Sightseeing

Es Trenc: Das ganz und gar irdische Paradies

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Campos - Mallorca

Der Küstenabschnitt zwischen Colònia de Sant Jordi und Sa Ràpita wartet mit Postkartenstränden auf – und mit Bunkern und Bauruinen

SILKE DROLL. Die Sonne scheint. Glitzernd und kristallklar branden die Wellen an den Strand. Das Meer leuchtet türkisgrün. Sanft weht der Wind, trägt leise die Salsamusik vom nahen Chiringuito über die Dünen von Es Trenc. Bis vergangenes Jahr hieß an diesem Küstenstreifen zwischen Colònia de Sant Jordi und Sa Ràpita eine Strandbude „El último paraíso“ – das letzte Paradies.

 

Ja, die Sandstrände von Es Trenc und Ses Covetes haben tatsächlich etwas Paradiesisches. Auch wenn man für den Strandbesuch entweder hohe Gebühren auf den zwei Privatparkplätzen oder lange Fußwege und saftige Strafzettel in Kauf nehmen muss. Über 7.000 Sonnenanbeter vergnügen sich an einem Sommertag auf dem rund 22 Meter breiten Sandstreifen und in den zahlreichen, nur in der Saison geöffneten Chiringuitos.

 

Ob Touristen oder Einheimische, Ältere, Familien oder Jugendliche, Spießer oder Kiffer, an diesen Stränden findet jeder einen Platz. Am Es-Trenc-Strand gibt es einen inoffiziellen Gay-Bereich und eine seit Jahrzehnten geduldete FKK-Zone, westwärts von Ses Covetes mischen sich Männerpärchen und Nackedeis unters Strandpublikum. Leben und leben lassen.

 

Manchen Mallorca-Residenten ist es im Sommer zu voll, dafür bieten sich Es Trenc und Ses Covetes im Winter für umso schönere Strandspaziergänge an. Der Küstenabschnitt steht mittlerweile unter Naturschutz, die Dünen sind abgezäunt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Es Trenc tierra salvaje, unberührte Natur. Einzig der verlassene Steinbruch in den Sandsteinfelsen vor Ses Covetes zeugte davon, dass im 12. und 13. Jahrhundert hier Quader für die Stadtmauer und Kathedrale von Palma geschlagen wurden. Sonst war dort nichts, bis 1880 der wohlhabende Aprikosen-Bauer Mateo Prohens, dessen Familie ein Großteil der Ländereien hier gehörte, die ungewöhnliche Idee hatte, jedem seiner fünf Angler-Freunde aus Porreres eine Parzelle zu schenken. Einzige Bedingung war, dass jeder binnen einem Jahr ein Haus auf den Sandsteinfelsen bauen musste. So entstand Ses Covetes. Anfang des 20. Jahrhunderts zählte das Örtchen bereits 36 einfache Häuser.

 

Doch bis auf die Schmuggler, die weiter an der Küste von Es Trenc landeten, blieb es ruhig. Im Spanischen Bürgerkrieg wurden hier Bunker gebaut, die aber nie verteidigt werden mussten. „Die Bunker waren damals mit künstlichen Dünen oder Steinen getarnt“, erklärt Militärhistoriker Juan Bernardo Albertí Dumas. Erst als in den 80er Jahren die letzten Wachpatrouillen abgezogen wurden, befreiten Wind und Wetter die Bauten vom Sand.

 

Heute sind die bunt besprühten Verteidigungsanlagen und die Bauruinen von Ses Covetes die einzigen Schandflecke in der Idylle. Den 68 Betonskeletten der Apartmentsiedlung „Residencial Torre Marina“ musste Anfang 1994 ein 15.000 Quadratmeter großer Steineichenwald weichen. Ein deutscher Bauträger hatte die Anlage bis zum behördlichen Baustopp 1995 hochgezogen. Die Anlage steht trotz zahlreicher Abrissurteile immer noch, es wird weiterhin darüber gestritten, ob Entschädigungen zu zahlen sind und wer die Abrisskosten trägt. Immerhin: Eine Fertigstellung ist nicht mehr zu befürchten.

 

Doch weder Bunker noch Betonskelette können den Reiz von Es Trenc und Ses Covetes ruinieren. In gewisser Hinsicht machen sie diesen Küstenabschnitt lediglich zu einem ganz irdischen Paradies. In dem jeder nach seiner Fasson entspannen kann.

 

Anfahrt:

 

Zum Strand von Es Trenc gelangt man über die Zufahrt auf der Straße von Campos Richtung Colònia de Sant Jordi. Oder von Campos Richtung Sa Ràpita über die Zufahrt Ses Covetes.

 

Alternative:

 

Baden an der Playa de Muro
Karibisch weiß ist auch der Sand an der Playa de Muro. Der 5,5 Kilometer lange Küsten- streifen ist vor allem in August eine Alternative, da nicht ganz so stark besucht wie Es Trenc. Meist ist im Inselnorden auch mit mehr Wind zu rechnen. Die Playa de Muro liegt auf halbem Weg zwischen Port d‘Alcúdia und Can Picafort. Die Abzwei- gungen sind ausgeschildert.

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