Kreuzfahrten

Das neue Traumschiff

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Palma de Mallorca - Mallorca

Was hat die „MS Amadea“, die Nachfolgerin der „MS Deutschland“, zu bieten?

JÖRG A. BOECKMANN. „Von 2015 an dreht das ZDF die neuen Folgen der erfolgreichen Reihe ‚Das Traumschiff‘ auf der ‚MS Amadea‘ des Reiseveranstalters Phoenix Reisen. Die für Weihnachten 2015 und Neujahr 2016 vorgesehenen Folgen werden ab Februar 2015 auf dem Schiff produziert. Reiseziele sind Macao und die Cook Islands.“ Mit diesen schlichten Worten kommunizierte das ZDF zu Beginn des Jahres 2015 eine für viele Kreuzfahrer und TV-Zuschauer sehr emotionale Entwicklung. Wegen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Reederei Peter Deilmann sowie der Betreibergesellschaft des bisherigen Traumschiffes, MS Deutschland Beteiligungs GmbH, musste die Crew um TV-Produzent Wolfgang Rademann nach Ersatz suchen und hat diesen mit der „MS Amadea“ gefunden.

Während der neue TV-Kapitän Sascha Hehn auf dem neuen Schiff die ersten Folgen abdreht, gibt es für die „MS Deutschland“ und für die Reederei aus Neustadt/Holstein weiter keine Lösung. Auf einer Gläubigerversammlung Ende Februar berichtete der Insolvenzverwalter Reinhold Schmidt-Sperber zwar von Verkaufsverhandlungen mit rund 30 Interessenten aus aller Welt, von denen einige das Schiff auch bereits begutachtet haben, eine Entscheidung steht jedoch weiterhin aus. Und so liegt das alte Traumschiff seit Oktober vergangenen Jahres mit einer circa 50-köpfigen Rumpf- besatzung vor Gibraltar vor Anker und wird betriebsbereit gehalten.

Was nun bietet das nach „Vistafjord“, „Astor“, „Berlin“ und eben „Deutschland“ mittlerweile fünfte Traumschiff „MS Amadea“? Im Vergleich zum 1998 erbauten Vorgänger „Deutschland“ ist das Schiff schon etwas älter (1991) und hat eine starke Verbindung zu Japan, wo es als „Asuka“ gebaut wurde und 15 Jahre lang im Einsatz war, bevor es von Phönix Reisen gekauft wurde. Mit einer Passagierkapazität von 600 (gegenüber 550 auf der „Deutschland“) und einer Vermessung von 29.000 BRZ (22.400) ist es etwas größer und geräumiger. Zugleich gibt es aber weniger Crewmitglieder pro Gast. Der renommierte Schiffsguide Berlitz von Douglas Ward bewertet es mit 4+-Sternen, die Reederei sieht ihr Flaggschiff im Fünf-Sterne-Segment angesiedelt. Glaubt man dem Bewertungsportal Holiday Check liegen beide Schiffe mit einer Weiterempfehlungsrate von 89 Prozent (88 Prozent) und einer Bewertung von 5,1 (5,3) fast gleichauf.

Punkten kann die „MS Amadea“ im Vergleich zur „MS Deutschland“ besonders mit ihren Kabinen, die ausschließlich außen liegen und vielfach auch über einen privaten Balkon verfügen. Auf Wunsch des früheren Firmeninhabers Peter Deilmann wurde die „Deutschland“ ohne Balkonkabinen ausgeliefert und bot auch in den Unterkünften eher wenig Platz. Die Vision des 2003 verstorben Reeders war es, dass sich die Gäste in den öffentlichen Räumen und auf den großzügigen Freidecks aufhalten sollten. Eine Idee, die sich nicht durchgesetzt hat und die zu den Problemen bei der Vermarktung beigetragen hat. Trotz der komfortableren Kabinen auf der MS Amadea muss die TV-Crew zumindest laut „Bild-Zeitung“ enger zusammenrücken. Statt bisher 40 stehen dem Fernsehteam nun nur noch 30 Unterkünfte an Bord zur Verfügung.

Und auch sonst wird es vom Ambiente anders. Während die „MS Deutschland“ als klassisches Grand-Hotel positioniert war und die Innenräume sehr luxuriös und prunkvoll ausgestattet waren, geht es auf der „Amadea“ zwar ebenfalls stilvoll, aber gutbürgerlicher und gemütlicher zu.

Sehr abwechslungsreich sind die Routen des neuen TV-Stars. Die Reederei setzt auf jährliche Weltreisen und ständig variierende Fahrpläne in attraktiven Regionen statt wie manch Wettbewerber auf feste Turnusrouten.

Ganz ohne TV-Erfahrung ist man bei Phönix Reisen übrigens nicht, schließlich wird die ARD-Dokusoap „Verrückt nach Meer“ bereits seit 2010 auf den Phönix Schiffen „Albatros“ und „Artania“ gedreht.

 

Die neue Rolle als „Traumschiff“-Betreiber jedoch beflügelt das Geschäft des Betreibers spürbar. Der Bonner Veranstalter berichtet von relevanten Buchungszuwächsen für sein Flaggschiff seit Bekanntgabe des TV-Deals. „Wir spüren momentan mehrere Dinge“, sagt Geschäftsführer Benjamin Krumpen in einem Interview mit der Fachzeitung „touristik aktuell“: „Wir hatten Gäste, die dem Produktionsteam quasi hinterhergeflogen sind. Außerdem erleben wir Kunden, die jetzt auf uns aufmerksam geworden sind, darunter auch Passagiere der „Deutschland“, – nach dem Motto: Wenn das ZDF richtig liegt, werden wir das auch.“ Noch im März sollen die nächsten Reisetermine mit Dreharbeiten an Bord kommuniziert werden.

Allerdings wird schon jetzt deutlich, dass man bei Phönix das Thema TV-Traumschiff anders als bei Deilmann nicht alleine in den Vordergrund stellen wird. Auf der Homepage des Unternehmens ist aktuell nur die zitierte ZDF-Pressemitteilung zu finden, das bekannte Logo aus der TV-Serie oder Informationen über kommende Folgen und Drehtermine sucht der Serienfan (noch) vergeblich. Vielleicht ist aber genau diese Strategie am Ende sogar die klügere, schließlich dreht das Traumschiff-Team maximal 50 Tage im Jahr – die „Amadea“ muss aber 365 Tage gefüllt werden.

 

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