Wandern

Leichte Wanderung: Im Winter ganz ruhig

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Estellencs - Mallorca

Eine Rundtour bei Estellencs über terrassierte Hänge zur Hafenbucht des Bergdorfes

 

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung, die eher ein Spaziergang ist, beginnt am Ortseingang von Estellencs gegenüber der Bushaltestelle, die sich an der Ma-10 befindet. Dort verweisen links zwei Schilder „GR 221, Coma d‘en Vidal, Es Capdellà“ und „Cala d‘Estellencs, Puig de Galatzó“ nach links. An dieser Stelle befindet sich auch eine Tafel „Camina per Mallorca“ mit einer Karte, auf der auch die heutige Route eingezeichnet ist.


Der Wanderer erreicht dann auf einer schmalen Fahrbahn eine Weggabelung, bei der er geradeaus der Beschilderung „GR 221“ folgt und sich den rechten Abzweig merkt, weil er später auf dem Rückweg hier wieder ankommen wird. Man passiert einige Anwesen mit hübschen Gärten und gelangt dann zu einer Weggabelung, bei der rechts (Schild „Cala d’ Estellencs, Camí des Port“) abgebogen wird.


Eine Asphaltpiste führt nun in einigen Kehren teils steil abwärts. Man kommt an einigen größeren und kleineren Anwesen vorbei. Auf Terrassen sind Zitrushaine, Feigen-, Mandel- und Olivenbäume,, Kaktus­arten, Mimosen, Gummibäume, Zwergpalmen und Kiefern zu sehen. Auch einige kleine Weingärten sind hier vorhanden.


In Estellencs wird seit Jahrhunderten Wein angebaut. Dokumentiert ist der Anbau im Jahr 1425 auf dem Landgut Cases de Son Fortuny und 1521 auf der Possessió Son Serralta. Schon 1664 wurde hier Malvasia erzeugt. Heute gibt es in dem Bergdorf einen kleinen Weinkeller, der den Malvasia wieder herstellt. Bei Weinkennern ist der edle Tropfen sehr begehrt.


Schließlich wird rund 25 Minuten nach Tourstart die Possessió Sa Vinyassa erreicht. Dort geht es auf der Fahrbahn weiter meerwärts. Links der Piste ist eine mit Kiefern bewaldete Anhöhe zu sehen, rechts gegenüber erhebt sich der Penyal des Corb mit seinen zerfrästen und erodierten Steilwänden. Man kommt an einigen safareigs, Wassersammelbecken, vorbei. Rechts unten ist der Torrent Es Broll zu sehen, dessen Seiten teils dicht mit Schilf bewachsen sind. Rund eine Viertelstunde nach Sa Vinyassa ist dann kurz nach der Casa Fina (Pfostenpfeil) die Cala d‘Estellencs erreicht.


Die Bucht ist im Winter und im Frühjahr ein verträumter Ort, was sich in den Sommermonaten allerdings mit den Strandbesuchern und dem Verkehr auf den schmalen Zufahrtsstraßen gehörig ändert. Neben Wochenendhäuschen befindet sich hier auch eine – nur in der Saison geöffnete – Strandbar. Hinter dem Chiringuito erhebt sich der markante Meeresfelsen Es Cagarrot.


Auf einem gepflasterten Weg kann man zu den Fischerhäuschen und Bootsanlegestellen gehen, wobei man nach Regenfällen an einem etwa fünf Meter hohen Wasserfall vorbeikommt, der von dem Wasser des Torrent Es Broll gespeist wird. Die Steilwände über der Bucht sind großflächig mit Stahl­netzen gesichert. Trotzdem sollte der Wanderer hier auf Erdrutsche und Steinschlaggefahr achten. Die Felswände bestehen überwiegend aus Bundsandstein. Vor einigen Jahren wurden in dem Gestein Abdrücke von fossilen Insekten aus der Unteren Trias entdeckt.


Der Rückweg nach Estellencs verläuft nun vom Hafen links auf dem Camí de la Mar. Nachdem der Torrent Es Broll auf einer kleinen Brücke gequert ist, steigt die Asphaltpiste steil an. Man kommt dann zunächst an dem Eingangstor des Anwesens Cas Torrer und später an den zerfrästen Steilwänden des Penyal des Corb vorbei. Hier fällt eine kleine Steinhütte auf, die direkt in eine Höhle in der Felswand gebaut worden ist. Blickt der Wanderer nun nach oben, kann er halb rechts ganz hinten die West- und Nordwand des Puig de Galatzó erkennen. Der Tausender sieht aus dieser Perspektive ganz anders aus, als wenn man ihn von Palma oder aus der Inselmitte betrachtet.


Auch die Gipfel Morro de ses Serveres, Cingle Redó und Es Morralàs,
die bei dem Picknickplatz Boal de ses Serveres gelegen sind und an denen vorbei eine der Aufstiegsrouten zum Puig de Galatzó verläuft, sind zu erblicken. Halb links oben erhebt sich über Estellencs der fast 900 Meter hohe Puntal de Planícia.
Die Route verläuft dann nur noch mäßig steil durch eine Terrassenlandschaft mit Zitrus-, Obst-, Feigen- und Mandelbäumen, wobei man immer auf dem Hauptweg bleibt (Pfostenpfeil). Der Wanderer passiert die Anwesen Es Garrover, Es Broll und Ca sa Pineta und gelangt zur Kläranlage der Gemeinde, bei der ein großer Teppich aus Kapuzinerkresse auffällt. Man folgt nun einem Schild „Estellencs“, quert bei einem Fussballplatz rechts (Pfostenpfeil) auf einer Brücke den Torrent Es Broll und erreicht sogleich die Possessió Es Fonollar. Die Gehzeit von der Cala bis hier hat rund 30 Minuten betragen.


 Auf dem Gemeindegebiet von Estellencs wird seit ewigen Zeiten Olivenöl erzeugt. Dokumentiert ist die Herstellung seit Ende des 14. Jahrhunderts. Auch der Gutshof Es Fonollar verfügte einst über eine Ölmühle. Im Jahr 1941 wurden von den Gutshöfen der Gemeinde zwischen 300 bis 400 tones Olivenöl erzeugt. Eine tona entspricht 1.000 Liter. Die Qualität des Öls war so exzellent, dass es sogar nach Valencia exportiert wurde.


Weiter geht es von Es Fonollar auf dem Camí de la Mar. Man folgt bei dem nun wieder steilen Anstieg den Pfostenpfeilen und gelangt dann zu den ersten Häusern des Ortskerns von Estellencs. Über die Straßen Carrer d’es Magraners und Carrer Alemany ist dann der Abzweig erreicht, den man sich beim Hinweg gemerkt hat. Links ist dann rund eine Viertelstunde nach Es Fonollar die Landstraße Ma-10 bei der Bushaltestelle erreicht.
 

 

Wegstrecke
4 km


Nettogehzeit
rund 1 Std. 25 Min.


Höhenunterschied
200 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma:
Auf der Ma-1 nach Andratx, dort auf der Ma-10 bis Estellencs.


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf Asphaltpisten. Nach der Tour lohnt sich auch eine Besichtigung des Ortskerns von Estellencs mit seinen schmalen Gassen und den dicht an dicht gebauten und teils verschachtelten Häusern.


Ausrüstung: Leichte Wanderschuhe, Proviant, Regenschutz.


Einkehr: Lokale in Estellencs.

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