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Stiftung Jakober: Darunter und darüber

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Alcúdia - Mallorca

Die Stiftung Jakober in Alcúdia verblüfft nicht nur Kunstkenner

THOMAS FITZNER. Wenn das Ziel darin bestanden haben sollte, auf der Insel so weit wie möglich von Palma entfernt und so tief im Gestrüpp wie irgend möglich eine Oase der Kunst zu schaffen, ist Sa Bassa Blanca ein Volltreffer. Der ehemalige Gutshof auf der Halbinsel von Alcúdia ist heute so etwas wie ein Zaubergarten der visuellen Überraschungen: Ein ehemaliger unterirdischer Wasserspeicher beherbergt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen historischer Kinderporträts. Darüber, im gepflegten und weitläufigen Park des Anwesens, stehen Skulpturen
herum.


Und das ist längst nicht alles. Darunter und darüber – hier findet Kunst überall statt. Verantwortlich für die Errichtung dieses Luxus-Lehrpfads in Sachen Kultur ist ein außergewöhnliches Paar: Ben Jakober, in Wien geborener Ex-Bankier mit britischem Pass, und Yannick Vu, in Frankreich geborene Künstlerin mit vietnamesischen Wurzeln. 1993 gründeten die beiden die Stiftung Jakober, deren Sitz Sa Bassa Blanca ist. Inspiriert von seiner Frau konvertierte auch Jakober zum Künstler. Seit er mit 45 Jahren das kreative Business in Angriff nahm, hat er sich vor allem der Bildhauerei verschrieben. Am Flughafen steht eine riesige Amphorenskulptur von ihm. Und die teils drollig wirkenden Tierfiguren im Park entstanden ebenfalls nach seinen Entwürfen.


Jakober und Vu sind auch als Künstlerpaar tätig, signieren Werke gemeinsam. Doch in Sa Bassa Blanca überlassen sie das Rampenlicht zu einem erheblichen Teil anderen Künstlern.


Wer sich in der klimatisierten unterirdischen Museumshalle an den Kinderporträts der „Colleción Nins“ sattgesehen hat, den erwartet ein weiterer Kunst-Keller: der Sokrates-Raum, in dem Jakober und Vu eine wilde Mischung von Staun-Objekten zusammengetragen haben, vom Skelett eines längst ausgestorbenen sibirischen Rhinozeros bis zu einem aus 10.000 Glasstücken bestehenden Kristallvorhang von Swarovski, von prähispanischer Stammeskunst bis zu Werken zeitgenössischer Stars wie Miquel Barceló und Gerhard Merz. Eine Art Weltgeschichte der Kreativität, im Zeitraffer und auf engstem Raum.


Das Hauptgebäude ist eines der architektonischen Juwelen der Insel. Der ägyptische Architekt Hassan Fathy schuf es im maurischen Stil, zum Teil mit originalen historischen Bauelementen aus Marokko und Andalusien. Im Gebäude befindet sich 8.000 Bände umfassende Bibliothek und eine weitere Kunstsammlung, unter anderem mit einem Werk von Rebecca Horn.


Wenn man zur richtigen Jahreszeit auf Mallorca weilt – zum Beispiel jetzt –, dann kann man auch Yannick Vus Rosengarten besuchen, wenn er in voller Blüte steht. Auch diese Sammlung, bestückt von weltweit renommierten Rosenzüchtern, ist schlichtweg exquisit. Wie eigentlich alles hier.

 

Alternativen:

 

Auch hier brummt Kultur

 

Kunsterlebnisse auf hohem Niveau bieten auf der Insel auch das städtische Kunstmuseum Es Baluard (Plaça Porta de Santa Catalina, 10, Tel.: 971-90 82 00), das zudem auch architektonisch sehr reizvoll ist, und das Museum der Stiftung Juan March (Sant Miquel, 11, Tel.: 971-71 35 15), beide in Palma.


Sehr avantgardistische Kunst zeigt das private Kulturzentrum CCA Andratx (C/. Estanyera, 2, Tel.: 971-13 77 70) in seiner Kunsthalle, wobei auch die anderen Bereiche die Anfahrt wert sind. In mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist der Skulpturengarten des Anwesens Sa Torre Cega in Cala Ratjada, Besuch nur nach Voranmeldung (Tel.: 971-55 64 79).

 

So finden Sie hin:

 

Ab Alcúdia ist der Weg ausgeschildert. Dienstag Besuchertag (9.30 -1 2.30 Uhr, 14.30 - 17 Uhr, Eintritt frei). Mi - Sa nur nach Anmeldung, So u. Mo. geschlossen, Tel.: 971-54 98 80.  www.fundacionjakober.org

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