Wandern

Mandelblüten und steile Felsen

0 Stimmen

Mancor de la Vall - Illes Balears - Mallorca

Gebührenpflichtige Wanderung in altes Kulturland

KATHRIN BREMER

Die mittelschwere Tour beginnt am zentralen Platz in Mancor de la Vall (Plaça de Baix). Viel Infrastruktur hat der kleine Ort zu Füßen der Serra de Tramuntana nicht zu bieten: einen Bäckerladen, einen Fleischer, Rathaus und Kirche, ein Agroturismo-Hotel, einen Supermarkt, eine Bank und eine Apotheke. Dafür hat Mancor de la Vall eine sehr ruhige und gemütliche Atmosphäre. Richtig viel los ist zudem bei einer Pilzmesse Ende November und zu Sant Joan Ende Juni. 

 

Zwischen der Bar und der Apotheke gehen wir in den Carrer de Massanella und folgen der Straße immer geradeaus. Wir passieren ein Schild, welches nach Caimari weist. Ab hier heißt die Straße dann auch „Camí de Manor de la Vall a Caimari“. Wir verlassen den Ort und gehen eben durch Mandelbaum-felder, wo man mit etwas Glück jetzt Ende Februar noch einige der Bäume blühen sehen kann. Nach Schätzungen sind etwa ein Viertel der rund 4 Millionen Mandelbäume der Insel von dem Feuerbakterium befallen. Besonders die alten Sorten sind betroffen und sterben. Trotz Befalls ist dieses Jahr die Blüte besonders prächtig ausgefallen, die Auswirkungen werden sich erst in den nächsten Jahren zeigen (MZ berichtete).   

 

Etwa 10 Minuten nach Tourstart lassen wir eine Abzweigung rechts liegen, etwa 100 Meter weiter ignorieren wir die links abgehende Straße. Wir gehen weitere 5 Minuten geradeaus, bis wir eine Rechtskurve erreichen. Dahinter findet sich ein Tor, welches zu unserem Weg führt. Man sieht hier schon ein Häuschen, wo ein Angestellter der Finca Massanella eine Gebühr einsammelt. Sollte dieses Tor geschlossen sein, geht man etwa 200 Meter weiter und dort links durch die Fußgängerpforte neben einem Tor zum Anwesen Son Catlar. Auf dem Weg parallel zur Straße geht es dann zurück und durch ein weiteres Tor zum Häuschen, wo man 4 Euro als Resident und 6 Euro als Nicht-Resident zahlt (Kinder unter 12 Jahren zahlen 2 Euro bzw. 3 Euro). Hunde sind leider nicht erlaubt. Infos zu der Maut findet man unter www.puigdemassanella.com. Die Gebühr wird damit gerechtfertigt, dass die Natur unter den vielen Wanderern zu leiden habe und das Geld für Naturschutzmaßnahmen verwendet würde. Auch in anderen Gegenden Mallorcas gibt es Beschränkungen von Wanderwegen, etwa bei
Pollença zum Castell del Rei. Dort wird die Beschränkung mit dem Schutz der seltenen Mönchsgeier begründet. Gegner von solchen Beschränkungen und Gebühren sind zum Beispiel der Wanderverband GEM oder der ehemalige Prior des Klosters Lluc, Gaspar Alemany. Er argumentiert (insbesondere bei Strecken, die zum Kloster Lluc führen wie die heutige), dass es sich um uralte Strecken handele, auf denen seit Jahrhunderten Gläubige pilgern. Außerdem stelle das Wandern einen Bestandteil des mallorquinischen Brauchtums dar. 

 

Wir folgen dem Wirtschaftsweg hinter dem Maut-Häuschen und gelangen nach wenigen Metern an eine Gabelung. Rechts geht es zu dem beeindruckenden Anwesen Cases de Massanella mit einem schön angelegtem Park. Wir nehmen jedoch den linken Weg. Er führt durch Olivenhaine mit teils uralten Bäumen, parallel zum Torrent de Massanella. 

 

Eine halbe Stunde nach der Mautstelle erreichen wir das Anwesen Cases de Ca’n Bajoca. Hinter dem Gut ändert sich die Landschaft. Einen Vorgeschmack gibt der dicke Fels, der sich hier befindet. Wir gehen den Wirtschaftsweg weiter, der zunächst nur mäßig, dann aber immer steiler ansteigt. Bald sind wir von steilen Felswänden umgeben. Eine halbe Stunde nach Ca’n Bajoca ist eine Hütte erreicht, die „Caseta del Bosc“, ein Steinhaus mit Außenbackofen. Hier zweigt links die Tour zur Canaleta de Massanella und zur Font des Prat ab.

 

Wir folgen jedoch dem breiten Weg rechts. Zum Teil ist der Weg nun sehr steil. Wir ignorieren alle Abzweigungen und bleiben immer auf der Hauptpiste. Mittlerweile befinden wir uns schon seit einiger Zeit in einem Steineichenwald. Bis zum Mittelalter war Mallorca in weiten Teilen mit Steineichenwälder bewaldet, heutzutage sind es nur noch  etwa 600 Hektar. Die ausgedehntesten Steineichenwälder finden sich rund um Esporles, Valldemossa, Puigpunyent und Lluc. Die Steineiche ist ein anspruchsloser, wetterharter Baum, der als Bau- und Kaminholz sehr beliebt ist. Mit seinem Holz baute man Häuser, aber auch die typischen Fischerboote (llaüts). Die Früchte des Baumes, die Eicheln, werden bis heute an die schwarzen Schweine (porcs negres) verfüttert, deren Schinken dadurch einen besonderen Geschmack erhält. 

 

Entlang unseres Weges treffen wir auf runde, heutzutage mit Gras bewachsene Flächen, welche Hinweise auf Köhlerplätze (sitjes) darstellen. Bis in das 20. Jahrhundert waren auf Mallorca vor allem Steineichen die Grundlage zur Herstellung von Holzkohle. Die Köhler (carboners) lebten mit ihren Familien einige Monate im Jahr im Wald. Das Holz wurde bei hohen Temperaturen bis zu eineinhalb Wochen lang verbrannt, bis Holzkohle entstand.  

 

Wir bleiben weiter auf der Hauptpiste und erreichen nach einem langen Aufstieg von rund einer Stunde den Pass Coll de sa Línea. Hier finden wir zwei große Steinpfosten, zwischen denen es zum Aufstieg zum Puig de Massanella (Schrift „Puig“) geht (diese Tour haben wir in MZ 912 beschrieben). Wer nicht den gleichen Weg zurück gehen möchte, kann von hier aus geradeaus weiter in Richtung Lluc gehen, hält sich dabei immer entlang der Ausschilderung und den Steinmännchen (oder der Beschreibung aus MZ 912) und erreicht nach einer knappen Stunde die Straße Ma-2130 und die Bar am Coll de sa Batalla, wo man sich abholen lässt oder ein zweites Auto abgestellt hat. Alle anderen gehen auf dem gleichen Weg zurück.

 

Wegstrecke

14 km

Nettogehzeit

4 Stunden

Höhenunterschied

600 m

Schwierigkeitsgrad

 

***

 

Anfahrt von Palma:  Auf der Ma-13 nach Inca, der Ausschilderung nach Mancor folgen, im Zentrum auf die Ma-2112 nach Mancor de la Vall. Wer diese Wanderung nicht auf dem gleichen Weg zurückgehen möchte, kann stattdessen zum Coll de sa Batalla weiterwandern (Beschreibung im Text) und stellt dort ein zweites Auto ab.

 

Tourencharakter: Wanderung anfangs kurz auf einer wenig befahrenen Asphaltstraße, anschließend Flur- und Waldwege. Steiler Anstieg zum Coll de sa Línea. Gebühr (Residenten 4 Euro, Nicht-Residenten 6 Euro), Hunde sind nicht erlaubt.

 

Ausrüstung: Bergschuhe, Wasser, Proviant.

 

 

Einkehr: Bars und Restaurants in Mancor de la Vall.

Fotogalerie

Karte