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Bodega Macià Batle: Wein und Kunst sind ein Ding

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Santa María del Camí - Mallorca

Wer sich zur größten Bodega der Insel begibt, kann sich auf ein sinnliches Erlebnis gefasst machen

INGO THOR. Ein Weingut muss per se nicht unbedingt ein Ort sein, in welchem man mehrere Stunden lang sinnvoll seine Zeit verbringen kann. Oft reicht ein kurzer Blick hinter eine verstaubte Tür, und man ist bedient und manchmal auch noch mehr als ernüchtert. Und wenn dann der Betreiber noch vierschrötig daherkommt, fragt man sich, was man hier eigentlich sucht.

 

Anders verhält es sich mit der Bodega Macià Batle. Wer zur größten Produktionsstätte von Wein auf Mallorca fährt, begibt sich in eine Art Erlebniswelt. Vor dem Eingang steht ein schwarzes Bähnchen – Lokomotive und Waggons – das die Besucher durch das Anbaugebiet mehrerer Bodegas fährt. Im Hause Macià Batle selbst stehen Urlaubern fast sämtliche Türen fast ständig offen. „Sie können die Produktionsanlage besichtigen, in den Weinkeller gehen und das Lagergewölbe mit den Tausenden Flaschen besichtigen“, sagt Ramón Servalls i Batle, der Geschäftsführer des unweit von Palma am Rande des beschaulich-urigen Örtchens Santa Maria del Camí gelegenen Weinguts, das 1856 – wenn auch an anderer Stelle – gegründet wurde. Der Rundgang sei gratis, die Weinprobe nebst würzigen mallorquinischen Häppchen am Ende inklusive, fügt der im Marketing überaus versierte Winzer süffisant hinzu. „Natürlich hoffen wir, dass die Gäste im Laden gehörig Geld ausgeben.“

 

Damit davon besonders viel in die Kasse kommt, werden auch andere typische Mallorca-Produkte wie Öl von Oliven aus eigenem Anbau, Salz oder die unvermeidliche Paprika-Streichwurst Sobrassada angeboten. Als Zuckerl stehen auch Hüte mit Firmenlogo zum Verkauf. Das Personal spricht perfekt Deutsch.

 

Trotz Bähnchen vor der Tür und Nippes im Regal ist die Bodega dennoch kein Disneyland für trinkfreudige Ballermänner, sondern eher etwas für Bibliothekare aus Münster, Anwälte aus Bad Kreuznach oder Architekten aus Kiel, die einen halbtrockenen von einem süßlich-schweren Wein auf Anhieb zu unterscheiden wissen. Und da bekanntlich viele von solchen Leuten ein Faible für Kunst haben, verziert das Weingut seine Flaschen gern mit Etiketten, die von Malern ersonnen wurden.

 

„Wein und Kunst ist unser Motto“, formuliert denn auch Winzer Servalls i Batle.
Bilder von bekannten, mallorca-affinen Künstlern (darunter der Deutsche Erwin Bechtold und der Schweizer Rolf Knie) hängen an den Wänden, die geschnitzten Möbel sind erlesen. Der Farbton in den Räumen ist warm und rötlich, so wie viele Weine nun einmal sind. Der Fußboden ist selbst in der Abfüllanlage mit den Hunderten lärmenden Flaschen, die sich auf einem Laufband aneinanderreihen, so sauber, als wäre er von Dutzenden Helfern mit der Zunge blank gewienert worden. In einem kleinen Nebenraum können sich Interessierte, wenn ihnen danach ist, auf Gestühl mit rötlichen Polstern ein kurzes Informations-Filmchen über die Weinlese zu Gemüte führen.

 

Wer sich durch die Bodega Macià Batle bewegt, wird sich fühlen, als befände er sich in einer Mischung aus Edelwohnzimmer und Museum. Puppenstubenhaft sauber wirkt auch die Umgebung: Die zahllosen dunkelgrünen Weinreben in Reih und Glied grenzen direkt an das rötlich-braune Gutsgebäude, das zwar alt aussieht, aber an dieser Stelle erst 1997 eröffnet wurde. Im Hintergrund ragen fast zum Greifen nah die Gipfel der Serra de Tramuntana in die Höhe.

 

Es versteht sich von selbst, dass das Weingut Macià Batle Weiß-, Rosé und Rotweine anbietet. Damit diese den Gaumen des Weinkenners betören, lagern sie bei 17 bis 19 Grad zunächst einmal ein bis zwei Jahre in etwa 1.000 je 225 bis 300 Liter fassenden Fässern aus französischem Eichenholz im Keller. Dann werden sie in Flaschen gefüllt und noch einmal ein bis zwei Jahre bei gleicher Temperatur gelagert.

 

Verkauft wird der Mallorca-Rebensaft nicht nur auf der Insel, sondern erwartungsgemäß auch im Ausland, darunter Deutschland. Mit vier Millionen Litern wird pro Jahr nicht allzu viel produziert. Das war im 19. Jahrhundert mit 75 Millionen Litern –bevor sich die Reblaus durch riesige Gebiete der Insel fraß – noch ganz anders.

 

Ein Massenprodukt ist der Mallorca-Wein – anders als noch vor 20 Jahren – nicht mehr. „Ohne die anspruchsvollen deutschen Urlauber hätten wir uns nie angestrengt, den  jetzigen hohen Standard zu erreichen“, so Winzer Servalls i Batle.

 

Anfahrt: Auf der Autobahn MA-13 von Palma bis zur Ausfahrt beim Festival-Park fahren. Dann geht es auf der Landstraße MA-13 A Richtung Santa Maria del Camí. Das Dorf durchfahren. Das letzte Haus links ist die Bodega Macià Batle.

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