde erreichten wir das westliche Ende der Bucht von Palma und unser Tagesziel: die Bucht von Portals Vells. Nachdem die Segel wieder eingeholt waren und der Motor lief, nutzte ich die Gunst der Stunde und bewegte mich vorsichtig in Richtung Bug. „Bitte, jetzt nicht Titanic“, stöhnte der Kapitän. Aber zu spät, schon stand ich mit ausgebreiteten Armen da und schrie „Ich bin der König der Welt!“ in den Fahrtwind. Das hatte ich schon immer mal machen wollen. Alle anderen Bootsneulinge der vergangenen 15 Jahre übrigens auch, wie mir der entnervte Bootsführer bescheinigte.


Die Einfahrt in die Bucht von Portals Vells war atemberaubend. Oben auf den hohen Felswänden wiegten sich die Pinien im Wind und das Wasser war so hellblau, wie kein Pool es jemals sein kann. Wir gingen erst einmal vor Anker. In guter alter Seemannstradition folgte unmittelbar das obligatorische „Ankerbier“.


Das Meer spielte mit, die Wellen schaukelten den Segler sanft, aber erträglich hin und her. Beim Sprung von der Reling ins erfrischende Wasser kam ich mir vor wie in einem Werbespot. Das Picknick schmeckte an der Seeluft unfassbar gut, und der Glam-Faktor des Sonnenbadens auf der Decksfläche war trotz abblätternder Farbe und vergilbten Matratzen definitiv hoch. Ankern, so befand ich, war echt mein Ding.


Am Ende des Tages ging es zurück nach Palma. Und obwohl der feste Landboden unter den Füßen erstaunlicherweise erst einmal schwankte (Landkrankheit heißt das Phänomen), war es um mich geschehen: Innerhalb weniger Stunden war aus der Land- eine Wasserratte geworden. Seitdem bin ich auf jedem Törn dabei. Nicht nur zum Ankern. 

 

Alternativen

 

Boote zum Mieten

 

Wer keinen Freund mit Boot hat, kann sich bei verschiedenen Anbietern eines mieten. Ein Tagesausflug mit dem Segelboot wird inklusive Skipper ab 105 Euro pro Person angeboten (etwa www.caribia.es, ab Portocolom). Für Besitzer eines Sportbootführerscheins gibt es 5-Meter-Motorboote ab 330 Euro pro Tag zu mieten (etwa www.­adriano-yachtcharter.com, ab Port d‘Andratx).


Sie fahren lieber selbst? Auch ohne Bootsführerschein gibt es etwa bei www.mallorca-­bootcharter.de (Portocolom) ein vier Meter langes Motorbötchen zu mieten, Kostenpunkt: 129 Euro für vier Stunden.

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