Wandern

Tour im Westen: Auch in der Trockenzeit schön

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Alaró - Mallorca

Eine Wanderung durch das Tal Vall de Coanegra zum Salt des Freu und weiter nach Orient

ROLAND OTTO

 

Der Wanderer stößt bei der Anfahrt, die im Infokasten beschrieben ist, auf Höhe des Camí d‘Alaró auf eine wichtige Neuerung. Ein Verkehrsschild verbietet die Weiterfahrt, nur Anwohner dürfen passieren. Ein anderes Schild weist darauf hin, dass das Parken an den beiden Seiten auf der folgenden Strecke verboten ist und Pkws abgeschleppt werden. Die Einschränkungen hat das Rathaus von Santa Maria del Camí veranlasst. Der Grund liegt darin, dass vor allem an Wochenenden und Feiertagen auf der schmalen Fahrbahn massenweise Wanderer mit ihren Pkws bis zu der Possessió Son Oliver gefahren sind, um von dort zu einer Wandertour zu starten.

 

Dabei haben sie regelmäßig einen Verkehrsstau verursacht. Die mittelschwere Wanderung beginnt also an der Wegteilung mit dem Schild „Camí d‘Alaró“, der rechts weiter verläuft. Hier folgt man nun geradeaus dem Schild „Quarter V“. Auf einer Tafel „Sa Vall de Coanegra“ werden Regeln genannt, die auf dieser Wanderung zu beachten sind. Die Asphaltpiste führt dann durch Kulturland mit Mandel-, Johannisbrot- und Feigenbäumen. Man kommt an den Anwesen Son Berenguer und Son Güia vorbei und gelangt rund 20 Minuten nach Tourstart zu dem Eingangstor der Possessió Son Oliver, das links durch eine Pforte passiert wird.

 

Hier zeigt auch ein Schild „Camí des Freu, Orient“, dass der richtige Einstieg gefunden worden ist. Eine Tafel weist hier ebenfalls darauf hin, dass geparkte Autos kostenpflichtig abgeschleppt werden. Das Anwesen Son Oliver haben schon die Mauren während ihrer Herrschaft auf der Insel errichtet. Nach der Eroberung Mallorcas im Jahr 1229 durch König Jaume I. befand sich auf dem Gelände von Son Oliver der Celler del Rei. Dabei handelte es sich um einen Wein- und Vorratskeller des Thronfolgers des Königreichs Mallorca, des späteren Königs Jaume II. Hinter dem Tor geht die Fahrbahn sogleich in einen breiten Flurweg über, der weiter in das Vall de Coanegra führt.

 

Man bleibt dabei immer auf dem Hauptweg (Pfostenpfeil) und gelangt dann zum Torrent de Coanegra, der auf einem gepflasterten Abschnitt gequert wird. Nach den regenarmen Wochen auf ­Mallorca führt das Bachbett Anfang Februar kein Wasser. Die breite Piste verläuft mehr oder weniger eben weiter. Der Wanderer kann dann auf der linken Seite des Weges sehen, dass Forstarbeiter zwei landwirtschaftliche Steinhütten freigelegt haben, die von Gestrüpp und Bäumen zugewachsen waren. Schließlich wird rund 25 Minuten nach Son Oliver das Anwesen Cases de Son Roig erreicht, bei dem sich die Quelle Fonteta de Coanegra befindet.

 

Historische Dokumente belegen, dass sich hier im 17. Jahrhundert zwei Getreidemühlen befunden haben. Die breite Piste verläuft von Son Roig nun links (Pfostenpfeil) ­weiter. Man quert nochmals den Torrent de Coanegra, passiert wenig später ein Tor durch eine Pforte und gelangt dann zu der Bergfinca Ca‘n Morei und von dort zu dem Anwesen Son Pou, wobei die Gehzeit von den Cases de Son Roig bis hier rund zehn Minuten betragen hat. Das Eingangstor des 1276 erstmals urkundlich erwähnten Gutshofs ist verschlossen.

 

Deshalb verläuft rechts (Pfostenpfeil) vor dem Tor ein kurzer Pfad nach oben zu einer kleinen, offenen Pforte und von dort wieder hinab zu dem Hauptweg. Dieser führt dann in rund fünf Minuten zu einem gut erhaltenen Kalkofen. Es beginnt nun geradeaus (roter Punkt) eine sehr steinige und holprige Waldpiste, die sich in Kehren steil nach oben schraubt. Man folgt beim Aufstieg einem Pfostenpfeil und später geradeaus dem Schild „Orient“. Schließlich wird ein Sattel erreicht, bei dem links (Schild ­„Orient“) abzubiegen ist. Die Gehzeit von Son Pou hat rund 25 Minuten betragen.

 

In der Folge führt die Route auf einem Pfad in ständigem Auf und Ab weiter, wobei auch immer wieder rote Markierungen zu sichten sind. Die sehr felsige und muldige Piste verbreitert sich später und windet sich dann teils mauergestützt in einer längeren Steigung in einigen Kehren steil aufwärts. Schließlich werden rund 30 Minuten nach dem Sattel mit dem Schild „Orient“ ein Kalkofen, ein Köhlerplatz und eine Wegteilung erreicht, bei der links einem Pfostenpfeil zu folgen ist. Ein Wirtschaftweg führt wenig später zu einem Mauerdurchlass, hinter dem man auf einer steilen Piste in rund fünf Minuten zu einer Lichtung mit großem Felsbrocken und Grillstellen absteigt.

 

Hier biegt links (geradeaus geht es nach ­Orient) eine Piste ab, die – an den Resten einer Wassermühle vorbei – abwärts führt. Man verlässt den Weg nach rund fünf Minuten rechts in einer Linkskehre und steht nach wenigen Schritten vor einem der beiden großen Wasserfälle des Salt des Freu. Allerdings ist Anfang Februar nach der wochenlangen Trockenheit kein Wasser vorhanden, was ungewöhnlich ist. Normalerweise fließt, sprudelt und fällt das Wasser hier im Winter in Übermaß.

 

Anschließend begibt man sich in rund fünf Minuten wieder zurück zu dem Abzweig, folgt dort dem Schild „Orient“, quert den Torrent d‘Orient, übersteigt zweimal Tore auf einer Leiter und gelangt auf einer steinigen Piste in rund zehn Minuten zu der Landstraße Ma-2100, auf die rechts (Beschilderung) abgebogen wird. Nun sind am Rand der Straße noch etwa 1,5 Kilometer bis nach Orient zu wandern, das in rund 25 Minuten erreicht ist. Dem Wanderer wird dieser Fußmarsch von dem Ausblick auf das Tal von Orient, den Gebirgszug Serra d‘Alfàbia und von der Aussicht auf eine Lammschulter in einem der Restaurants von Orient „versüßt“. 

 

Wegstrecke 9 km

 

Nettogehzeit rund 2 Std. 45 Min.

 

Höhenunterschied 290 m

 

Schwierigkeitsgrad ***

 

Anfahrt von Palma: Auf der Landstraße Ma-13a nach Santa Maria del Camí. Dort am Ortsausgang links (Schild „Camí de Coanegra“) abbiegen. In der Folge fährt man immer geradeaus (Schilder „Quarter V“). Kurz nach dem Anwesen s‘Hostalet wird eine Wegteilung erreicht, bei der sich auch ein Schild „Camí d‘Alaró“ befindet. Rückfahrt von Orient mit einem zweiten Pkw.

 

Tourencharakter: Mittelschwere Wanderung auf breiten Wegen und sehr holprigen Pisten. Beim Abschnitt von Son Pou bis zum Salt des Freu absolute Trittsicherheit notwendig. Hinweis: Nach längeren Regenfällen kann der Torrent de Coanegera und der Torrent d‘Orient Wasser führen, worauf dann geachtet werden muss.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.

 

Einkehr: Lokale in Orient.

 

Diese Wanderung wurde am 18.02.2016 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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