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Wie grün sind Kreuzfahrten?

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Palma de Mallorca - Mallorca

Nach scharfer Kritik bemühen sich die Reedereien um ein besseres Umweltzeugnis

JÖRG A. BOECKMANN Bei aller Freude über die vielen Schiffe in Palmas Hafen stellt sich für manch kritischen Betrachter die Frage nach der Umweltverträglichkeit dieser Reise­form.


Das gilt besonders für Deutschland und kann zum Teil auch den Aktivitäten einiger Umweltschutzorganisationen zugeschrieben werden. Kürzlich stellte der Umweltverband Nabu den Kreuzfahrt-Reedereien ein verheerendes Umwelt-Zeugnis aus: 17 von 20 untersuchten Schiffen hätten keinerlei Abgasreinigung. Nabu untersuchte 20 bis 2016 für den europäischen Markt vom Stapel laufende Kreuzfahrtschiffe bezüglich ihrer Abgastechnik und deren Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Gesundheit. Positiv aufgefallen sind dabei lediglich die Neubauten von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und Tui Cruises. Sowohl die in 2013 getaufte „Europa 2“ als auch die derzeit im Bau befindlichen „Mein Schiff 3“ und „Mein Schiff 4“ sind mit einem speziellen Stickoxid-Katalysator ausgestattet. Deren Fehlen bemängelt Nabu ansonsten für alle Reedereien und Schiffe.


Besonders in der Kritik ist „Aida Cruises“. Angekreidet wird, dass passende Technologien längst verfügbar wären und im Vergleich zu den Gesamtkosten der Schiffe erschwinglich seien. Pro Schiff, so ein Nabu-Verkehrsexperte, koste ein wirksames Abgassystem maximal eine Million Euro – bei Gesamt­investitionen von 300 bis 500 Mio. Euro pro Schiff ein überschaubarer Betrag. Dabei ist Abgasreinigung natürlich nur ein Aspekt, deren Vermeidung ein weiterer. Und laut Unternehmenshomepage ist gerade Aida bei der Reduktion von Abgasen Vorreiter.


Insgesamt wird der Umweltschutz zu einem immer wichtigeren Thema für die Reedereien. Der internationale Kreuzfahrt-Verband Cruise Lines International Association (CLIA) sucht laut einer Mitteilung, die zeitgleich zu der Nabu-Analyse erschienen ist, einen konstruktiven Dialog mit den Umweltschützern. Zudem gingen viele Reedereien schon jetzt über die gesetzlich geforderten Standards hinaus. Dazu gehörten zum Beispiel schwefelarme Treibstoffe oder treibstoffsparende Maßnahmen. Die Branche arbeite zudem daran, Lösungen zur Abgasreinigung zu entwickeln.


Dass die deutschen Reedereien die Aktivitäten von Nabu wie auch die steigende Bedeutung eines nachhaltigen Umweltmanagements als Kauffaktor ernst nehmen, zeigt die Tatsache, dass sich in den Katalogen der Reedereien nunmehr vermehrt „grüne Seiten“ finden. Außerdem haben sowohl Tui Cruises als auch Aida prominente Einstellungen vorgenommen. Zum Umweltteam von Tui Cruises gehört neben den Umweltoffizieren an Bord nun auch Lucienne Damm. Sie war beim Nabu mitverantwortlich für eine Kampagne gegen den Einsatz von Schweröl als Treibstoff bei Kreuzfahrtschiffen und Demonstrationen im Hamburger Hafen. Jetzt ist die Diplom-Politologin direkt unter dem Vorstand von Tui Cruises als Umweltmanagerin für die Definition von Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards zuständig.


In einem Interview auf der Homepage der Reederei erklärt sie, dass alles unter die Lupe genommen wird – neben den Schiffen auch die Anreise und der Hotelbetrieb. Weiterhin würde untersucht, wie der Treibstoffverbrauch und die Emis­sionen der bereits vorhandenen Schiffe gesenkt werden können. Bei den angekündigten Neubauten sei sie von Beginn an mit dabei und in die für den Umweltschutz relevanten Prozesse involviert.


Für Aida betont Monika Griefahn, vormals Greenpeace-Vorstand und niedersächsische Umweltministerin, als Direktorin für Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung, dass die Aida Kreuzfahrtflotte die beste Energiebilanz in der gesamten Kreuzfahrt habe. Ein Aida-Schiff verbrauche pro Person an Bord nur drei Liter Treibstoff auf 100 Kilometern (Berechnung bestätigt durch den Germanischen Lloyd). 2015 und 2016 stellen die Rostocker zwei Schiffe einer neuen Generation in Dienst. Sie werden in Japan gebaut und sollen mit Dual-Fuel-Motoren ausgestattet werden, sodass sie im Hafen mit Flüssiggas betrieben werden können. Zudem gleiten sie auf einem Teppich aus Luftblasen, wodurch sich Reibung und Treibstoffverbrauch weiter verringern sollen.


Zusätzlich zur vorbildlichen Ausrüstung der „Europa 2“ mit einem Katalysator bietet Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzorganisation Atmosfair die Kompensation von CO2-Ausstoß für die See­passage an. Mit Hilfe eines Klimarechners können Passagiere sich vorab über den entsprechenden Klimaschutzbeitrag ihrer Reise informieren und die verbleibende Emissionsbelastung ihrer Reise kompensieren. Ein Viertel der Kompensationssumme wird dabei von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten übernommen.


Nach meinen eigenen Beobachtungen spielen all diese Bemühungen und Faktoren bei den Kaufentscheidungen der Kreuzfahrer noch eine untergeordnete Rolle. Dieses gilt sowohl für deutschsprachige Quellmärkte wie auch für Spanien und Lateinamerika. Dieses sollte sich aber in den kommenden Jahren, vermutlich von Nord nach Süd verlaufend, langsam ändern.


Bisher spielen auf den Internetseiten des spanischen Marktführers Pullmantur und dessen nationalen Wettbewerbers Iberocruceros Themen um Nachhaltigkeit und Umweltschutz keine oder eine sehr geringe Rolle. Dabei ist es verständlich, dass sich Anbieter mit älteren Schiffen schwerer tun als solche, die laufend Neubauten in Dienst stellen.


Nun muss Nachhaltigkeit aber auch nicht auf dem Schiff selbst enden. Auch an Land geht mit Tui Cruises ein Anbieter ab der kommenden Wintersaison einen ersten Schritt. Besonders umwelt- und sozialorientierte Ausflüge etwa für die Kanaren und die Karibik sollen in Broschüren ein „Grün & Fair“-Symbol erhalten. Bei diesen Touren lernen Gäste die Kultur und Natur der jeweiligen Region kennen. Für einige dieser Ausflüge spendet die Reederei fünf Euro an eine lokale Umweltorganisation wie das Korallen­schutzprojekt von der Secore Foundation. Als Ausflugs-Beispiel nennt Tui Cruises die City Bubble Tour durch Funchal auf Madeira. Urlauber fahren dort mit einem Elektroauto zu den Sehenswürdigkeiten. Ähnliches findet sich seit Kurzem auch im Hafen von Palma. Dort können Kreuzfahrer die kleinen vollelektrischen Zweisitzer vom Typ Renault ZE für Ausflüge ausleihen.

 

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