Nachrichten | Hosteleria

Eine Unterkunft für moderne Vagabunden auf Mallorca

An der Playa de Palma hat ein Hotel eröffnet, in dem man sich ein Zimmer plus Arbeitsplatz mieten kann. Hauptsache, es gibt Internet
08-07-2017 23:00
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Matias Bonet-Fullana, Gründer von BedNdesk in Arenal. Ein Ort für digitale Nomaden, die reisen, wohnen und arbeiten verbinden wollen. Foto: Nele Bendgens

Matias Bonet-Fullana, Gründer von BedNdesk in Arenal. Ein Ort für digitale Nomaden, die reisen, wohnen und arbeiten verbinden wollen. Foto: Nele Bendgens

Matias Bonet-Fullana (35) kommt gerade aus Barcelona zurück, in ein paar Wochen fliegt der Informatiker aus Llucmajor zur jährlich stattfindenden DNX (Digital Nomad Conference) nach Lissabon, einer Konferenz für digitale Nomaden wie ihn, 2014 von zwei Deutschen ins Leben gerufen. Digitalnomaden haben keinen festen Arbeitsplatz, verdienen ihr Geld online, reisen um die Welt, bleiben, wo es ihnen gefällt - Netzzugang vorausgesetzt. „Bali ist ein Hotspot für Menschen wie mich, die von überall arbeiten können", erzählt Matias, der nach längeren Aufenthalten in Indonesien, Australien und den USA beschloss, 2015 wieder halb sesshaft zu werden: In Arenal eröffnete der Mallorquiner in der ehemaligen Fahrschule seines Vaters bedNdesk, eine Unterkunft für moderne Vagabunden, die hier zum Zimmer einen Arbeitsplatz mit dazumieten.

Das Konzept brachte er aus San Francisco mit, wo er im „Startup Basecamp" mit anderen Online-Unternehmern lebte. „BedNdesk ist der erste Coliving- und Coworking-Ort in Europa", behauptet Matias. Was er bietet: Zehn Arbeitsplätze (fünf für Residenten reserviert), schnelles Internet, einen Skype-Konferenzraum, Drucker, LCD-Displays. In der oberen Etage des schmucklosen Lokals in zweiter Meereslinie befinden sich zwei Doppel- und ein Einzelzimmer sowie Küche, Wohnzimmer und Dachterrasse zur gemeinsamen Nutzung.

Wer mindestens einen Monat bleibt, zahlt im Doppelzimmer inklusive Arbeitsplatz 30 Euro pro Tag (Einzelzimmer 45 Euro), checkt man unter zwei Wochen ein, liegt der Preis zwischen 54 Euro und 75 Euro pro Tag und Person. Ein weiteres Plus für Techno-Gypsys, die hier absteigen: Supermarkt, Bars und Fitnesscenter liegen um die Ecke, und Mallorcas längster Strand ist nur einen Steinwurf entfernt. Trotzdem: Gibt es für hypermobile Individuen nicht interessantere Orte als die Playa de Palma?

Deutsche sehen Arenal als "Sauf- und Partylocation"

„Das sind nur die Deutschen, die ein vorgefertigtes Bild von Arenal als Sauf- und Partylocation haben", sagt Matias. Digitalnomaden kämen bewusst hierher, um die Insel kennenzulernen und ihr Wissen vor Ort einzubringen. Die Fotowand im Eingangsbereich zeigt 85 lachende Gesichter aus 30 verschiedenen Nationen, Alter zwischen 22 und 60 Jahren. Darunter Informatiker, Übersetzer, ­Online-Marketingexperten, Texter und Webdesigner, die im Schnitt drei bis vier Wochen bleiben, manchmal auch zwei Monate. Von BedNdesk haben sie über die sozialen Netzwerke erfahren, Matias schreibt auch auf internationalen Blogs der Coworking-Szene, Vermittlungsportale wie Airbnb kommen für ihn dagegen nicht infrage, da sie ein anderes Konzept haben. „Das Zusammenleben unter Digitalnomaden funktioniert eher wie in einer WG von Gleichgesinnten, die morgens zusammen joggen und abends ein Bier trinken gehen", so Matias. Zwischendurch tauschen sie Informationen und Erfahrungen aus, vernetzen sich, um mithilfe der Weisheit vieler bessere Ergebnisse zu erzielen.

Lehren und Lernen stehen für Digitalnomaden an erster Stelle, „bittest du einen Fachfremden um Rat, kommen oft die besten Lösungen für ein Problem heraus", weiß Matias aus Erfahrung. Als einer seiner Gäste mal einen Ton für eine von ihm entwickelte Spiele-App suchte, spazierte Matias mit ihm durch Arenal, wo aus jedem Geschäft eine andere Musik ertönt – und den App-Unternehmer schließlich inspirierte. „Ein Ort wie BedNdesk entwickelt sich mit seinen Bewohnern, ich möchte nicht zu viel steuern", sagt Matias, der Freunde hat, die das Geschäft vor Ort organisieren, wenn er selbst arbeitend unterwegs ist.

Digitalnomaden werden mehr

Wie viele Digitalnomaden es inzwischen gibt, weiß er nicht. Aber die Zahl werde steigen. Es gebe auf jeden Fall genug Potenzial, um das Konzept von BedNdesk weiterzuentwickeln. Im nächsten Frühjahr möchte Matias eine zweites Geschäft in Llucmajor eröffnen. „Ein attraktiver Ort für moderne Arbeits­nomaden, die es weniger touristisch mögen und in das Dorfleben eintauchen möchten."

Digitalnomaden stehen für ihn für eine neue Form von Tourismus, die auch Mallorca zugutekommen kann. „Wir Mallorquiner profitierten aber nicht nur finanziell", glaubt Matias, Wissen und neue Ideen mit anderen Menschen zu teilen gehört heutzutage zur unternehmerischen Zukunft weltweit.

BedNdesk, C/ Marineta 5 B, Arenal, Tel.: 637-51 45 81, www.bedndesk.com

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