Wandern

Tour im Westen: Wo schon Hercule Poirot ermittelte

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Andratx - Mallorca

Leichte Wanderung mit Halt an einem historischen Drehort: von Cala Fornells zum Cap d’Andritxol und zur Bucht Caló des Monjo

ROLAND OTTO

Start der leichten Wanderung ist bei der Einfahrt des Hotels Cala Fornells Petit. Hier beginnt geradeaus ein breiter Waldweg, der nach etwa 100 Metern zu einem Schlagbaum führt. Hier befinden sich zwei Tafeln „Caló des Monjo – Cap Andritxol“, auf deren Karten auch die heutige Wanderroute verzeichnet ist.


Hinter der Auto-Barriere führt die breite Piste durch einen lichten Kiefernwald geradeaus weiter. Nach etwa 250 Metern bleibt man bei einer Weggabelung auf der Hauptpiste. An dieser Stelle steht ein hoher Holzpfahl, an dem aus unbekannten Gründen die Beschilderung entfernt worden ist. Nach weiteren 100 Metern wird dann eine Kreuzung erreicht, bei der sich vier Abzweige befinden.


Hier führt der Hauptweg links weiter in Richtung der Caló des Monjo, zu der man auf dem Rückweg noch kommen wird. Die Schrift „Torre“ und „Turm“ an einem hohen Holzpfahl, bei dem das Schild „Cap Andritxol“ ebenfalls entfernt worden, aber immerhin noch auf dem Boden vorzufinden ist, verweist scharf rechts auf einen Weg. Dieser führt (Holzpfosten mit drei weißen Strichen) zunächst leicht ansteigend aufwärts. Man folgt dabei den Steinmännchen, gelben Klecksen und Holzpfosten. Die steinige Piste wird dann schmaler und steigt nach einem Kalkofen in einigen Kurven an. Schließlich wird ein Sattel mit einem Zaun und Durchlass erreicht, wobei die Gehzeit seit Tourstart rund 25 Minuten betragen hat.


Auf dem Coll verweist ein Schild „Cap Andritxol“ links auf einen Weg, während geradeaus die Route nach Camp de Mar verläuft. Rechts ist das Eingangstor der Villa zu sehen, die das Ex-Model Claudia Schiffer vor fast zehn Jahren an einen russischen Staats­bürger verkauft hat.


Weiter geht es hinter der Zaunlücke links auf einer steinigen Piste, die parallel des Zauns nicht allzu steil nach oben verläuft. Bei Weggabelungen bleibt man auf dem Hauptweg (Steinmännchen) und folgt dann bei Abzweigen den Holzpfosten mit den drei weißen Strichen. Die Piste steigt nun in Kurven steil an. Nach rund einer Viertelstunde sind zunächst zwei Steinhütten und dann sogleich der Torre des Cap d‘Andritxol erreicht.


Der Wachturm wurde 1580 zum Schutz vor Seeräubern errichtet, nachdem Piraten zwei Jahre zuvor Andratx überfallen hatten. Einer bei dem Turm angebrachten Tafel ist zu entnehmen, dass der torre Teil eines Warnsystems an der gesamten Küste Mallorcas war, das im 16. Jahrhundert zum Schutz vor Piratenüberfällen errichtet wurde. Auch die Wachtürme auf dem gegenüberliegenden Cap des Llamp und oberhalb der Cala en Basset bei Sant Elm wurden in diesem Zusammenhang erbaut. Die einzelnen Türme kommunizierten mit Zeichen und Warnsignalen untereinander. Auf dem Küstengebiet der Gemeinden von Andratx und Calvià wurden vierzehn ­torres zum Schutz vor Korsarenangriffen errichtet, von denen heute noch zwölf erhalten sind. Die
Barraquers dels Torrers, die ­Steinhütten der Turmwächter, wurden in ihrer heutigen Form im 19. Jahrhundert erbaut.


Die Aussicht auf die Bergwelt im Südwesten der Insel vom Torre d‘Andritxol ist aus fast 160 Metern Höhe famos. So sind die Gipfel bei dem Kloster Sa Trapa, die Serra de Garrafa bei Andratx, der Tausender Puig de Galatzó, die Mola de s’ Esclop, der Puig de na Bauçà bei Galilea und die Fita del Ram bei Esporles zu sehen.


Weiter geht es von dem Turm links (roter Klecks) auf einem steinigen und auch felsigen Pfad immer parallel zu einem Zaun, der mehrmals durch Öffnungen durchschritten wird. Dabei zeigen regelmäßig vorhandene Steinmännchen die Richtung. Man kommt dabei auch an einer Tafel vorbei, auf der über die Flora informiert wird. Demnach ist die Halbinsel Andritxol überwiegend mit Wilden Olivenbäumen, Kiefern und Mastix bewachsen. Schließlich wird nach rund einer Viertelstunde das Cap d‘Andritxol erreicht. Hier hat sich ursprünglich auch einmal eine Vermessungssäule befunden, von der nur noch der Sockel mit der eingeritzten Jahreszahl 1911 übrig geblieben ist.


Wer absolut schwindelfrei ist, kann nun aus 184 Metern Höhe mit gebotener Vorsicht einen atemberaubenden Tiefblick auf das Meer riskieren. Aber auch die Fernsicht hat es in sich: Sie reicht von der Bucht von Palma über das Cap Blanc bis hin zur Inselgruppe Cabrera. Imposant ist ebenfalls der Blick auf die praktisch noch unbebaute Ostseite der Halbinsel Es Llamp mit den Gipfeln Es Penyalar und sa Talaia.


Man begibt sich nun auf dem Hinweg in rund 35 Minuten wieder zurück zu der Kreuzung mit den vier Abzweigen und biegt dort rechts auf eine breite Waldpiste ab. Diese führt nach etwa 300 Metern zu einer Lichtung und dort links sogleich zu einer Mauer mit Lücke. Rund fünf Minuten nach der Kreuzung ist auf einem Waldweg ein Mäuerchen oberhalb der Caló des Monjo erreicht.


Im Sommer ist die Bucht ein beliebter FKK-Strand, der reichlich frequentiert wird. In den Wintermonaten aber kann man sich hier bei einer alten Fischerhütte wunderbar entspannen und sich dabei die Bilder aus dem Film „Das Böse unter der Sonne“ vorstellen, von dem 1981 einige Teile auch in der Caló des Monjo gedreht wurden. In dem Film von Guy Hamilton nach einem Kriminalroman von Agatha Christie waren Peter Ustinov, Jane Birkin, James Mason und Diana Rigg die Hauptdarsteller.


Nach einer ausgedehnten Pause wandert man dann wieder zurück zu der Kreuzung mit den vier Abzweigen und von dort auf dem Hinweg zu der Einfahrt des Hotels Cala Fornells Petit, wobei die Gehzeit von der Caló des Monjo rund eine Viertelstunde betragen hat.

 

Wegstrecke
7 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 1 Std. 50 Min.


Höhenunterschied
184 m   


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-1 Richtung Andratx bis zur Ausfahrt 23 (Schild „Cala Fornells“). Man folgt dann weiter dieser Beschilderung und erreicht nach der Carrer de la Talaia die Carretera de Cala Fornells. Von dieser Straße biegt man bei dem Hotel Cala Fornells rechts in die C/. Cala Fornells ab. Bei der sogleich folgenden Einfahrt zum Hotel Cala Fornells Petit gibt es Parkplätze, weitere dann 50 Meter oberhalb in einem Waldgebiet.


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Wegen und steinigen Pfaden. Die felsige Piste vom Torre zum Cap d‘Andritxol ist teils sehr spitzkantig. Bei den Steilabbrüchen am Cap ist Schwindelfreiheit notwendig.


Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.


Einkehr: Lokale in Cala Fornells oder Peguera.

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