Kreuzfahrten

Edel-Liner: 1.000 Euro pro Nacht und Gast

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Palma de Mallorca - Mallorca

Wenig Passagiere, viel Crew und Kabinen, die immer Suiten genannt werden: In der exklusivsten Kreuzfahrt-Kategorie erinnern die Schiffe mehr an große Yachten

JÖRG A. BOECKMANN. Dieser Artikel beschäftigt sich mit kleinen, sehr feinen Schiffen, die in ihrer Anmutung an große Yachten erinnern und die ihren Passagieren genau dieses elitäre Gefühl anbieten möchten. Hierfür müssen die Luxusreisenden fast immer  noch sehr viel Geld investieren – 1.000 Euro pro Nacht und Gast ist durchaus Standard. Aber das ist eben doch nur einen Bruchteil von dem, was eine eigene große Yacht an Unterhalts-, geschweige dann Anschaffungskosten verschlingen würde. Zudem herrscht auch auf diesem Nischenmarkt zeitweise ein Überangebot, das  punktuell  zu vergleichsweise günstigen Angeboten führt. Nachlässe bis zu 81 Prozent habe ich in unserer Datenbank finden können. So bietet Silversea aktuell acht Tage All Inclusive für 1.895 statt für 10.195 Euro an. Dafür geht es im Oktober von Piräus nach Civitaveccia, dem Hafen von Rom.


Bei der Bewertung der Preise sollte auch der Leistungsumfang genau betrachtet werden. Dieser ist bei den Reedereien der Luxusyachten im Allgemeinen sehr viel größer, die Nebenkosten sind durch das häufig eingeschlossene umfangreiche All Inclusive am Ende somit häufig sogar günstiger als bei den Volumenschiffen.


Welche Anbieter prägen dieses überschaubare Marktsegment? Außer den Einheiten von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten sind es internationale Gesellschaften. Sehr klassische Mega-Yachten sind SeaDream I + II.


Die beiden Schwesterschiffe des SeaDream Yacht Clubs befördern mit jeweils 95 Crewmitgliedern gerade einmal bis zu 112 Gäste. Von der reinen Schiffsgröße rangieren sie unterhalb einiger ganz großer Privatyachten.


Die zur Carnival-Gruppe zählende Seabourn-Flotte bietet seit einigen Jahren auch größere Einheiten mit bis zu 450 Betten, die traditionelleren Yachten der Reederei fassen lediglich bis zu 212 Gäste. Der Anteil deutscher Passagiere ist hierbei seit Jahren hoch. Insgesamt ist der Gästemix international. Legendär sind die Kaviar-Partys am Strand.


Die französische Compagnie du Ponant bietet neben Yacht Cruising auf einigen ihrer Schiffe auch Expeditionskreuzfahrten zum Beispiel in die Polarregionen. Ebenfalls in diesem Segment ist die italienische Marke Silversea aktiv. Beide Reedereien haben jedoch ihren Schwerpunkt im klassischen Yacht Cruising und drängen zunehmend auf den deutschen Markt. Silversea punktet hierbei mit italienischem Dolce Vita und einem sehr umfassenden All-Inclusive-Angebot, das auch hochwertige Weine und Champagner umfasst.


Was jedoch erwartet nun den Gast auf einer solchen Reise? Womit punkten diese verhältnismäßig kleinen Schiffe und wo muss der Passagier Abstriche machen?


Ganz objektiv faszinieren diese Schiffe nicht mit baulichen Superlativen und spektakulären Attraktionen – Eisbahnen, Parks  und Surfanlagen sucht der Reisende hier vergeblich. Dafür haben einige Schiff eine ausfahrbare Marina für Wassersport.


Eher subjektiv ist hingegen die von manch kritischen Gästen geäußerte Wahrnehmung einer stärkeren Neigung zu unangenehmen Schiffsbewegungen insbesondere in Schlechtwetterregionen. Im Entertainment sind wegen der geringen Gästezahl eher selten die großen Namen, die großen Shows an Bord. Offeriert werden hingegen hochwertige Livemusik und individuelle Events wie Suiten-Partys oder ein romantisches „Dinner for 2“ an Deck.


Die Unterbringung ist meist sehr komfortabel, bei den neueren Schiffen verfügen beinahe alle Suiten, wie die Kabinen in diesem Segment standardmäßig bezeichnet werden, auch über einen privaten Balkon. Die Superlative der größten Suiten weltweit finden statusbewusste Gäste allerdings auf den XXL-Schiffen. Bis zu 450 Quadratmeter groß zum Beispiel auf der Norwegian Dawn. Da nimmt sich die 150 Quadratmeter-„Owner Suite“ auf der Silver Spirit, die größte Kabine in diesem Schiffssegment, eher bescheiden aus.


Wirklich begeistern können die Mega-Yachten mit Service, Küche und Individualität. So schwärmt ein Seabourn-Stammgast immer wieder davon, dass ihm am ersten Abend einer neuen Reise genau das Essen mit dem dazugehörenden Wein angeboten wird, mit dem die letzte Reise endete. Das hervorragende Passagier-Crew-Verhältnis (Zahl der Betten gegenüber Zahl der Besatzungsmitglieder), hohe Servicebereitschaft und moderne Technologie machen es möglich.


Trotz allen Komforts werden die Schiffe im Gegensatz zu den Super-Linern meist nicht als eigene Destination wahrgenommen, sondern genutzt, um die jeweilige Zielregion zu erkunden. Und hier kann diese Schiffsklasse erneut punkten: Auch kleinere Häfen können angelaufen werden, insbesondere solche Ziele, die wie Portofino, Porto Cervo, Antibes und St. Tropez in das Klischee des Yachtings passen.


Übrigens auch Puerto Sóller: Die Seabourn Quest ankerte dort am 6. September. In manchen größeren Städten wie zum Beispiel in London oder auch St. Petersburg profitieren die Gäste hingegen von besonderen Liegeplätzen, oftmals direkt in der City.
 

Hier finden Sie eine Übersicht über Kreuzfahrten ab Mallorca: Schiffe & Angebote.

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