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Ausstellung im Caixa Forum: Die Götter halten Einzug auf Mallorca

Jahrhundertkunst in Palma de Mallorca: Das Museum im Zentrum präsentiert in einer klug kuratierten Ausstellung Götterdarstellungen der Antike aus dem Fundus des Museums El Prado in Madrid
30-11-2017 14:15
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Jan Carel van Eyck: „Der Fall des Phaeton?. Foto: CaixaForum

Jan Carel van Eyck: „Der Fall des Phaeton?. Foto: CaixaForum

Dass man sich für Mallorca als Ausgangspunkt für die Wanderausstellung entschieden habe, sei kein Zufall, sagt Miguel Falomir. Der Chef des Prado, des wohl wichtigsten spanischen Kunstmuseums, ist extra für die Eröffnung der Ausstellung „Arte y Mito. Los dioses del Prado" (Kunst und Mythos. Die Götter des Prado) im CaixaForum auf die Insel gekommen. „Die Mythen der Antike entstammen alle dem Mittelmeerraum, deshalb war es uns wichtig, die Kunstwerke, die von ihnen erzählen, zunächst hier zu zeigen", sagt der groß gewachsene, etwas grimmig dreinschauende Museumsleiter. „Außerdem hat mit Robert ­Graves einer der wichtigsten Autoren über die Antike Mallorca als Lebensmittelpunkt gewählt."

Die Ausstellung, die im Laufe der kommenden zwei Jahre in anderen spanischen Städten wie Sevilla, Oviedo und San Sebastián gezeigt werden soll, versammelt auf zwei Stockwerken 50 Kunstwerke aus dem Prado. Es sind Werke von Rubens, Brueghel, van Eyck, Ribera und Cossiers darunter. Fünf dieser Bilder, Büsten und Skulpturen stammen aus der Dauerausstellung des Museums, der Großteil aber aus dem Museumsfundus. „Viele dieser Werke wurden zuletzt in den 20er-Jahren öffentlich gezeigt", erklärt Fernando Pérez Suescun, der Kurator der Ausstellung.

„Arte y Mito" stellt weniger die Kunst und die Künstler in den Vordergrund, als die Geschichten, die diese erzählen. Natürlich wird auf die Qualität und die Einzigartigkeit der Bilder hingewiesen. Es geht aber eher um das Storytelling und die Vermittlung von Wissen. Um dem Ganzen noch einen modernen Dreh zu geben, haben die Ausstellungsmacher zudem den renommierten spanischen Choreografen Toni Mira beauftragt, ein Tanzvideo mit Schattenfiguren zu produzieren, das im Eingangsbereich der Schau gezeigt wird und das sich tänzerisch mit der Thematik aus­einandersetzt.

Was auffällt, ist der gute Zustand der gezeigten Werke. Die Büsten, die teilweise aus dem ersten Jahrhundert vor Christus stammen, sehen aus, als wären sie gerade aus der Fabrik geliefert worden. Und auch die Malereien bis hin zu den ­Rahmen, sind von außerordentlicher
Klarheit. „Unsere Werkstätten haben außerordentliche Arbeit bei der Restauration geleistet", sagt Prado-Chef Falomir.

Und so kann man ohne größere Schwierigkeiten eintauchen in diese ebenso bizarre wie für die westliche Kultur prägende Welt aus Göttern, Halbgöttern und Helden. Aus Liebesgeschichten und Eifersucht. Aus Krieg und Frieden. Aus Verführung und Strafe. Bisweilen hat man bei den Mythen das Gefühl, sie vor Kurzem schon in ähnlicher Form gehört zu haben. Wenn Zeus sich als Adler verkleidet einen jungen Hirten krallt oder wenn drei Schönheiten - Aphrodite, ­Athena und Hera - sich nackt aufstellen, damit Paris ihr Aussehen beurteilen kann, fühlt man sich in gewisser Weise an die Enthüllungen um sexuellen Missbrauch in Hollywood erinnert.

Als kleine Hilfestellung findet sich im unteren Bereich der Ausstellung ein Ahnenstamm der Götterwelt, zudem werden die wichtigsten Protagonisten vorgestellt. Der obere Bereich ist in fünf Bereiche aufgeteilt: Liebe, Sehnsucht und Leidenschaft; Vergehen und Strafen; göttliche und menschliche Verwandlungen; Helden; und zuletzt der Krieg von Troya.

Dass der Prado seine Werke verleiht, sei wichtiger Teil der Museumspolitik, erklärt Miguel Falomir. „Es ist ja kein Madrider Museum, sondern eines für alle Spanier. Deshalb ist es von jeher üblich, dass wir unsere Werke in öffentlichen Gebäuden oder in Kunstausstellungen präsentieren." Die Zusammenarbeit mit der Stiftung LaCaixa, die dem Ausstellungshaus im ehemaligen Grand Hotel in Palma vorsteht, sei aber eine besondere. Bereits seit 2009 arbeiten die beiden Institutionen zusammen. Zunächst ging es um eine pädagogische Zusammenarbeit, ein Bereich, der schon länger wesentlicher Bestandteil des Konzepts des CaixaForums ist. Später wurde auch der Verleih von Kunst­werken vereinbart.

Der pädagogische Teil findet sich auch im Rahmenprogramm der Ausstellung wieder. Am Donnerstag (23.11.) hält Kurator Pérez Suescun einen Vortrag über die Ausstellung und die Mythen der Antike. Es ist eine Veranstaltung, die sich lohnen könnte. Beim Presserundgang erwies sich Pérez als unterhaltsamer und kenntnisreicher Erzähler mit einem saloppen Charme.

Begleitet wird die Ausstellung zudem von einer Filmreihe, in der ab 22. Januar fünf Wochen lang jeden Montag passende Filme gezeigt werden. Von Mario Camerinis „Ulisses" bis zu Zach Snyders „300". Zudem gibt es Familientage, den ersten am 1.12., später einen am 17. Februar (ab fünf Jahren). Normale Führungen finden wöchentlich dienstags (18 Uhr, Spanisch) und samstags (18 Uhr, Katalanisch) statt.

CaixaForum, Arte y Mito. Los Dioses del Prado, bis 18. Februar 2018, Infos unter obrasociallacaixa.org

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