Wandern

Tour mit Geschichte: "In des Königs Jagdrevier"

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Artà - Mallorca

Eine Küstenwanderung im Nordosten Mallorcas von Betlem zur Bucht es Caló

ROLAND OTTO

Diese Wanderung führt durch eine der schönsten und wildesten Küstenlandschaften Mallorcas. Die Route unterhalb von hohen Gipfeln der Serra de Llevant und oberhalb des Meeres mit dem nordöstlichen Abschnitt der Bucht von Alcúdia und dem Cap de Ferrutx bietet dem Wanderer bleibende Eindrücke und überwältigende Ausblicke. Zudem ist die Küstentour eine gute Gelegenheit, sich für die Wandersaison einzulaufen. Die leichte Wanderung beginnt am Ende der Siedlung Betlem auf einer Schotterpiste. Hier befindet sich auch eine große Tafel „Reserva Marina del Llevant de Mallorca“.

 

Die „Reserva Marina“ wurde im März 2007 von der Regierung der Balearen als Meeresschutzgebiet ausgewiesen. Auf der Tafel befindet sich eine Karte des Areals. Auch die geschützten Fische sind abgebildet und benannt. Die breite Piste geht dann sogleich in einen Erdweg über. Links ist ein Pfad zu ignorieren, der zu dem Strand Platja Clara führt. Der Wanderer durchschreitet danach auf dem Hauptweg einen Mauerdurchlass. Der breite, steinige Weg führt nun zunächst leicht abwärts. Rechts türmen sich die gewaltigen Felsmassive des Puig de sa Creu und der sa Talaia Freda mit ihren Steilwänden auf.

 

Der letztgenannte Berg ist mit 563 Metern der höchste Gipfel der Serra del Llevant. Links und rechts der Piste fallen – neben Kiefern, Mastix und Schneidegras – die zahlreichen Zwergpalmen auf. Die Palmitos zählen zu den Fächerpalmen. Die Zwergpalme ist neben der Kretischen Dattelpalme die einzige Wildpalme Europas und zudem eine Nutzpflanze, die auf der Halbinsel Ferrutx besonders häufig vorkommt. Aus den Blattgrundfasern werden heute noch Besen, Korbwaren, Matten, Säcke und Polstermaterial hergestellt. Ihr Stamm kann bis zu vier Meter hoch werden. Die Pflanze trägt eiförmige bis rundliche Früchte, die jedoch ungenießbar sind. Die Route verläuft dann in leichtem Ab und Auf in Richtung der Bucht Es Caló, die in der Ferne zu sehen ist. Auf der gegenüberliegenden Seite der Badia d‘Alcúdia sind das Cap Pinar und die Gipfel Penya des Migdia, Puig des Romaní und Talaia d’ Alcúdia zu erblicken.

 

Dahinter ist das Cap de Formentor, der nördlichste Punkt Mallorcas, auszumachen. Schließlich fallen rund 20 Minuten nach Tourstart direkt links der Piste Reste eines Kalkofens auf. Etwa 100 Meter weiter befindet sich rechts des Wegs die Hausruine Caseta des Barracar. Der Schuppen wurde einst von Landarbeitern genutzt. Noch heute sind an den Abhängen zwischen den Bergen Puig de sa Tudossa, der an den Antennen auf seinem Gipfelplateau zu erkennen ist, und sa Talaia Freda einige Terrassenmauern zu sehen. Diese stammen noch aus einer Zeit, in der auf diesem Areal landwirtschaftliche Erzeugnisse angebaut worden sind. Viel früher wurde im Jahr 1302 auf dem Terrain für den mallorquinischen König Jaume II. ein riesiges Jagdgebiet errichtet.

 

Das Revier erstreckte sich von der Possessió Sa Devesa de Ferrutx, die unterhalb des Puig de Ferrutx gelegen ist, über die Küste und die Berge der Serra de Llevant bis hin zum Cap Ferrutx. Sein Sohn und Nachfolger, König Sanç, hat hier ebenfalls eigens ausgesetzte Hirsche, Rehe, Wildschweine, Fasane, Rebhühner und Kaninchen gejagt. Viel später wurde 1880 auf dem Gelände der Possessió die Siedlung Colònia de Sant Pere gegründet. Seit einigen Jahren ist Sa Devesa de Ferrutx im Besitz des weltbekannten mallorquinischen Malers und Bildhauers Miquel Barceló, der dort auch ein Atelier hat. Weiter geht es von der Caseta des Barracar auf der breiten Piste, auf der dann die Reste einer síquia erreicht werden. Die gemauerte Wasserrinne wurde früher durch das Wasser der in der Nähe gelegenen Font dels Porcs, der Quelle der Schweine, gespeist.

 

Der Wanderer bleibt weiterhin auf dem Hauptweg und gelangt dann bei zwei Betonpfeilern zu dem Estret dels Vells Marins. Der Engpaß ist nach der Mittelmeer-Mönchsrobbe benannt. Die in den Gewässern Mallorcas lebenden Robben wurden in den 1960er Jahren von Fischern ausgerottet. Unweit von hier bewohnten die Mönchsrobben zwei Höhlen, die später von der Bucht es Caló einsehbar sind. Schließlich wird – immer verbunden mit einem Traumblick auf die sa Talaia Moreia – ein Kiefernwäldchen erreicht, das sich auf dem Pla des Caló befindet. Die Gehzeit von dem Kalkofen bis hier hat rund 25 Minuten betragen. Auf einer sandigen Piste gelangt man dann sogleich zu einer oberhalb des Meeres gelegenen Abbruchkante, bei der man mit gebotener Vorsicht wenige Meter zur kleinen Anlegestelle der Bucht absteigen kann. Hier besteht auch noch im Frühherbst eine Schwimmgelegenheit, die der Wanderer bei guten Wetterbedingungen nutzen kann.

 

Die Aussicht von der Anlegestelle ist phänomenal. So sind links die bereits erwähnten Gipfel der Serra de Llevant aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen. Ganz weit hinten lugt sogar die imposante Felsnase des Puig de Ferrutx empor, deren Anblick man schon bei der Anfahrt auskosten konnte. Auf der anderen Seite sind Port d’Alcúdia und die Halbinsel Sa Victòria zu erkennen. Von dort schweift der Fernblick über die Gipfel Puig Gros de Ternelles, Cuculla de Fartàritx, Puig Tomir, Puig d’en Galileu, Puig de Massanella, Puig des Tossals Verds, Puig de sa Rateta und Puig de na Franquesa bis hin zum Puig de l’Ofre. 

 

Wegstrecke 6,5 km (hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 1,5 Std.

 

Höhenunterschied 100 m

 

Schwierigkeitsgrad **

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-15 nach Artà, dort auf der Ma-12 Richtung Can Picafort und dann auf der Ma-3331 Richtung Colònia de Sant Pere und der Urbanisation Betlem (Beschilderung). Am Ende der Siedlung beginnt bei der Tafel „Reserva Marina del Llevant de Mallorca“ eine breite Schotterpiste, bei der man auch parken kann.

 

Tourencharakter: leichte Wanderung auf steiniger und teils sandiger Piste. Beim kurzen Abstieg zur Anlagestelle der Bucht es Caló Trittsicherheit notwendig. Rückweg auf der Hinroute.

 

Ausrüstung: leichte Wanderschuhe, Sonnenschutz, Wasser, Proviant, evtl. Badesachen.

 

Einkehr: Lokale in Colònia de Sant Pere.

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