Wandern

Zur Ermita de Betlem mit Strandbesuch in Colònia de Sant Pere

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Alcúdia - Mallorca
Von Roland Otto Die leichte Wanderung beginnt vor den ersten Häusern der Siedlung Betlem bei Kilometerstein 7.5 der Landstraße Ma-3331. Dort verweisen zwei Schilder „GR  [..]

Von Roland Otto

Die leichte Wanderung beginnt vor den ersten Häusern der Siedlung Betlem bei Kilometerstein 7.5 der Landstraße Ma-3331. Dort verweisen zwei Schilder „GR  Cases de Betlem, Ermita de Betlem“ und „GR 222, s’ Alqueria Vella“ rechts auf eine breite Piste. Bei dem „GR 222“ handelt es sich um den Langwanderweg, der von Artà zum Kloster Lluc führt.

 

Allerdings sind die Abschnitte zwischen der Urbanisation Betlem und Santa Margalida und von dort nach Inca bisher über das Stadium der Planung nicht hinausgekommen. Der Wanderer findet bei Tourstart auch die Karte „Camina per Mallorca“ vor, auf der die Wanderwege in dieser Region dargestellt sind.

 

Los geht es also auf der breiten Piste. Nach wenigen Schritten umgeht man ein verschlossenes Tor auf einer Holztreppe. Hier befindet sich auch ein Schild, wonach das Mitführen von Hunden nicht gestattet ist. Rund fünf Minuten nach Beginn der Wanderung werden die Cases de Betlem erreicht. Bei den verlassenen Häusern und Stallungen des ehemaligen Gutshofes verweisen nach einem Mauerdurchlass die Schilder „Ermita de Betlem und s’ Alqueria Vella“ links auf eine breiteren Pfad. Die teils gestufte Piste führt leicht ansteigend nach oben. Auf mehreren Abschnitten steigt der Wanderer auch über glatt geschliffene Steinplatten auf. Dabei hat man einen herrlichen Blick auf Gipfel mit massiven Felswänden. Links ist der fast 500 Meter hohe Puig de sa Creu, dessen Kreuz im Gipfel­bereich mit bloßem Auge zu erkennen ist, rechts daneben der Puig d’en Vermell zu sehen.

 

Die Route verläuft dann auf einem ebenen Abschnitt in den Talkessel Comellar des Grau. Rechts unten ist in dem Torrent de s’ Aigua Dolça eine Staumauer zu sehen. Bei einem Pfostenpfeil steigt die mauergestützte und teils gepflasterte Piste in Kurven wieder an. Nach einer wiederum flachen Passage schraubt sich der steinige Pfad deutlich steiler in Kehren nach oben. Rechts sind Felswände mit spektakulären Überhängen und imposanten Tropfsteinhöhlen zu sehen.

 

Schließlich wird rund 20 ­Minuten nach den Cases de Betlem ein Mauerdurchlass erreicht. Es folgt sogleich eine zweite Mauerbresche, hinter der der Pfad geradeaus (roter Klecks) und zunächst eben weiter verläuft. Nach einem roten Punkt und einem Steinmännchen steigt die nun breitere Piste durch die Comellar des Grau in Kurven wieder an. Die Talsenke ist mit Schneidegras, Mastitx, Zwergpalmen und Kiefern bewachsen. Rund 15 Minuten nach der Mauerbresche gelangt man nach einer Linkskehre (Pfostenpfeil) zum Coll de l‘Ermita und danach in drei Minuten zur Font d‘es Ermita. Kurz vor der Quelle zweigt links die Route zur s‘Alqueria Vella und Albarca ab. Einem weiteren Schild ist zu entnehmen, dass nunmehr bis zur Ermita de Betlem noch fünf Minuten zu wandern sind.

 

Bei der Font d’es Ermita befindet sich eine Grotte mit einer weißen Madonnenfigur, die von der betenden Heiligen Santa Bernadetta Soubirous verehrt wird. Steinsitzbänke und ein großer Steintisch laden zu einer Rast unter hohen Platanen und Kiefern ein.

 

Weiter geht es von der Quelle bei einem überdachten Wasserspeicher auf einer breiten Piste. Rund fünf Minuten nach der Quelle ist dann das Eingangstor des Klosters erreicht. Von dort führt eine Allee mit Zypressen und Palmen zur Kirche der Ermita. Das Gotteshaus, das betreten werden kann, ist hell und freundlich. Die Kuppel steht auf vier hellgrauen Säulen. Hinter dem Altar ist eine aufwendig gestaltete Krippendarstellung zu bestaunen.

 

Wo die Ermita heute steht, hat sich einst ein Gutshof des maurischen Landguts Alqueria Binialgorfa befunden. Diese Alqueria erstreckte sich über weite Teile des heutigen Gemeindegebiets von Artà. Nach der christlichen Rückeroberung durch König Jaume I. im Jahr 1229 wurde das Gebiet weiter besiedelt. Noch im 15. Jahrhundert haben sich in diesem Gebiet über 30 Häuser befunden. Doch als sich im Jahr 1805 die ersten fünf Mönche vom Orden der Heiligen Paulus und Antonius hier niederließen, war der Gutshof von Binialgorfa verfallen. Die Eremiten restaurierten einige Gebäudereste und gründeten das Kloster. Die Ruinen waren im Besitz von Jaume Morei de Sant Marti, der den Mönchen zwei Hektar Land überlassen hat.

 

In der Ermita wohnt nur noch ein Pater, nachdem fünf frares aus Altersgründen in die Ermita de la Trinitat bei Valldemossa gezogen sind. Der rüstige Eremit ist u. a. für das Auf- und Zuschließen der Kirche und den Verkauf von Andenken in einem kleinen Kiosk zuständig.

 

Bevor man sich auf den Rückweg macht, lohnt sich noch ein Abstecher auf den Aussichtsberg Puig de sa Coassa, der sich über dem Kloster erhebt. Dazu begibt man sich hinter der Kirche zu einem grünen Tor. Jenseits der Pforte beginnt links ein steiler Trampelpfad, auf dem man in rund fünf Minuten (rote Punkte) auf den Bergrücken des Sa Coassa gelangt. Hier hat man rechts einen wunderschönen Blick auf die Talaia Freda de Morei, den Puig de sa Tudossa, die Talaia Moreia und das Meer bei der Bucht es Caló.

 

Links führt dann der Pfad nur noch leicht ansteigend in weiteren fünf Minuten zum Gipfel. Hier befinden sich eine Hausruine und ein kleiner Unterstand. Während des Spanischen Bürgerkriegs waren hier Militärs stationiert, die den Schiffs- und Flugverkehr in dem Gebiet überwacht haben.

 

Die Aussicht aus über 320 Meter Höhe ist fantastisch. Tief unten liegt das Meer mit den Stränden von Colònia de Sant Pere und Son Serra de Marina. Die Serra de Tramuntana ist vom Puig de Galatzó im Südwesten bis hin zum Cap Formentor zu überblicken. Nun kann sich der Wanderer schon einmal auf ein erfrischendes Bad an der Platja de Sant Pere nach erfolgtem Abstieg freuen. Er wird dann feststellen, dass der Strand aus ganz feinem, goldgelben Sand besteht und er aus einer ganz anderen Perspektive einen Blick auf die Serra d’ Artana werfen kann, durch die er gewandert ist.

 

Anfahrt von Palma:
Auf der Ma-15 bis Artà, dort auf der Ma-12 in Richtung Can Picafort und dann auf der Ma-3331 Richtung Colònia de Sant Pere und Urbanisation Betlem bis Kilometerstein 7,5. Hier befinden sich auch Parkmöglichkeiten. Zur Platja Sant Pere folgt man bei der Rückfahrt auf der Ma-3331 der Beschilderung.

Tourencharakter:
Leichte Wanderung auf steinigen, teils gestuften Pfaden und breiten Wegen.

Ausrüstung:
Wanderstiefel, Wasser, Sonnenschutz, Badesachen.
Einkehr: Lokale in Colònia de Sant Pere.
 

Fotogalerie

Karte