Wandern

Dragonera: Auf der Schmugglerinsel

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Andratx - Mallorca

Eine leichte Wanderung auf Dragonera zum Gipfel des Puig des Far Vell
 

Die leichte Wanderung beginnt hinter dem Centre d’ Informació bei der Anlagestelle der Insel in der Cala Es Lledó. Im Informa­tionszentrum erfährt der Besucher von der gigantischen Hotelanlage und dem Yachthafen mit 600 Liegeplätzen, die hier vor über 30 Jahren gebaut werden sollten. Nach jahrelangen Protesten der Bevölkerung, zwei in den Jahren 1977 und 1979 erfolgten Besetzungen der Insel durch Umweltschützer und gerichtlichen Klagen kaufte der Inselrat Mallorcas 1987 die Insel. 1995 wurde Dragonera zum Naturpark deklariert.

Die „Dracheninsel“ kann auf vier Routen erkundet werden. Dabei führt die schönste und eindrucksvollste Wanderung auf den über 350 Meter hohen Puig des Far Vell, auch Na Pòpia genannt. Gleich bei dem Infozentrum verweisen die Schilder „Far de Llebeig, Nr. 3“ und „Far Vell, Nr. 4“ nach links. Der Wanderer passiert zunächst das Haus Cas Garriguer und gelangt auf einer breiten Piste rund fünf Minuten nach Tourstart zu einem Abzweig, bei dem ein Schild „Far Vell, Nr. 4“ nach rechts verweist.

Der anschließende Karrenweg schlängelt sich dann in Kehren leicht ansteigend durch eine alte Kulturlandschaft mit Oliven-, ­Johannisbrot- und Feigenbäumen. Die langen Trockensteinmauern sind in einem sehr guten Zustand. An einer der Kurven wird das Steinhaus Es Tancat erreicht, bei dem sich eine Zisterne, Steinbänke und ein Tisch befinden. Zahlreiche Dragonera-Eidechsen huschen knapp vor den Füßen des Wanderers ins Gestrüpp. Die samtene Haut der schnellen Tierchen, die zu Tausenden auf der Insel zu finden sind, variiert zwischen Grün und Blau.

Weiter geht es auf dem Karrenweg in Serpentinen nicht allzu steil aufwärts. Rund 20 Minuten nach dem Abzweig mit der Tafel „Far Vell, Nr. 4“ werden das Schild „Mirador des Coll Roig“ und kurz darauf die mit einem Holzgeländer gesicherte Abbruchkante am Sattel Coll Roig erreicht. Hier bietet sich aus einer Höhe von rund 100 Metern zum ersten Mal ein imposanter Tiefblick auf das Meer. Ein Schaubild informiert zudem über die Flora auf Dragonera. Demnach wurden auf dem Eiland über 380 Pflanzenarten registriert. Fünf Prozent von ihnen sind endemisch. Ein weiterer Text auf dem Schaubild ist dem Eleonorenfalken gewidmet, der auf Dragonera brütet.

Die Route schraubt sich nun in Serpentinen und langen Geraden unterhalb der Ostwand des Puig des Far Vell mit einer nicht allzu steilen Steigung stetig nach oben. Dabei verengt sich der Camí dels Faroners, der Weg der Leuchturmwärter, auf einigen Abschnitten.

Wanderern, die den Na Pòpia schon in den vergangenen Jahren bestiegen haben, werden sich wundern, dass zur Zeit keine einzige Möwe zu sehen und somit auch kein ohrenbetäubendes Gekreische der Vögel zu vernehmen ist. Den Grund dafür hatte der Mitarbeiter des Infozentrums schon genannt: Nachdem der Müllberg der Müllverbrennungsanlage Son Reus abgetragen worden ist und der Abfall nicht mehr im Freien gelagert wird, sind vor zwei Monaten 4.000 Möwen verschiedener Arten mangels Nahrung von Dragonera nach Ibiza und Valencia geflogen. Erst im Februar sei während der Brutzeit eine Rückkehr der Vögel zu erwarten, wobei mit deutlich weniger als 4.000 zu rechnen wäre.

Beim Aufstieg, der im frühen Herbst schweißtreibend sein kann, sollte man immer wieder kurze Pausen einlegen und dabei die spektakuläre Aussicht genießen. Das Meer präsentiert sich mal in sanftem Smaragdgrün, dann wieder wirkt es wie ein tiefblauer Teppich. Tief unten liegen etwas abseits der Wanderroute Dragoneras Traumbuchten Cala en Begur und Cala Cucó.

Rund eine Stunde nach dem Coll Roig sind endlich die letzte Serpentine und kurz darauf die Gebäudereste der Leuchtturmanlage erreicht. Die Ruinen dürfen nicht betreten werden. Zugänglich ist jedoch eine Aussichtsplattform. Auf einer Schautafel sind hier die zu sehenden Berge, ­Orte, Inseln und Buchten dargestellt. Die spektakuläre Aussicht reicht über die Küstengebiete von ­Estellencs und Banyalbufar bis hin zur Marina de Sóller. Auch die Berge Mola de s’ Esclop, na Bauçana, Puig d’en Farineta und der Gebirgszug Serra de Garrafa sind zu erkennen. Bei absolut klarer Sicht ist sogar die Inselgruppe Cabrera auszumachen. Halb links sind das ehemalige Trappistenkloster La Trapa und die gewaltige Steilwand des Cap Fabioler zu sehen. Unterhalb von La Trapa befindet sich die Cala en Basset.

Dragonera und die Cala en Basset sind untrennbar mit dem Namen Juan Flexas Pujol (Andratx, 1891-1980) verbunden. Flexas war von 1941 bis 1974 der Besitzer von Dragonera und verkaufte die Insel an das Unternehmen, das die Hotelanlage und den Yachthafen errichten wollte. Flexas war jahrzehntelang aber auch der bedeutendste Schmuggler in der Gegend. Ihm wurde dadurch die zweifelhafte Ehre zuteil, in Anlehnung an Juan March, den größten Schmuggler im Mittelmeerraum, mit den Beinamen „En March d’ Andratx“ bedacht zu werden. Flexas war Besitzer mehrerer Bergfincas und von Sägewerken. Mit einer großen Flotte schmuggelte er von der Cala en Basset Tabak, Kaffee, Alkohol und Bauholz nach Valencia und Katalonien.

Links von der Aussichtsplattform sind es nur wenige Schritte bis zur Westseite der Insel Dragonera. Unterhalb des ehemaligen Leuchtturms, der 1852 eröffnet und vor mehr als 100 Jahren wieder verlassen wurde, erzeugt der Blick auf das 352 tiefer gelegene Meer ein atemberaubendes Entzücken. Von dieser Stelle können bei absolut klarer Sicht auch die Konturen von Ibiza ausgemacht werden.
 

Wegstrecke
9 km (hin und zurück)
Nettogehzeit
rund 3 Std.
Höhenunterschied
352 m
Schwierigkeitsgrad
**

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-1 nach Andratx und dort auf der Ma-1030 nach Sant Elm.

Abfahrt der Barkasse „Crucero Margarita“ zur Überfahrt nach Dragonera vom Bootsanleger von Sant Elm. Abfahrtszeiten (April bis September): Täglich: 10.15, 10.45, 11.15, Rückfahrt: 15.00, 15.50 Uhr. Vom 1. Oktober bis 31. März verkehrt die Barkasse sonntags nicht. Dies gilt auch für die Tage 15. November und 31. Januar. Hin und zurück, zehn Euro. Reservierung: Tel.: 639-61 75 45, 696-42 39 33.

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Wegen und steinigen Trampelpfaden. Der Aufstieg ist nicht allzu steil, verlangt bei sommerlichen Temperaturen und der Länge aber eine gute Kondition. Rückweg auf der Hinroute. Öffnungszeiten des Infozentrums: April bis September: 10.00 bis 17.00 Uhr, Oktober bis März: 10.00 bis 15.00 Uhr.

Ausrüstung: Wanderstiefel, Sonnenschutz, Badesachen. In der Cala Es Lledó gibt es einen kleinen Strand.

Einkehr: Bars in Sant Elm.

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