Wandern

Tour ab Lloseta: Zur ältesten Herberge der Insel

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Lloseta - Mallorca

Eine Wanderung zum Refugi des Tossals Verds und von dort zum Coll de Pinetons

ROLAND OTTO

 

Die leichte Wanderung beginnt am Parkplatz des Gutshofs Almadrà. Die zur Gemeinde von Alaró gehörende possessió besteht aus den drei Häusern Casa d‘Amunt, Ca‘n Calet und Son Ordines. Das idyllisch in einem Tal gelegene Landgut ist schon von den Mauren während ihrer Herrschaft auf Mallorca gegründet worden. Nach der christlichen Eroberung im Jahr 1229 wurde das Anwesen von König Jaume I. dem Bischof von Mallorca zugeteilt. Mitte des 17. Jahrhunderts ist das Landgut dann in den Besitz der Familie Vallès d‘Almadrà i de Berga übergegangen, die später auch den südlich gelegenen Landsitz Solleric erstand. Beide Gutshöfe zählten in dieser Zeit zu den größten Olivenanbau­gebieten auf Mallorca.

 

Man folgt am Parkplatz dem Schild „Refugi des Tossals Verds“, Castell d’ Alaró“ und passiert ein Tor durch eine Pforte. Hier weist auch ein Schild darauf hin, dass Hunde nur angeleint mitgeführt werden dürfen. Hinter dem Tor führt eine breite Piste parallel zum Torrent d‘Almadrà zunächst leicht ansteigend nach oben (Pfostenpfeil). Man folgt dann weiter der Beschilderung „Refugi des Tossals, Castell d‘Alaró“. Schon von Weitem fällt der Blick auf die gewaltigen Felswände an den Seiten des Weges. Sind die Steilmassive dann erreicht, wird das gigantische Ausmaß ihrer Formation erst erkennbar.

 

Rechts und links der Piste, die nun deutlich steiler wird, ragen die bizarr gestalteten Steinwände mit imposanten Tropfsteinhöhlen teils über 100 Meter empor. Die Schlucht wird Clot de Sa Caldera genannt. Danach steigt die breite Piste nicht mehr allzu steil an, und man gelangt rund 30 Minuten nach Tourstart zu dem Eingangstor von Es Tossals Verds, bei dem sich eine Pforte befindet. Hier steht auch eine große Tafel, auf der die Routen in der Umgebung eingezeichnet sind. Man bleibt nun geradeaus auf dem Hauptweg (Schild „Refugi des Tossals Verds“) und steigt auf der Nebenstrecke GR 221-G des Langwanderwegs GR 221 weiter auf.

 

Die Asphaltpiste führt nun in Kurven steil aufwärts, wobei der Wanderer auf einen kürzeren und längeren Abkürzungspfad (Pfostenpfeile) zurückgreifen kann. Man erreicht später eine Stelle, bei der rechts abzubiegen ist. Ein felsiger Trampelpfad verläuft nun in steilem Zickzack aufwärts und führt dann wieder auf die Fahrbahn, auf die rechts eingebogen wird. Wenig später ist das refugi erreicht, wobei die Gehzeit von dem Eingangstor unten mit der Tafel rund 30 Minuten betragen hat. Das Anwesen wurde als „El Tossal“ im Jahre 1343 erstmals urkundlich erwähnt. Ende des 16. Jahrhunderts gehörte die finquita zusammen mit den Cases Velles, die unweit des Coll des sa Bassola gelegen sind, zum Besitz der Possessió Cúber, die in den 60er Jahren im Zuge der Errichtung des Stausees Cúber abgerissen wurde. Im Jahr 1986 hat dann der Inselrat Mallorca das Gebäude erstanden und über viele Jahre aufwendig restauriert. 1997 wurde „Es Tossal“ als erste Wander­herberge „Refugi des Tossals Verds“ auf Mallorca eröffnet.

 

Da die Vielzahl der Übernachtungen von Wanderern mit der Zeit nicht mehr zu bewältigen war, wurden in den Jahren 2014 und 2015 die Nebengebäude umgebaut und dadurch mehr Schlafmöglich­keiten geschaffen. Auch der Speisesaal und Aufenthaltsraum wurde vergrößert, indem die Küche in einen neuen Raum verlegt wurde. An den Wänden des Raums sind Fotos der Serra de Tramuntana und der umliegenden Gemeinden zu sehen. Auf der 540 Meter hochgelegenen Schutzhütte laden auf einer Terrasse Bänke und Tische zu einer Rast ein. Vor dem Weiterweg lohnt sich ein Besuch des kleinen botanischen Gartens, in dem eine Vielzahl endemischer und mediterraner Pflanzen zu sehen sind.

 

In dem Garten befinden sich Thymian, Rosmarin, Salbei, Lavendel, Zwergpalmen und auch das endemische Balearen-Johanniskraut, Hypericum balearicum. Bei dem refugi folgt man dann dem Schild „GR 221, Font es Noguer, Font des Prat, Ses Cases Velles“. Man passiert sogleich ein Holztor und steigt auf einem felsigen Pfad nach oben. Rund zehn Minuten nach der Herberge wird ein Sattel erreicht, auf dem rechts (Beschilderung) abzubiegen ist. Die teils gepflasterte Piste führt dann in Kurven aufwärts. Dabei hat man einen famosen Ausblick auf den Puig de s‘Alcadena, den Puig d‘Alaró und das Tal von Orient.

 

Man folgt bei einer Weggabelung einem Pfostenpfeil und gelangt danach zu einem Mauerdurchlass und sogleich zu einer Weggabelung, wobei die Gehzeit von dem Sattel rund 20 Minuten betragen hat. Hier fällt nun auf, dass rechts ein Schild aus der Verankerung entfernt wurde. Ursprünglich zeigte der Wegweiser den Weiterweg nach Mancor de la Vall über den Coll es Pinetons. Wie der Autor später feststellen musste, hat der Besitzer des Anwesens Es Rafals, das oberhalb von Mancor de la Vall gelegen ist, den Durchgang durch sein Gebiet für Wanderer gesperrt. Der Autor bemerkte am 8. Mai 2015 jedoch auch, dass auf dem Gelände von Es Rafals für Touristen Jeep-Safaris veranstaltet werden.

 

So folgt der Wanderer bei der Weggabelung rechts einem roten Punkt und einem Steinmännchen. Ein Pfad führt jetzt in Richtung des Coll es Pinetons, der an seiner Mauer zu erkennen ist. Unterhalb des Sattels wurde ein weiteres Schild „Mancor“ entfernt. Der Wanderer beendet nun auf dem Coll, der in rund 20 Minuten erreicht ist, aus den oben erwähnten Gründen die Tour, nicht ohne jedoch einem imposanten Blick auf den Puig de sa Rateta und den Puig de l‘Ofre zu genießen. 

 

Wegstrecke 10 km (hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 3 Std. 10 Min.

 

Höhenunterschied 640 Meter

 

Schwierigkeitsgrad **

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 die Ausfahrt Alaró, Binissalem und Consell nehmen. Dann auf der Ma-13 nach Binissalem und hinter dem Ort auf der Ma-2111 nach Lloseta fahren. Dort auf der Ma-2110 Richtung Alaró. Nach Kilometerstein 6,6 biegt rechts (Schild „Refugi des Tossals Verds“) eine schmale Fahrbahn ab, auf der man nach etwa fünf Kilometern den Parkplatz bei der Possessió Almadrà erreicht. Die Fahrbahn ist in einem sehr schlechten Zustand.

 

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Pisten und steinigen Pfaden. Rückweg auf der Hinroute.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant, Sonnenschutz. Für Wanderer, die nicht im refugi übernachten, gibt es nur Getränkeverkauf.

 

Einkehr: Lokale in Lloseta.

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