Sightseeing

Gebirgs-Straße 221: Mallorca aufs Dach steigen

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Sóller - Mallorca

Mediterraner Alpentraum: Die Königsetappe der Tramuntana-Route GR 221 ist Bergwandergenuss pur

THOMAS FITZNER. Der Weg, von dem erfahrene Mallorca-Bewanderte besonders schwärmen, beginnt eigentlich mitten in Sóller, führt durch die lustige Carrer Lluna, die Monden­straße, bis nach einigen Minuten Asphalt und dem Dörfchen Biniaraix eine Trockenstein-Trasse in eine Märchenlandschaft führt, eine Schlucht mit schroffen Felswänden, Ölhain-Terrassen und malerischen, gluckernden Wasserläufen.


Aber das ist erst der Anfang der Königsetappe des GR 221, eines Weitwanderwegs, der über mehr als 100 Kilometer von Port d‘Andratx bis Pollença führt – auf alten Schmugglerpfaden sowie Post- und Köhlerwegen, oft auch auf Trockenstein-Trassen, quer durchs Tramuntana-Gebirge.


Wenn in irgendeinem Teil der Insel die Sonne-Strand-Klischees in die Brüche gehen, dann hier. Wer nicht die Zeit findet, die je nach Kondition und Ehrgeiz acht bis zehn Tage dauernde Tramuntana-Durchquerung komplett zu bewältigen oder auch nur mal reinschnuppern möchte ins Wanderwunderland Mallorca, ist mit dieser Etappe bestens bedient. Sie ist körperlich anstrengend, aber technisch nicht schwierig. Die Wege sind klar markiert und die Route bietet Varianten unterschiedlicher Länge.


Würde man sie von Wanderhütte zu Wanderhütte gehen, müsste man vom Refugio de la Muleta bei Port de Sóller losmarschieren, um theoretische acht Gehstunden später in Tossals Verds anzukommen, der wohl am schönsten gelegenen Wanderhütte Mallorcas in der Nähe von Lloseta. Eine weniger heftige Variante beginnt in oder bei ­Sóller. Nicht ersparen kann man sich den endlos scheinenden Aufstieg durch den Barranc de Biniaraix. Aber auch wenn die Oberschenkel jammern: Allein der Blick aufs Sóller-Tal, von hoch oben durch das vertikale Fenster der Schlucht ist alles Kreuchen und Keuchen wert.


Erstaunlich ist auch der atmosphärische Wechsel. Man geht im Mittelmeerraum los und findet sich nach knapp tausend Höhenmetern in einer felsigen, teilweise bewaldeten Berglandschaft wieder, die nach Alpen riecht.


Wenn ein weiterer Aufstieg das Letzte aus dem Wanderer herausgeholt hat und der Coll de l‘Ofre erreicht ist, muss man schon ein ganz kühler Nordmensch sein, um nicht loszujodeln: Ein echtes Bergpanorama tut sich auf, mit der militärischen Radarsta­tion auf Mallorcas höchstem Berg, der praktischerweise auch so heißt (Puig Major), als Krönung auf der linken Seite und dem Stausee Cúber in der Mitte, während auch rechter Hand ein paar ordentliche Höhenrücken strammstehen.


Hier trifft man vor allem am Wochenende auf erstaunlich ausgeruht wirkende Herumgeher. Die Erklärung ist ein Parkplatz am Stausee, der auch den ersten Abholpunkt für die Kurzfassung der Etappe darstellt. Direkt daneben im Wald befindet sich ein hübscher Picknick-Platz.


Die Hardcore-Wanderer zieht es weiter Richtung Tossals Verds. Der Weg dorthin führt zuerst an einem modernen Aquädukt entlang und dann durch moosige Eichenwälder. Wer zwei Tage investiert, kann in Tossals Verds übernachten und weiter Richtung Lluc wandern. Dabei geht es durch eine Bergregion, in der die Überreste gewaltiger Schneehäuser stehen.


Dass Mallorca mit etlichen weiteren attraktiven Wanderstrecken aufwartet, ist ein Glück: Die Erfahrung macht süchtig.

 

Alternativen:

 

Wem die Königsetappe zu schweißtreibend ist, kann mit zwei kurzen Etappen des GR 221 vorliebnehmen. Eine führt von Deià nach Sóller, wobei man die Küste entlangwandert und zumeist einen herrlichen Blick aufs Meer hat.


Eine andere Halbtagsetappe ist die alte Poststraße von Banyalbufar nach Esporles. Dieser Weg führt nach einem Anstieg bei Banyalbufar ins Landesinnere. Formal beginnt die Etappe in Estellencs, doch mangels Einigung mit einem Grundbesitzer muss hier einige Kilometer weit auf Asphalt gegangen werden.

 

Wie man hinfindet:

 

Mit dem Zug oder Auto nach Sóller fahren. Vom Hauptplatz in die sich lange hinziehende Carrer Lluna. Ab dieser ist die Route ausgeschildert (GR 221). Richtung Biniaraix weitergehen, dort befindet sich der Einstieg in den bergauf führenden Weg durch die Schlucht : „L‘Ofre – Barranc de Biniaraix"

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