Kreuzfahrten

Rauf auf einen spanischen Ozeanriesen!

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Palma de Mallorca - Mallorca

Wär‘ das was, ein spanisches Kreuzfahrtschiff zu buchen? Unser Autor hat es einmal ausprobiert

JÖRG A. BOECKMANN. Als Mallorca-Stammgast oder Insel-Resident bieten sich dem  Kreuzfahrer viele Möglichkeiten. Zeitweise mehrmals wöchentlich starten in Palma die regelmäßigen Turnusrouten von Aida und Tui Cruises. Auch kleinere deutsche Reedereien beginnen oder beenden Ihre Touren wegen der guten Logistik gerne auf der Insel. Dazu kommt das Angebot der internationalen Reedereien wie Costa und MSC, die hier häufig Zustiege ermöglichen. Und auch zu den stark frequentierten Abfahrts­häfen auf dem spanischen Festland ist die Anreise nicht weit.


Mich hat die Frage beschäftigt, wie ein deutscher Resident eine Kreuzfahrt auf einem spanischen Schiff mit fast ausschließlich spanischen Gästen erlebt. Anfang September schiffte ich in Bilbao deswegen auf der „Grand Mistral“ von „Iberocruceros“ ein, die Route führte in vier Tagen über Lissabon und Tanger nach Málaga.


Von Babys über Schulkinder, Liebespärchen in den Zwanzigern, gesetzteren Paaren und Senioren war alles an Bord vertreten. Der Altersdurchschnitt erschien deutlich jünger, als es auf deutschen Schiffen häufig der Fall ist. Deutsche Gäste gab es auf dieser Reise unter den circa 1.200 Gästen außer meiner Frau und mir genau zwei. Ansonsten wie erwartet fast ausschließlich Spanier und einige Portugiesen.  


Die Crew bestand im Service­bereich insbesondere aus Mitarbeitern aus Mittelamerika, sie konnten die kleineren Mängel oft mit Freundlichkeit und Herzlichkeit kompensieren. Der Rest der Besatzung auf der „Grand Mistral“ ist wie in der ­Passagierschifffahrt üblich, international gemischt. Die Offiziere rekrutierten sich überwiegend aus Spaniern und Griechen. Aus Gästesicht funktionierte das Zusammenspiel der Besatzung reibungslos. So wurde zum Beispiel auch die Sicherheitsübung sehr koordiniert und stringent vor Verlassen des Hafens abgehalten.


In kulinarischer Hinsicht konnte insbesondere die merienda, die spanische Interpretation der Kaffee­stunde, überzeugen. Sie ist im Tagesprogramm für 17 Uhr angesetzt. Die Essenszeiten sind insgesamt erwartungsgemäß später als auf deutschen Schiffen. So begann auf unserer Tour das Dinner für die Gäste der ersten Sitzung um 20.00 Uhr, für die ­Reisenden mit Tischplatz in der beliebteren zweiten Sitzung um 22.30 Uhr. Sowohl im Buffet- wie im Hauptrestaurant ging es lebhaft und leger zu. Gediegener mit dezenter Pianomusik war die Atmosphäre im kleineren Restaurant Formentor, welches außer für Suitengäste einen Zuschlag kostet.  


Das Entertainment beinhaltete ein breites Angebot von Live-Musik in den Bars, Shows im Theater und natürlich auch den in Spanien weit verbreiteten Klassiker Bingo. Dieser erfreute sich einer deutlich größeren Beliebtheit als das bordeigene Casino. Auffallend war eine sehr liberale Raucherpolitik. So durfte auch im Innenbereich des Schiffes in ausgewiesen Zonen einiger Bars geraucht werden.


Als Landausflüge bietet die Reederei in den Häfen die klassischen Touren an, die Guides sprechen ausschließlich castellano. Auf meiner Reise haben wir nicht an den von der Reederei angebotenen Exkursionen teilgenommen, sondern waren in Lissabon individuell unterwegs und haben in Tanger einen deutschsprachigen Guide mit Privat-Pkw vorbestellt, welcher im Internet­portal Tripadvisor sehr gelobt wurde. Eine gute Entscheidung.


Zwei Reedereien konzentrieren sich auf den Markt mit spanischen, und in weit geringerer Zahl auch portugiesischen, Gästen. Neben ­Iberocruceros ist dies der spanische Marktführer Pullmantur. Obwohl Wettbewerber, haben beide Unternehmen einiges gemeinsam. So gehören Sie jeweils zu einem der beiden marktbeherrschenden Kreuzfahrtkonzerne. Iberocruceros ist genau wie die deutsche Aida Teil von Costa und somit letztlich vom Weltmarktführer Carnival Corporation. Pullmantur, zu dem in Spanien auch eine Airline und ein Karibik-Veranstalter zählen, gehört zur weltweiten Nummer zwei Royal Caribbean.


Beide Reedereien offerieren Ihren Gästen keine Neubauten, sondern Schiffe, die schon vorher etwa für Schwesterunternehmen unterwegs waren. Das diese Politik nicht immer schlecht sein muss, beweist der Erfolg der deutschen Tui ­Cruises, welche bis zur Inbetriebnahme ihres ersten Neubaus in 2014 vormalige Einheiten der Royal Caribbean Luxus Sparte Celebrity Cruises nutzt. Auch die spanischen Schiffe bieten heute gängige Standards, wie ein Fitnesscenter, Spa, Außenpool und Jacuzzis. Der sehr geringe Anteil an Balkonkabinen und die deshalb sehr gut frequentierten öffentlichen Räume passen den  Spaniern durchaus in das Konzept: Die Reisen sind vergleichsweise günstig.


Die angeboten Routen beinhalten insbesondere die gängigen Klassiker wie das westliche und östliche Mittelmeer, die Kanaren, im Sommer auch die Ostsee­metropolen und die norwegischen Fjorde. Im Winter bedienen sowohl Pullmantur als auch Iberocruceros die südamerikanischen Quellmärkte. Die Reisen beginnen dann in Buenos Aires, Colón (Panama) oder Santos (Brasilien). Reisen ab/bis Palma bietet Pullmantur im Oktober 2012 und 2013 an.


All-inclusive spielt bei beiden Reedereien eine wichtige Rolle: Bei Pullmantur Standard, ist diese Variante bei Iberocruceros für täglich 19 Euro pro Erwachsenem optional.  Auf der „Grand Mistral“ hatten sich beinahe alle Gäste für diese Variante entschieden.


Ich persönlich kann eine Kreuzfahrt auf einem spanischen Schiff insbesondere Residenten auf der Insel durchaus empfehlen. Es darf dabei kein Luxus, sondern ein sehr spanisches, ordentliches Mittelklasseprodukt erwartet werden. Solide Grundkenntnisse der Sprache sollten vorhanden sein. Noch wichtiger erscheint die Bereitschaft, sich auf diese neue Erfahrung einzulassen und sich an den Besonderheiten der spanischen Kreuzfahrt-Interpretation zu erfreuen.


Für Kenner der Szene wird es spannend sein zu beobachten, welchen Einfluss der neue Costa Chef, Michael Thamm, auf die Entwicklung und das Angebot dieser Reederei haben wird. Er war lange Jahre Präsident von „Aida Cruises“ und ist seit Juli als Costa Chef auch für Iberocruceros zuständig. Thamm gilt als erfolgreicher und konsequenter Optimierer. Und das dürfte dann sowohl das Borderlebnis wie auch die Organisation und die Kosten betreffen. Ein internationaleres Produkt wird er aus Iberocruceros aber sicher nicht machen, konzentrierte er sich auch bei Aida schon sehr auf die deutschsprachigen Zielgruppen.
 

Hier finden Sie eine Übersicht über Kreuzfahrten ab Mallorca: Schiffe & Angebote.

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