Sightseeing
Öffentliches Landgut Son Real: Einmal eine Finca erkunden
Pollença - Mallorca (deutschsprachig)
Wir haben 50 Sehenswürdigkeiten und Tätigkeiten ausgewählt, die jeder Inselliebhaber einmal besucht oder ausprobiert haben sollte. Den Anfang macht ein öffentlich zugängliches Landgut im Nordosten.
JOHANNES KRAYER. Es sind nur wenige Kilometer, und doch ganze Welten, die das Mallorca der Bettenburgen vom ländlichen, ursprünglichen Mallorca trennen. An wenigen Orten wird das so deutlich wie auf der Finca Pública Son Real, einem öffentlichen Landgut zwischen Can Picafort und Son Serra de Marina.
Die Totenstadt
Wer an der zerklüfteten Küste neben der ehemaligen Totenstadt in Son Real sitzt, kann nachvollziehen, warum genau an dieser Stelle bereits die Phönizier im 7. Jahrhundert vor Christus einen Friedhof einrichteten. Das Panorama der Bucht von Alcúdia, das stahlblaue Meer, das Plätschern, wenn die Wellen am steinigen Ufer auslaufen. 110 Grabstätten gibt es hier, quadratische, hufeisen- und schiffsförmige. Über 300 Skelette wurden im Lauf der Zeit im Gestein gefunden. Es waren die Wohlhabenden, die sich hier begraben ließen, diejenigen, die in der nahe gelegenen Siedlung das Sagen hatten. Mindestens seit jenen fernen Tagen vor über 2.700 Jahren ist diese Gegend ununterbrochen besiedelt.
Die Natur
Mit ein wenig Glück bekommt man hier sogar Mittelmeerschildkröten zu Gesicht. Es gibt derer so viele, dass ihr Bild das Logo des öffentlichen Anwesens ziert. Die Balearen-Regierung erwarb die 395 Hektar große Finca 2002 von den Nachfahren des Grafen von Empùries. Für acht Millionen Euro, ein Schnäppchen. Obwohl die Finca bereits 2007 für die Öffentlichkeit hergerichtet wurde, ist sie bis heute ein Geheimtipp. Rund 60 Prozent der auf den Balearen heimischen Tierarten kämen hier vor, sagt Aufseher Biel Perelló. Wer ihnen begegnen will, kann das Landgut auf vier breiten und gut ausgeschilderten Wanderwegen erkunden. Am Wegesrand werden – auch auf Deutsch!– Tier- und Pflanzenarten erklärt. Das ganze Jahr kann hier spazieren gegangen werden. Oder aber man leiht sich am Haupthaus ein Fahrrad. Inhaber der „Targeta Verde“ zahlen dafür nichts, alle anderen können diese Umweltkarte für zehn Euro erwerben und direkt losradeln. Einer der vier von Aleppo-Kiefern gesäumten Wege – sie sind zwischen 500 Meter und 3,6 Kilometer lang – kann sogar beritten werden. Picknickplätze laden zur Rast ein. Zur Freude besonders der Kinde nähern sich Lämmer und Wiedehopfe bis auf wenige Meter den Menschen. Und es gibt ein großes Gehege mit den für Mallorca typischen porcs negres, den schwarzen Schweinen, aus denen die Sobrassada-Wurst gemacht wird – aber das muss man den Kleinen ja nicht unbedingt erläutern, wenn die Tiere zufrieden ihre Eicheln futtern.
Das Museum
Son Real ist auch noch in anderer Hinsicht ein landwirtschaftlicher Musterbetrieb. Im Haupthaus der Finca wurde ein Museum eingerichtet worden, dessen Besuch man sich nicht entgehen lassen sollte. Zunächst geht es in einen dunklen Raum, dessen Boden aus Glasplatten besteht, die den Blick auf den steinigen Untergrund freigeben. Auf einer Leinwand wird dort in einem Film die Geschichte der Finca erzählt. Die Ausstellung ist dann in die Themenfelder Archäologie, Landwirtschaft und Leben auf der Finca gegliedert. Liebevoll wurde beispielsweise eine typische Küche von Anfang des 20. Jahrhunderts nachgebaut. Im Hintergrund säuseln Stimmen von betagten Mallorquinern Geschichten über das damalige Leben. Kleine Filmsequenzen zeigen die Produktion von Lebensmitteln. Die Landarbeiter, Schäfer, Köhler oder Jäger verließen so gut wie nie das Anwesen. Es war eine weitgehend geschlossene Welt, in der in guten Zeiten etwa 100 Menschen lebten. Nachrichten von der Außenwelt drangen nur selten bis hier vor – auch deswegen, so ist zu erfahren, hielten sich die traditionellen Sagen und Märchen hier länger als anderswo auf der Insel. Auch das mag gerne glauben, wer vom phönizischen Gräberfeld aufs Meer geblickt hat.
Die Finca Son Real liegt zwischen Can Picafort und Son Serra. April - September 10 bis 19 Uhr, Oktober bis März 10 bis 17 Uhr. Eintritt frei. Museum ganzjährig bis 17 Uhr. Eintritt: 5 Euro (Kinder 3 Euro).

