Sightseeing

Dorfcheck Randa: Wurzeln bis Buenos Aires

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Llucmajor - Mallorca

Der Ort in der Inselmitte hat seinen Charme von einst behalten. Da es viel Wasser gibt, sind die Gärten hier auch im Sommer grün

JUTTA CHRISTOPH

Verwunschener Blumengarten
Alles beginnt mit einem geheimnisvollen Garten, an dem vorbeifährt, wer durch Randa Richtung Palma muss. Dieses blühende Freiluft-Zimmer liegt hinter einem schmiedeeisernen Zaun und zieht das ganze Jahr über die Blicke auf sich. Besonders im Frühjahr und Sommer. Dann strecken violettrote Bauernrosen ihre Köpfe aus einem blau, weiß und rosa blühenden Blumenmeer. Bevor man alles richtig gesehen hat, muss man den Blick schnell wieder nach vorne richten, um nicht von der Straße Richtung Wassergraben abzukommen. Da man mitten im Dorf nicht anhalten kann, stellt man das Auto am besten auf dem großen Parkplatz ab und läuft zu Fuß zum Gärtchen zurück.


Samstagabend hat man gute Chancen, dort Coloma anzutreffen. Sie pflegt das kleine Paradies seit fast 50 Jahren. Angelegt wurde es 1908 von ihrem Onkel Jaime Segui Janer, der später als Kaplan nach Buenos Aires ging. Sein Haus gegenüber des Gartens, Can Batista, wird noch immer von der Familie bewohnt. Im Flur hängt ein Schwarz-Weiß-Foto, das den stattlichen Priester in seinem Garten in Buenos Aires zeigt. Auch dort wachsen die Trompetenblumen, die Coloma in ihrem Garten besonders ins Herz geschlossen hat. Sie blühen seit 1930 jeden Sommer und stammen ursprünglich aus Argentinien.


Kaninchen mit Zwiebeln
Schräg gegenüber des Gartenidylls befindet sich die zweite Institution des recht überschaubaren Dorfes am Fuße des Klosterbergs: der Celler von Randa (Carrer de la Iglesia, 24). Hier wird seit 1966 typisch mallorquinische Küche serviert, wie Kaninchen mit Zwiebeln, lomo con coll, Lammkoteletts und im Sommer auch der hausgemachte Gemüse­auflauf tumbet. Da Preise und Service seit Jahren stimmen, bekommt man am Sonntag ohne Reservierung kaum einen Platz. Dann fallen die Mallorquiner aus der Umgebung in der rustikalen Wirtsstube ein und essen ausgiebig zu Mittag (geöffnet 9 bis 24 Uhr, Mittwoch geschlossen, Sommerferien noch bis 18.7.).


Massage und Mandalas
Der Neuzugang im Dorf kommt aus Ibiza, massiert müde Radfahrer­wadeln wieder locker und malt in der Freizeit Mandalas. Eine schräge Mischung in dem beschaulichen Dorf, in dem rund 80 Menschen fest leben. Lourdes hat in ihrem Eckhaus eine Massagestube eingerichtet (Nacken und Schultern 10 Euro, Quiromassage 35 Euro), im Wohnzimmer malt sie die großen bunten Mandalas, die sie anschließend dekorativ vor der Tür ausstellt (Carrer de Sa Font, 1).


Tafeln über Randas Dächern
Wer den schattigen Weg zum alten Waschplatz einschlägt, läuft über altes buckliges Kopfsteinpflaster, auf dem man sich glatt den Fuß verknacksen kann. Wasser plätschert das ganze Jahr über durch Randa, das kostbare Nass läuft ober- und unterirdisch an Orangen- und Gemüsegärten entlang. Von der Restaurant-Terrasse im Es Reco de Randa hat man einen tollen Blick über das idyllische Dorf und Mallorcas Ebene bis zu den Bergen. Zu den Spezialitäten gehören Spanferkel aus dem Holzofen, Entenpastete mit gezuckertem Ziegenkäse und frito marinero. Ein Feinschmeckermenü gibt‘s für 38 Euro, wer danach nicht mehr heimfahren möchte, übernachtet in einem der 25 Zimmer des Vier-Sterne-Hotels (Carrer Font, 21, Übernachtung ab 70 Euro, www. esrecoderanda.com).


Mandelkuchen im Klostercafé
Auch von der fünf Kilometer langen Serpentinenstraße auf den Randa bieten sich immer wieder fantastische Ausblicke über die Insel. Der Heilige Berg Mallorcas hat seinen Namen von den drei Klöstern Santuari de Nostra Senyora de Gràcia, Ermita de Sant Honorat und Santuari de Nostra Senyora de Cura, die sich in verschiedenen Höhen auf dem Tafelberg befinden. Die ersten zwei halten für Besucher nur eine Kapelle geöffnet, im Kloster Cura kann man auch übernachten (ab 30 Euro/Person). Tagesgäste können dort eine Kapelle von 1710, ein Museum und den Klostergarten besuchen. Manch Wanderer erklimmt die 542 Meter Höhe auch nur wegen des Mandelkuchens im Klostercafé. Zu dem nach Zimt duftenden gató de almendra bestellt man klassisch den Likör Randa – gebrannt nach alten Mönchsrezepten.


Rund um den Randa reiten
Wer die pittoreske Gegend rund um den Randaberg auf dem Pferde­rücken erkunden möchte, macht Stopp auf dem Reiterhof von Toni Puig (C/. s‘Drassera de Randa, s/n). Der Mallorquiner bietet mehrstündige Ausritte auf seinen reinrassigen andalusischen Pferden an (1,5 Stunden 49 Euro). Der Halbtagesritt schließt auch ein Picknick mit ein
(4 Stunden 128 Euro, Rabatt für Residenten). Infos und Reservierung unter Tel.: 681-21 16 69.

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