Wandern

Wanderung im Nordosten: Ans Ende der Welt

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Artà - Illes Balears - Mallorca

Von Betlem zur Bucht es Caló – ein klassischer Küstenspaziergang für die Festtage

KATHRIN BREMER

Diese leichte, wunderschöne Tour kann man auch gut mit Kindern machen. Es geht direkt an der Küste entlang, die Höhenmeter sind gering, und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

 

Wir starten die Wanderung am nördlichen Ende des kleinen Ortes Betlem, dort, wo die Straße (Avinguda Colon) in eine Piste übergeht und Pfosten die Weiterfahrt verwehren. Parken kann man gut entlang der Straße, auf der wir gekommen sind. 

 

Betlem ist eine Siedlung am östlichen Rand der Bucht von Alcúdia, es geht hier recht beschaulich zu. Der kleine, offiziell 54 Einwohner zählende Ort liegt am Fuße der Berge Son Modell und Puig de Ferrutx. Es gibt wenig Infrastruktur und lediglich zwei Restaurants. Bekannt ist Betlem insbesondere durch die gleichnamige Einsiedelei, die Ermita de Betlem. Dort hinauf führt eine andere schöne Wanderung, die von einem Parkplatz vor dem Ort beginnt (die Beschreibung von Roland Otto finden Sie im MZ-Archiv).

 

Wir gehen die Piste bergauf. Nach wenigen Minuten geht links ein kurzer Abstecher zur Cala Na Clara ab. Wir bleiben jedoch rechts auf dem Fahrweg und haben bereits nach wenigen Minuten einen wunderbaren Blick auf die Küstenlinie.

 

Wir befinden uns im „Parc natural de la península de Llevant“. Der 1.671,96 Hektar große Naturpark wurde am 9. November 2001 unter Schutz gestellt. Er gilt als
Naturgebiet von besonderem Interesse und als besondere Vogelschutzzone. Unsere heutige Wanderung führt uns innerhalb des Naturparks auf eine Halbinsel, das sogenannte Cap Ferrutx.

 

Immer auf dem Hauptweg entlang passieren wir bald einen Mauerdurchlass. Unterhalb der Berge der Serra de Llevant mit Gipfeln von über 500 Metern wandern wir ohne Schwierigkeiten durch eine beeindruckendeLandschaft. Besonders auffällig ist der Puig de sa Tudosa mit seinen Sendemasten. Entlang der Küstenlinie bleiben wir ab und an mit der gebotenen Vorsicht an den ungesicherten Steilklippen stehen und blicken hinab auf die unter uns liegenden Buchten. In der Hochsaison ankern hier viele Boote. 

 

Rechts von uns türmen sich die gewaltigen Felsmassive des Puig de sa Creu und der sa Talaia Freda mit ihren Steilwänden auf. Letztgenannter Berg ist mit 563 Metern der höchste Gipfel der Serra de Llevant.

 

Der Ausblick ist durchgängig traumhaft. Man kann die gesamte Bucht von Alcúdia überblicken. Auf der uns gegenüberliegenden Seite sind Port d‘Alcúdia, die Halbinsel Sa Victòria und dahinter das Cap Formentor zu sehen. Eine knappe Stunde nach Tourstart erreichen wir die Bucht es Caló. Wir gehen bis zur Spitze, Punta d‘es Caló, von wo aus wir einen schönen Blick auf die unter uns liegende Bucht haben. Eine alte Mole ragt weit ins Meer hinein, das Leuchtfeuer auf der Spitze der Mole gibt es leider nicht mehr. 

 

Dass das Wasser hier bestechend klar und türkis ist, liegt am Seegras. Am Strand der Bucht es Caló befinden sich jetzt im Herbst jede Menge angeschwemmte Reste davon. Auf Mallorca (wie etwa auch auf Sardinien) handelt es sich vor allem um das sogenannte Neptun- oder Posidonia-Gras (nach dem wissenschaftlichen Namen Posidonia oceanica). Diese Pflanze wächst im Meer, hat Wurzeln, eine Art Stängel und längliche, bis zu einem Meter lange Blätter. Wie bei Laubwäldern verlieren die Seegrasfelder im Herbst einen Teil dieser Blätter. Die Reste landen über kurz oder lang an Land. In welchem Stadium und an welchem Ort das Posidonia-Gras an Land gespült wird, ist abhängig von Jahreszeit, Wind, Wellen und Strömungen. 

 

Vielen Lesern sind sicherlich auch schon die kleinen braunen „Bälle“ aufgefallen, die an manchen Stränden liegen. Dies ist ein weiteres Stadium des Grases. Zu Bällen werden die Grasreste, weil sie sich am Meeresgrund sammeln und von der Strömung und dem Wellengang hin und her getrieben werden. Im Laufe der Zeit verbinden sie sich und verfilzen immer mehr, bis irgendwann ein Ball entsteht. Für den Schutz der Strände sind die Blätter und Bälle enorm wichtig, da sie diese befestigen und dafür sorgen, dass weniger Sand abgetragen wird. 

 

Aber auch für das Ökosystem des Meeres ist das Gras von großer Bedeutung. Der spanische Meeresbiologe Carlos Duarte vom Mittelmeerinstitut Imedea in Esporles schätzt, dass ein Hektar Seegras bis zu fünfmal so viel CO2 in Sauerstoff umwandeln kann wie etwa der Regenwald. Die Posidonia produziert Biomasse, die als Nahrung für Meeresbewohner dient. Sie bietet Lebensraum für viele Arten, zum Beispiel für Organismen, die an ihren Blättern leben und anderen Tieren als Nahrung dienen. Und sie befestigt den Meeresboden und schützt ihn vor Erosion. Aus Naturschutzgründen ist es daher bereits seit zehn Jahren auf den Balearen untersagt, über Posidonia-Feldern zu ankern, da die Schäden, die entstehen, wenn ein Anker ein Seegrasfeld aufreißt, immens sind (MZ berichtete). 

 

Geht man von der Bucht Es Caló noch etwas weiter an der Küste entlang, erreicht man die kleine Bucht Sa Platjola. Man muss ein wenig kraxeln, um den versteckten Strand zu erreichen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht sind einige kleine Pfade zu erkennen. Es handelt sich hierbei um Ziegenpfade. Einen richtigen weiterführenden Weg gibt es ab hier leider nicht. Nicht nur deshalb fühlt man sich ein wenig wie „am Ende der Welt“.

 

Nach unserer Pause am Strand geht es auf dem gleichen Weg zurück. Er wird uns neue Aussichten auf die grandiose Landschaft bescheren.

 

Wegstrecke

6,5 km

Nettogehzeit

2 Stunden

Höhenunterschied

100 m

Schwierigkeitsgrad

*

 

Anfahrt von Palma:  Auf der Ma-15 von Palma Richtung Manacor, auf der Umgehungsstraße oberhalb von Manacor auf die Ma-3322, Richtung Colónia de Sant Pere. Am Ende Richtung Artà auf die Ma-12. Nahe Km 7,8 Richtung Colónia de Sant Pere abzweigen und auf der Ma-3331 am Ort vorbei bis Betlem. Beim dortigen Kreisverkehr geradeaus weiter bis zum Ende der Straße (Avinguda Colon). Entlang dieser Straße parken. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Betlem von November bis April nur von Montag bis Freitag und nur nach telefonischer Anmeldung unter Tel.: +34 617 365 365 zu erreichen. 

 

Tourencharakter: Einfache Wanderung/Spaziergang auf Schotterpisten. Beim kurzen Abstieg zur Anlegestelle der Bucht es Caló ist Trittsicherheit notwendig. Rückweg auf der Hinroute.

 

Ausrüstung: Feste Schuhe, Wasser, Sonnenschutz.

 

 

Einkehr: Restaurants und Bars in Colónia de Sant Pere. Zwei Restaurants in Betlem.

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