Wandern

Tour in der Tramuntana: Vorbei an Olivenhainen und Steineichen

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Escorca - Mallorca

Eine Wanderung vom kleinen Örtchen Caimari zum Kloster Lluc
 

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung beginnt am Ortsausgang von Caimari. Zunächst sind am Rand der Land­straße Ma-2130 in Richtung Kloster Lluc etwa 500 Meter bis zu einer Aussichtsplattform zu gehen. Von dem Mirador sind gegenüber die Senke Comellar des Horts und hohe Felswände zu sehen. Bei den Wänden befindet sich die Cova Primera. In der Höhle wurden 1854 bei Ausgrabungen Menschenknochen und Werkzeuge entdeckt. Archäologen haben die Funde der prätalayotischen Epoche Mallorcas (2.200 bis 1.300 v. Chr.) zugeordnet.


Ebenfalls vom Mirador aus ist eine kleine Steinhütte zu sehen, die direkt an einen großen Felsen gebaut worden ist. Die Rota del Carter genannte Hütte gehört zu den über 200 Jahre alten Oliven­anbaugebieten von Caimari, den Rotes de Caimari. Oberhalb der Steinhütte befinden sich Terrassen­mauern mit Ölbäumen, die auf
engstem Raum an Steilhängen errichtet worden sind.


Weiter geht es von der Plattform dann geradeaus (Schild „GR 222, Lluc“). Der breite Langwanderweg GR 222 führt nun in ein Tal, das mit Öl- und Johannisbrotbäumen, Kiefern und Steineichen bewachsen ist. Links erhebt sich der über 570 Meter hohe Puig de n’ Escuder. Auch hier hat sich im Fels eine Höhle gebildet, die Cova dels Marges.

 

Bald darauf fällt rechts der Piste der etwa 15 Meter hohe Felsklotz Es Cavall Bernat auf.
Der Wanderer folgt dann bei Abzweigen den Pfostenpfeilen und gelangt rund 30 Minuten nach Tourstart bei Kilometerstein 9 wieder auf die Ma-2130. Hier befindet sich ein Gedenkstein für Antonio Herrero, der auf dem traditionsreichen Fußmarsch „Des Güell a Lluc“ am 8. August 1994 verstorben ist.


Weiter geht es auf einem gepflasterten Treppensteig (Schild „GR 222, Lluc“), der Costa Llarga, der lange Abhang, genannt wird. Der Steig wurde Anfang der 1990er Jahre von Auszubildenden der Steinmetzschule Mallorcas angelegt. Die Piste führt steil nach oben, später folgen auch noch einige Spitzkehren. Nach rund einer Viertelstunde ist dann das Anwesen Son Canta erreicht. Die Bergfinca wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut und zählt mit ihren terrassierten Olivenhainen ebenfalls zu den Rotes de Caimari.


Bei dem Eingangstor von Son Canta hat man einen tollen Blick auf den Tausender Puig de n’ Alí. Von dort führt links (Pfostenpfeil) eine Piste hinab zu einem großen Picknickplatz. Dort folgt man einem weiteren Pfostenfeil und gelangt alsbald zu einer kleinen Unter­führung, nach der links ein paar Meter zu einem Holztor und Zaun aufgestiegen wird.


Man übersteigt den Zaun auf einer Leiter (Schild „GR 222, Lluc“) und wandert auf einer breiten Piste weiter. Diese führt durch die Comellar de sa Coveta Negra – eine Talsenke – und einen dichten Steineichenwald nach oben. Der Wanderer stößt dann auf eine Felswand mit einer Marmortafel. Der Inschrift ist zu entnehmen, dass sich hier eine 18-Jährige im Mai 1990 aus Liebeskummer zu Tode gestürzt hat.


Der breite Wirtschaftsweg führt (Pfostenpfeil) nun immer steiler nach oben. Bei einer Kreuzung folgt man einem Pfostenpfeil, steigt in nun sehr steilen Serpentinen weiter auf und gelangt zu einem Sattel. Eine Leiter und ein Versteck aus Ästen und Zweigen weisen den Coll als Revier von Drosseljägern aus.


Von dem Sattel verläuft (Steinmännchen) die Piste jetzt abwärts bis zu einer Weggabelung. Die Gehzeit von Son Canta bis hier hat rund 35 Minuten betragen.
Ein Schild „GR 222, Lluc“ verweist nun links auf einen Pflasterweg. Auch dieser wurde von Auszubildenden der Steinmetzschule Mallorcas restauriert. Errichtet wurde die Piste aber schon vor knapp über 300 Jahren als Alternative zu dem weiter unten liegenden, damals nur sehr schwer zu überquerenden Paso del Grau. Über diesen Pass führt bei dem Felsdurchbruch Bretxa Nova die heutige Landstraße Ma-2130.


Die gepflasterte Piste führt nun stetig ansteigend nach rund einer Viertelstunde zu einem Mirador mit einer Sitzbank. Hier bietet sich eine famose Fernsicht auf die Bucht von Alcúdia, die Strände von Can Picafort und Son Serra de Marina sowie die Halbinsel Ferrutx mit ihren markanten Gipfeln. Im Osten ist der Gebirgszug Serra de Calicant und der Klosterberg Randa zu erkennen.


Von der Aussichtskanzel ist dann nach fünf Minuten der Felsdurchbruch Brexta Vella erreicht. Der Durchgang wurde 1708 aus dem Felsen gesprengt. Dabei verlor ein Arbeiter sein Leben. Ein auf Gestein geritztes Kreuz erinnert an das Unglück. Von hier sind unten die Ma-2130 und die Bretxa Nova sehr schön zu sehen. Rechts erhebt sich der Puig des Castellot mit seinen steilen Flanken.


Von der Brexta Vella führt die Piste unterhalb der Steilwände des Puig Caragoler des Guix in rund fünf Minuten zu den Cases des Guix. Die ehemalige Possessió ist seit vielen Jahren eine Bauruine. Ein hier geplantes Berghotel konnte aus Kostengründen nicht fertig gestellt werden.


Von den Cases des Guix wandert man dann auf einem Waldweg immer geradeaus weiter und gelangt nach rund zehn Minuten wieder zur Ma-2130 und kurz darauf zum Coll de sa Batalla, auf dem sich eine Tankstelle und ein Restaurant befinden. Vom Sattel geht man dann 30 Meter bis zur Landstraße Ma-10 und quert diese. Bei einem Schild „Lluc“ beginnt eine Fahrbahn, die in 25 Minuten zum Parkplatz des Klosters Lluc führt. Dabei kann der Wanderer immer wieder einen wunderschönen Blick auf die
Gipfel Puig Roig und Puig Caragoler de Femenia genießen.

 

Wegstrecke
8 km

Nettogehzeit
rund 2 Std. 20 Min.


Höhenunterschied
440 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 nach Inca, von dort auf der Ma-2130 nach Caimari. Parkplatz am Ortsausgang vorhanden. Rückfahrt vom Kloster Lluc mit dem Bus L 330 nach Caimari, täglich 17.30 Uhr. Die Bushaltestelle befindet sich am Haupteingang des Klosters.


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf Waldwegen und gepflasterten Pisten. Beim Parkplatz des Klosters befindet sich das Informationszentrum Centre d’ interpretació de la Serra de Tramuntana, dessen Besuch empfehlenswert ist. Öffnungszeiten: täglich von 9-16 Uhr (Info-Büro), 9-15.30    Uhr (Ausstellung). Eintritt für die Ausstellung: 2 Euro, Kinder unter 12 Jahren gratis.


Ausrüstung: Wanderstiefel, Regenschutz.


Einkehr: Bar und Restaurant Sa Font Coberta, Kloster Lluc


Öffnungszeiten: 9-21 Uhr, montags Ruhetag.

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