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Casal Balaguer: Der Stolz der Palmesaner

Der einst ruinöse Stadtpalast kommt langsam zurück. Nun wurde auch der erste Stock mit den Privatgemächern eröffnet. Die hauseigene Orgel soll der Musikpädagogik zugutekommen
06-01-2018 00:00
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Viel Rot und antike Möbel: die Privatgemächer im Casal Balaguer. Foto: G. Bosch

Viel Rot und antike Möbel: die Privatgemächer im Casal Balaguer. Foto: G. Bosch

Bürgermeister Antoni Noguera schritt bei der Führung durch das erste Stockwerk des Casal Balaguer am Donnerstagabend (28.12.) allen voran. Das Haus sei ein Beitrag für das kollektive Bewusstsein der Bewohner der Stadt, sagte Noguera. „Und ein Beispiel für das neue Stadt­modell, das wir anstreben."

Seit 2009 war das Casal Balaguer, ein einst prächtiger Stadtpalast in der Nähe des Borne wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen gewesen. Als die Arbeiten begannen, regnete es etwa durchs Dach. Und auch die Renovierung verlief nicht ganz einwandfrei: Vor ein paar Jahren wurden Ausstellungstücke, die sich in einer städtischen Lagerhalle befanden, gestohlen.


Seit 1951 im Besitz der Stadt Palma

Im Frühjahr waren der Hof und das Erdgeschoss für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Am Donnerstag wurde nun der erste Stock, die planta noble, wie er üblicherweise in solchen Häusern genannt wird, eröffnet. Hier befanden sich die Wohnräume der Familie Balaguer. Das Haus ist seit 1951 im Besitz der Stadt. Damals vermachte es ihr der Musiker Josep Balaguer.

„La casa possible" heißt die jetzt eröffnete Dauerausstellung. Übersetzt: das Haus, wie es hätte sein können. Die Ausstellung will keinen Originalzustand des Stadtpalastes reproduzieren, sondern in gewisser Weise die Entwicklung solcher Häuser auf Mallorca ab dem 17. Jahrhundert darstellen. Insgesamt sind 350 Ausstellungsstücke zu sehen. Auch deshalb ist nur ein Teil der ­ausgestellten Kunstwerke, Keramiken oder Möbeln auch wirklich aus dem Originalhaus. Sie stammen aus dem Stadtfundus, unter anderem aus der Sammlung von Can Morell – heute ist das Haus eher unter seinem Museums­namen Casal Solleric bekannt –, und wurden um Dauerleihgaben von der Familie Domènech-Vázquez ergänzt.


Bis vor kurzem noch im Büro des Bürgermeisters

Der Rundgang beginnt im Empfangsraum, einem der ältesten bestehenden Elemente des Hauses.
Neben Gemälden mit reli­giösen Motiven ist hier auch ­eine Reihe an Philosophen­porträts zu sehen. Es handelt sich um Ribera-Kopien aus der Sammlung Can Morell. Im Mittelpunkt steht aber eine Mallorca-Karte aus dem 18. Jahrhundert, die Marc Cotto zugeschrieben wird und bis vor Kurzem noch im Büro des Bürgermeisters im Rathaus von Palma hing. Neben etwas anderen Proportionen, als man sie von heutigen Karten gewohnt ist, sticht das Gemälde dadurch hervor, dass es die Insel aus östlicher Perspektive zeigt.

Danach geht es durch einen Flur, in dem Werke des mallorquinischen Malers Antoni Gelabert (1877–1932) aus der Sammlung Balaguer hängen. Weiter geht es in die Privatgemächer, die mit rotem Samt, barocken Möbeln und Werken ab der Renaissance auffallen.


Eine Orgel außerhalb der Kirche

Einer der spannendsten Aspekte des Hauses ist aber sicherlich der Musikraum. Hier befindet sich eine Walcker-Orgel, die Hauseigentümer Josep Balaguer um 1930 erworben hat. Bei der Eröffnungsfeier am Donnerstag erklang sie zum ersten Mal wieder. Ist man daran gewöhnt, Orgeln ausschließlich im Kirchenkontext zu hören, wird man von dem dumpfen, aber auffallend klaren Sound überrascht, den so ein Instrument in einem wesentlich kleineren Raum von sich gibt. Wie im ganzen Haus, wird auch bei der Musik die mallorquinische Kultur betont: Bei der Eröffnung spielten drei mallorquinische Nachwuchstalente ­Stücke von hiesigen Komponisten. Die Stadt plant, den Musikraum des Hauses ab dem Frühjahr für musikpädagogische Projekte zu nutzen, sowohl auf Konservatoriumsebene als auch für Kinder. Die Ausschreibung für das Projekt läuft noch bis Ende Januar.

Abgeschlossen wird der Rundgang mit dem Raum Luís XV mit seinen Keramiken aus verschiedenen Jahrhunderten und einem Speisesaal, der im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten ist, sowie einem Kaminzimmer mit Werken aus den 20er- und 30er-Jahren. Hier sind unter anderem Gemälde von Tito Cittadini, Archie Gittesu und Joan Antòni Fuster Valiente zu sehen.

Die Stadt bietet bis zum 20. Januar kostenlose Führungen durch das Haus an. Sie finden Dienstags bis Freitags von 10 bis 19 Uhr und Sonntags von 10 bis 15 Uhr statt. Die Dauer ist eine halbe Stunde. Eine Anmeldung unter
visitacanbalaguer@gmail.com ist erforderlich.

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