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„María Moliner": Warum man eine Oper über ein Wörterbuch schreibt

Höhepunkt der Saison im Teatre Principal: Geschrieben hat das Werk der Mallorquiner Antoni Parera
04-05-2017 08:55
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Am Anfang hatte er ja auch keine Ahnung, wie sehr ihn die Geschichte dieser Frau fesseln würde. Natürlich, er kannte das berühmte Wörterbuch. Aber warum sollte man über die Autorin eines solchen Werkes eine Oper schreiben?

Es sei der Regisseur Paco Azorín gewesen, der die Idee gehabt hatte, erzählt Antoni Parera. Der 1943 in Manacor geborene Komponist ließ sich überzeugen. Und schuf die dokumentarische Oper „María Moliner", die ab Freitag (5.5.) um 20 Uhr im Teatre Principal gezeigt wird. Sie erzählt die Geschichte von María Moliner (1900-1981), einer Bibliothekarin, die eines der wichtigsten Wörterbücher der spanischen Sprache geschrieben hat: das „Diccionario de uso del español". Sie schrieb es in 15 Jahren nach Feierabend am ihrem Küchentisch, musste sich gegen den Sexismus unter den Akademikern wehren und wurde als politisch Linke von der Franco-Diktatur verfolgt. Am Ende verliert diese Frau der Wörter ihr Gedächtnis an Alzheimer.

Ls das Wörterbuch erschien, war Parera noch Liedermacher

Parera ist vergangene Woche nach Mallorca gekommen, um die Proben zu beobachten. „Aus Spaß", wie er betont. Dem Regisseur dreinzureden, komme für ihn nicht infrage. An diesem Donnerstagmorgen proben die Hauptdarsteller die Szene, in der María Moliner, dargestellt von der Mezzosopranistin María José Montiel, ihrem Gatten
Fernando (José Julián Frontal) mitteilt, dass sie sich daran machen werde, ihr Wörterbuch zu schreiben. Es ist die erste von zehn Szenen der Oper. Jede spielt in einem anderen Jahr ihres Lebens. Parera steht nah an der Bühne und beobachtet mit wachen Augen, wie die Sänger sein Stück interpretieren.

Als María Moliner 1966 ihr Wörterbuch veröffentlichte, machte sich Parera gerade einen Namen als Liedermacher. 1967 nahm er während der Diktatur mit dem katalanischsprachigen Lied „T'estim i t'estimaré" (Ich liebe dich und werde dich lieben) am renommierten Songwettbewerb „Festival de la Canción Mediterránea" teil. „Es waren wenige, aber dafür sehr intensive Jahre", erinnert sich Parera.

Die "Europa-Hymne" für Real Mallorca

Ab den 70er-Jahren arbeitete er vornehmlich als Musikproduzent, nebenbei schrieb er aber immer Lieder, unter anderem für José Carreras oder für María del Mar Bonet. Antoni Parera komponierte auch die Hymne für die Paralympischen Spiele in Barcelona im Jahr 1992 und die „Europa-Hymne" für den Fußballclub Real Mallorca (das war im Jahr 1999, als der dieser Tage von Drittklassigkeit bedrohte Verein sich auf einem sportlichen Höhenflug befand).

Die Uraufführung von „María Moliner" fand vergangenes Jahr am Teatro de la Zarzuela in Madrid statt. Publikum und Kritik waren begeistert. Ebenso wie Teatre-Principal-Chef Carlos Forteza, der die Inszenierung nach Palma holte. Hier wie dort singen María José Montiel und José Julián Frontal die Hauptrollen, und Paco Azorín führt Regie. Unterstützt werden sie in Palma von einem auf der Insel zusammengestellten Ensemble, den Balearen-Sinfonikern und dem Chor des Teatre Principal. Es dirigiert Cristóbal Soler.

Als nächstes geht es um Nadia Boulanger

Dass eine zeitgenössische Oper zur Aufführung kommt, ist schon etwas Besonderes, dass sie dann aber auch noch weiterzieht, ist umso seltener. „Dass diese zweite Station in meiner Heimat ist, krönt das Ganze natürlich für mich persönlich", sagt Parera.

„María Moliner" hat Antoni Parera im vergangenen Jahr auch den Nationalen Spanischen Musikpreis für Komposition eingebracht. Und es soll nicht seine letzte Oper sein. Nachdem er vor ein paar Jahren ebenfalls in Zusammenarbeit mit Azorín die Kinderoper „Amb el peus a la lluna" komponiert hatte, in der es um die Apollo-11-Mission geht, soll nun eine weitere Doku-Oper über die Komponistin und Orchesterdirigentin Nadia Boulanger (1887–1979) folgen. „Eine faszinierende Person, ein Orakel. Sie hatte eine außergewöhnliche Gabe, Musikern die Richtung zu weisen." Das Stück soll noch in diesem Jahr uraufgeführt werden.


Zürich könnte ihm gefallen, wenn er mal da wäre

Die Musikproduktion hat Parera in den vergangenen Jahren etwas ruhen lassen, um sich auf die Komposition zu konzentrieren. „Ich hatte zu viele halb zu Ende geschriebene Kompositionen auf dem Schreibtisch liegen. Irgendwann habe ich gesagt: Es reicht." Seit fünf Jahren lebt er in Zürich, seine Frau, eine Schweizerin, ist die Managerin der Mezzosopranistin Cecilia Bartoli. „Zürich ist eine schöne, sehr geordnete Stadt", sagt Parera. „Meine Frau sagt immer, die Stadt würde mir sehr gefallen, wenn ich denn da mal wohnen würde. Aber ich bin nun einmal wegen der Arbeit immer viel unterwegs." Auch in Deutschland sei er demnächst. Am 27. Mai wird im Technikum im Werksviertel in München ein Stück für Klavier und Geige uraufgeführt.

María Moliner, Teatre Principal, 5./7./9.5., 20 Uhr, am 7.5. 18 Uhr, die Oper ist auf Spanisch und wird mit englischen Untertiteln gezeigt, Karten 10 bis 65 Euro unter www.teatreprincipal.com

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