Wandern

Steinige Tour: In den nackten Fels gebaut

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Escorca - Mallorca

Eine Wanderung vom Kloster Lluc zum Höhlenhaus Es Coscona

Vor dem Start der Wanderung beim Kloster Lluc sollte man dem „Centre d’ interpretació Paratge Natural de la Serra de Tramuntana“ einen Besuch abstatten. Das vor zwei Jahren eröffnete Zentrum des Naturparks Serra de Tramuntana ist in dem ehemaligen Gutshof Ca s’ Amitger untergebracht. Der Besucher findet hier zahlreiche Informationen über die Flora und Fauna des 90 Kilometer langen und über 62.000 Hektar großen Gebirges. Fotos, Schautafeln und Filme zeigen die ganze Vielfalt der Natur der Serra, die nach dem Nordwind Tramuntana benannt ist. Auch das Leben der Menschen und ihre Arbeit bei der Olivenernte, als Kalkbrenner, Köhler und Schneesammler werden dargestellt. Der Wanderer erkennt in den Filmen aber auch viele Gipfel, Wege, torrents, Steilklippen, Küstenlandschaften, Schneehäuser, Köhlerplätze und Kalköfen wieder und fühlt sich einmal mehr in der Ansicht bestätigt, dass die Serra de Tramuntana zu Recht von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde.


Die leichte Wanderung beginnt vor dem Hauptgebäude des Santuari de Lluc direkt bei der Terrasse der Bar Cafè sa Plaça. Dort passiert man ein Tor durch eine Pforte und wandert dann auf einer schmalen Asphaltpiste weiter. Bald ist links etwas oberhalb ein großes, steinernes Gebilde zu sehen, das durch die Erosion entstanden ist. Mit einiger Fantasie ist darin ein Kamel zu erkennen. Das hier vorhandene steinerne Exemplar des Wüstentieres ist wesentlich besser zu sehen als das bekanntere „Es Camell“, das östlich des Santuari de Lluc gelegen ist.


Die Piste führt dann zu einem geöffneten Tor, bei dem ein mehrsprachiges Schild (auch auf Deutsch) darauf hinweist, dass diese Wanderung nur an Sonntagen gemacht werden kann, weil es sich um „Privatgebiet“ handelt. Auch das Mitführen von Hunden ist untersagt. Es wird zudem darum gebeten, keinen Lärm zu machen und keinen Müll zu hinterlassen.


Der breite Wirtschaftsweg verläuft dann in Kurven abwärts. Dabei können die langen Geraden der Straße mehrmals auf teils gestuften Pfaden abgekürzt werden. Dabei ist immer wieder ein famoser Blick auf den Tausender Puig Roig und auf den Puig Caragoler de Femenia möglich. Nach rund einer Viertelstunde ist dann die Zufahrt zur Possessió Albarca erreicht, die links des Weges liegt.


Bei diesem Anwesen fällt ein hoher Wehrturm auf. Dieser wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet, nachdem der Gutshof mehrmals von Piraten überfallen worden war. Die folgenreichste Attacke ereignete sich 1569, als 300 Korsaren an der Cala de sa Calobra landeten und anschließend Albarca überfielen, den Lagerbestand plünderten, wertvolle Möbel und Schmuck raubten und 13 Bewohner verschleppten.


Weiter geht es auf der Asphaltpiste durch das traumhaft schön gelegene Tal Clot d’ Albarca. Auf den Feldern befinden sich eine große Feigenplantage und Oliven­haine mit fantastischen Exemplaren von uralten Ölbäumen. Blickt man Richtung Lluc zurück, ist der Berg Puig Caragoler des Guix mit seinen senkrecht abfallenden Felswänden und seiner Zinne Nas Dimoni besonders schön zu sehen.


Schließlich werden nach rund einer Viertelstunde die Anwesen Son Llobera, Ca’n Pontico und Ca’n Pep erreicht. Etwa 20 Meter nach dem letzten Gebäude überquert man auf einer Steinbrücke den Torrent de Lluc und biegt dann links ab. Ein breiter Wirtschaftsweg führt jetzt in ein Tal. Man passiert das schmucke Häuschen Ca l’ Escrivà, an dem sich eine Sonnenuhr befindet, und danach das Eingangstor des Anwesens Sa Plana.


Der Wanderer bleibt immer auf der Hauptpiste und gelangt schließlich nach rund zehn Minuten zu einem Steinschuppen. Hier sind heute noch die verheerenden Folgen des Tornados zu sehen, der Mitte September 2012 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern über das Kloster Lluc und die Gutshöfe im Clot d’ Albarca gezogen ist. Rechts von dem Schuppen standen einst stattliche Steineichen, die durch den Wirbelsturm entwurzelt worden sind. Heute befinden sich hier nur noch einige Holzstümpfe mit Wurzeln, die noch nicht abtransportiert wurden. Insgesamt hat der Tornado unzählige Steineichen und Kiefern vernichtet und sehr viele Ölbäume beschädigt.


Nachdem man von hier auf der linken Seite einen wunderschönen Ausblick auf die Tausender Puig de la Crianza d’ Alt, Puig d’en Galileu und Es Frontó de sa Mola genossen hat, wandert man auf dem breiten Flurweg weiter durch Olivenhaine. Dabei bleibt man immer auf dem Hauptweg. Auf der rechten Seite türmen sich bizarre Steilwände auf, die zu dem bis zu 960 Meter hohen Gebirgszug Tossa de Na Martina (das Gebiet der Martina) gehören.


Die breite Piste beginnt dann in einigen langen Kehren nicht allzu steil anzusteigen. Rund 45 Minuten nach der Steinhütte ist das Eingangstor von Es Cosconar erreicht. Hier befindet sich ein ebensolches Schild wie bei dem Tor beim Kloster Lluc. Zwei weitere Schilder weisen darauf hin, dass man sich nun auf einem Jagdgebiet befindet und das Mitführen von Hunden verboten ist.


Man passiert das Tor rechts über Stufen und gelangt nach einem 25-minütigen Aufstieg zur Possessió Es Cosconar, die –ebenso wie die Anwesen Albarca und Ca’n Pontico – der Bankiersfamilie March gehört. Sitzbänke laden hier zu einer Rast ein. Dabei ist die herrliche Sicht auf den Puig Major und das Hochtal Vall de Son Torrella auszukosten. Auch die Tausender Morro d’en Pelut und Puig de ses Vinyes sind zu erblicken. Imposant ist auch der Blick auf den Eingang der Schlucht Sa Fosca, in deren Nähe die Durchquerung des Canyons Torrent de Pareis beginnt.

 

Wegstrecke
13 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 3 Std. 40 Min.   


Höhenunterschied
150 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma:
Auf der Ma-1 bis Inca, dort auf der Ma-2130, Ma-10 und Ma-2140 bis zum Kloster Lluc.


Parkplatzgebühren:
6 Euro, Residenten: 2 Euro.


Tourencharakter:
Leichte Wanderung auf breiten Wegen. Für Kinder geeignet. Rückweg auf der Hinroute. Das Centre d’ interpretació befindet sich vor der Einfahrt des Parkplatzes von Lluc.

Eintritt: 2 Euro für Erwachsene, Kinder unter 12 Jahren gratis. Öffnungszeiten: 9 bis 16.30 Uhr (Infobüro), 9.30 bis 15.30 Uhr (Ausstellung).


Ausrüstung:
Leichte Wanderschuhe, Regenschutz, Wasser, Proviant.


Einkehr: Lokale im Santuari de Lluc.
 

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