Wandern

Tour auf steinigen Pfaden: Tausender mit Panoramablick

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Sóller - Mallorca

Eine Wanderung von der Font des Noguer auf den Puig des Tossals Verds

ROLAND OTTO

 

Die mittelschwere Wanderung beginnt beim Picknickplatz „Àrees recreatives Font des Noguer“. Hier zweigt von der Landstraße Ma-10 bei den Schildern „GR 221, Font des Prat, Refugi de Tossals Verds“ und „GR 221, Lluc, Refugi de Son Amer“ rechts eine Piste ab. Man befindet sich jetzt auf einem Abschnitt des Langwanderwegs GR 221, der „Ruta de Pedra en Sec“. Der Weg verläuft nun eben entlang des betonierten Kanals, in dem das Wasser vom Stausee Gorg Blau zum Sammelbecken Cúber geleitet wird. Deshalb wird die Piste auch Camí des Embassaments genannt.

 

Nun hat man rechts eine famose Aussicht auf das Felsmassiv des Puig de sa Font und später auf die schroffe Westwand des Morro d‘Almallutx. Links erhebt sich Mallorcas höchster Gipfel Puig Major. Elegant ragen seine Zinnen Pa de Figa de Son Torrella, auch El Paredón genannt, Sa Monya und Agulla des Frare in den Himmel. Davor erhebt sich der Tausender Puig de ses Vinyes. Bald ist unterhalb des Weges der Stausee Gorg Blau zu sehen. Zum Zeitpunkt der durchgeführten Wanderung (10.1.2016) ist der Wasserspeicher nach den regenarmen Herbst- und Wintermonaten nur zu etwa 30 Prozent gefüllt.

 

An den Rändern haben sich bis zu 100 Meter lange und breite Uferstreifen gebildet. Schon bei der Anfahrt konnte der Wanderer sehen, dass der Wasserstand des Stausees Cúber ebenfalls sehr reduziert ist. Das Reservoir Gorg Blau wurde 1972 in Betrieb genommen. Vor der Flutung befand sich hier das Vall d‘Almallutx. Davon sind nur die Häuser Cases d‘Almallutx übrig geblieben, die ebenfalls zu sehen sind. Das Tal war schon im 7. Jahrhundert v. Chr. besiedelt, wie bei Ausgrabungen festgestellt worden ist. Keramikfunde belegen zudem, dass auch die Römer in ihrer Besatzungszeit (123 v. Chr. bis 465 n. Chr.) hier gesiedelt haben.

 

Bei Ausgrabungen vor über vier Jahren haben dann zwei junge Archäologen Reste von Behausungen und Grabstätten entdeckt, die der maurischen Zeit auf Mallorca (902 bis 1229 n. Chr.) zugerechnet werden. Auf der Piste entlang der Wasser­rinne wird schließlich nach einem Pfostenpfeil rund 45 Minuten nach Tourstart eine kleine Brücke erreicht, die über die Kanalrinne führt (Schild „GR 221, Refugi Tossals Verds, Lluc“). Hier ist links ein imposanter Blick auf die über 1.000 Meter hohe Gebirgskette Serra des Teixos und ihren südlich gelegenen Gipfel Sa Trona, die „Kanzel“, möglich. Weiter geht es nach der ­Brücke durch ein Tor und danach auf einem breiten Weg.

 

Die einst sehr holprige Piste ist unterdessen von den margers, den Steinmetzen des Inselrats von Mallorca, gepflastert worden. Sie führt in rund zehn Minuten hinauf zum Coll des Coloms. Etwa 20 Meter nach dem Sattel ist dann eine Wegteilung erreicht, bei der rechts (Schild „Puig des Tossals Verds“) auf einen Pfad abgebogen wird. Der Waldpfad führt dann durch einen Steineichenwald zunächst nicht allzu steil aufwärts ­(Steinmännchen). Der steinige Steig wird dann zunehmend steiler und windet sich in engen Kehren nach oben.

 

Auch jetzt zeigen viele Steinmännchen die Richtung. Schließlich wird rund 30 Minuten nach dem Abzweig beim Coll des Coloms ein einzeln stehender Felsen erreicht, der sich rechts der Piste befindet und der den Namen Es Frare (der Mönch) oder Pa de Figa (Brot der Feige) trägt. Von dort führt der Pfad nicht mehr so steil in rund fünf Minuten zu einer Begrenzungsmauer mit Lücke und dann sogleich zu einem Sattel, bei dem geradeaus die Hochebene Es Colomer beginnt. Rechts von dem Coll befinden sich einige Meter entfernt die Cases de Neu dels Tossals.

 

Historische Dokumente belegen, dass das in einer Höhe von 954 Meter gelegene Schneehaus im Jahr 1636 errichtet worden ist. Die Schneesammler, nevaters, haben in der Grube bis zu 700 Tonnen Schnee gestapelt. Dieser wurde dann in Eisblöcken mit Mulis ins Tal transportiert und an Gastronomiebetriebe zur Kühlung von Lebensmitteln verkauft. Auch in der Medizin fand das Schneeeis zum Fiebersenken und zur Wundbehandlung Verwendung. In unmittelbarer Nähe ist die Unterkunft der Schneesammler als Ruine ebenfalls noch vorhanden.

 

Der Aufstieg zum Puig des Tossals Verds beginnt dann links vom Sattel (Steinmännchen). Ein steiniger Pfad verläuft nun im steilen Zickzack hinauf zu einem markanten Felsen (durchgehend Steinmännchen). Von dort steigt man teils über Steinplatten weiter auf, wobei auch hier Steinmännchen die Richtung zeigen. Schließlich wird nach rund einer Viertelstunde eine Hochebene erreicht, bei der links (Steinmännchen) abgebogen wird.

 

Nun beginnt auf einem teils ausgesetzten, sehr steinigen Pfad und über spitzes Karstgestein der steile Gipfelanstieg. Auch bei dieser Schlussetappe helfen weithin sichtbare Steinmännchen, den sichersten Weg zu finden. Nach rund 15 Minuten ist dann der 1.118 Meter hohe Gipfel des Puig des Tossals Verds erreicht, auf dem eine geodätische Säule steht. Unterhalb der Vermessungssäule befindet sich ein Metallkreuz mit der Inschrift „Amics d‘Infància, 1965-2014“. Daneben ist eine Keramiktafel zu sehen, die eine Wandergruppe aus Pòrtol Weihnachten 2014 angebracht hat. 

 

Die Aussicht von hier oben ist vom Feinsten. Im Süden ist die gesamte Bucht von Palma zu sehen. Nach Südwesten reicht der Weitblick über die Serra de Rateta, die Serra d‘Alfàbia und das Teix-Massiv bis hin zum Puig de Galatzó. Im Norden sind die Bucht von Alcúdia und die Halbinseln Ferrutx und Sa Victòria auszumachen. Tief unten liegt der Stausee Gorg Blau. Mallorcas meernächster Tausender, der Puig Roig, ist ebenfalls zu sehen. Spektakulär ist auch der Blick auf den Puig Major, Penyal des Migdia und Puig de Massanella, die die höchsten Gipfel der Serra de ­Tramuntana sind. 

 

Wegstrecke 10 km (hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 3 Std. 45 Min.

 

Höhenunterschied 370 m

 

Schwierigkeitsgrad ***

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-11 nach Sóller, dort auf der Ma-10 in Richtung des Klosters Lluc und des Stausees Cúber fahren. Kurz unterhalb des Wasserspeichers liegt bei km 33,7 der Picknick- und Parkplatz Font des Noguer.

 

Tourencharakter: Mittelschwere Wanderung auf breiten Wegen, steinigen Pfaden und über spitzes Karstgestein. Rückweg auf der Hinroute.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.

 

Einkehr: Lokale in Sóller.

 

Diese Wanderung wurde am 21.01.2016 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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