Wandern

Port d'Andratx einmal anders

17 Stimmen

Andratx - Mallorca

Eine Wanderung auf den Puig d’en Ric eröffnet neue Perspektiven auf Hafen, Urbanisationen und Landschaft

Die leichte Wanderung beginnt gegenüber der Einfahrt des Club de Vela, des Sporthafens von Port d‘Andratx, in der Avinguda de Gabriel Roca i Garcías. Hier zweigt rechts bei einem Restaurant die C/. Aldea Blanca ab. Die Fahrbahn führt dann leicht ansteigend nach 200 Metern zu einer Weggabelung, bei der links in die C/. Cala d‘Egos abgebogen wird. Dort befindet sich eine alte Tafel des Rathauses von Andratx mit der Wanderkarte „Pas Vermell (Port a s’Arracó)“.


Was der Wanderer an dieser Stelle nicht vorfindet – ebenso wenig wie weiter unten am Sporthafen –, ist ein Hinweis auf den Langwanderweg GR 221, der ja als „Ruta de Pedra en Sec“ auf seiner ersten Etappe von Port d‘Andratx nach Sant Elm verläuft. Nach diesen Hinweisen in Form von Schildern oder Postenpfeilen – mit denen der GR 221 üblicherweise ausgestattet ist – wird man im Verlauf der Wanderung vergeblich suchen.


Die C/. Cala d’ Egos knickt dann nach etwa 150 Metern auf Höhe der C/. del Ramat rechts (Beschilderung) ab und geht bald bei einer Steinhütte in einen Waldweg über. Hier befindet sich an einer Kiefer auch ein Schild ­„S’ Elm”. Die breite Forstpiste
führt dann durch einen lichten Kiefern­wald. Nach etwa 250 Metern fällt in einer Linkskehre rechts eine Steinpyramide auf, die auf einen steilen, breiteren Pfad verweist. Der Wanderer hat nun für den Aufstieg zum Coll des Vent zwei Möglichkeiten. Der Pfad rechts ist dabei nicht zu empfehlen, weil auf ihm und weiter oben auf anderen Pfaden besonders an Wochenenden Mountainbiker als Downhiller unterwegs sind. Diese stürzen sich mit so einer Affen-Geschwindigkeit die sehr steilen und sehr holprigen Pisten hinunter, dass sie kaum bremsen und auch kaum einem „Hindernis“ – Wanderern etwa – ausweichen können. Die ganz Sportlichen lassen sich und ihre Räder von einem Pick-up immer wieder nach oben kutschieren, um dann ihre Sturzfahrten mehrmals zu wiederholen.


Der Wanderer sollte also besser auf der breiten Fahrbahn weiter aufsteigen. Dabei kann er ab mittlerer Höhe einen imposanten Blick auf den an sich idyllisch gelegenen Hafen werfen, wobei dieser aber durch den abscheulichen Anblick der bebauten Halbinsel sa Mola und der wabenartig errichteten Urbanisationen auf den Bergen Mont Port und Puig de s‘Espart empfindlich gestört wird. Port d‘Andratx war von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein ganz wichtiger Hafen auf der Insel. So wurden von hier in den Jahren 1857 bis 1877 61.000 Tonnen Waren in Richtung des spanischen Festlands, Puerto Rico und Kuba verschifft. Dabei handelte es sich vor allem um Seifen- und Holzprodukte, aber auch um Oliven und Olivenöl. In Andratx existierten zu dieser Zeit 16 Seifen­fabriken – fünf davon direkt am Hafen – und viele Sägewerke.   


Die breite Fahrbahn führt dann teils steil und in einigen Spitzkehren zum Coll des Vent, die Gehzeit seit Tourstart hat rund 35 Minuten betragen. Auf dem Coll des Vent befinden sich zwei direkt nebeneinander liegende Kalköfen, was nach Kenntnis des Autors in den Gebirgen Mallorcas einzigartig ist. Die Kalkbrenner haben die Öfen in der Regel nur einzeln liegend errichtet. Auf dem „Sattel des Windes“ findet man auch ­eine Weggabelung vor. Links verläuft die Route hinab zur Cala d‘Egos, rechts der weitere Weg zum Puig d‘en Ric und nach Sant Elm.


Eine breite, holprige Piste führt nun (Steinpyramide) aufwärts. Bald sind links unten die Natur­bucht Cala d‘Egos und in der Ferne das Cap Llebeig der Insel Dragonera zu sehen. Mit bloßem Auge sind der Leuchtturm und der alte Wachturm auf der Südwestspitze der „Dracheninsel“ zu erkennen. Man ignoriert ein Steinmännchen, das links auf einen Pfad verweist, und gelangt auf der Hauptpiste zu einer langen Natursteinmauer und einer Villa.


Die breite Piste verläuft dann im leichten Auf und Ab oberhalb der Senke Comellar de Cala d‘Egos weiter. Die Bucht ist bald besonders schön zu sehen. Der Wanderer kann auf den Berghängen bei der Cala auch Terrassenmauern erkennen. Diese zeigen, dass die Gegend hier früher landwirtschaftlich genutzt worden ist.


Schließlich wird rund 30 Minuten nach dem Coll des Vent eine Gabelung erreicht, bei der links (roter Pfeil) abgebogen wird. Die Piste führt dann sogleich zu einem weiteren Scheideweg. Dort verläuft geradeaus die Route zum Pas Vermell und nach Sant Elm weiter. Rechts beginnt auf einem Weg der Aufstieg zum Puig d’en Ric, wobei nach einigen Metern Steinmännchen vorzufinden sind.


Die steinige Piste windet sich in einigen Kehren steil aufwärts. Bald kann man einen wunderschönen Blick auf die Halbinsel Andritxol, das Meer bei Santa Ponça mit den Malgrat-Inseln und den Küstenabschnitt bei der Cala Rafeubetx mit den kleinen Inseln Illa del Toro, Illa del Toretó und ses Bardines genießen. Auch das Cap Blanc und der Archipel Cabrera sind zu erkennen.


Schließlich führt die Piste an einem Strommast vorbei (Steinmännchen). Kurz darauf gelangt man auf einem Pfad (roter Klecks) auf den Bergrücken des 312 Meter hohen Puig d‘den Ric, die Gehzeit von dem Abzweig unten hat rund zehn Minuten betragen.


Von hier oben ist der Panoramablick großartig. Links ist Na Pòpia, der Hauptgipfel der Insel Dragonera, zu sehen. Von dort schweift der Blick über die Gipfel beim Kloster La Trapa zu den markanten Bergen sa Paret des Moro, Puig des Campàs und ­Puig des Voltor, die alle in der Nähe des Coll de sa Gramola liegen. Direkt gegenüber erheben sich die beiden höchsten Berge in dieser Region: die Mola de s’Esclop und der Puig de Galatzó.

 

Wegstrecke
9 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 2 Std. 15 Min.


Höhenunterschied
312 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-1 nach Port d‘Andratx. Gebührenfreie Parkplätze am ­Hafen vorhanden.


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf Asphalt, breiten Waldwegen und steinigen Pfaden. Für Kinder geeignet. Rückweg auf der Hinroute. Wer vielleicht im Herbst noch baden will, kann das an dem kleinen Strand Platja ses Bassetes direkt am Hafen tun.
Ausrüstung: Wanderstiefel, Kopfbedeckung, Wasser, ­Proviant, evtl. Badesachen.


Einkehr: Bars und Restaurants in Port d‘Andratx oder Andratx.

Fotogalerie

Karte