Sightseeing

Dorfcheck Banyalbufar: Dem Meer aufs Dach steigen

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Banyalbufar - Mallorca

Banyalbufar lädt zu einem ziemlich schrägen Spaziergang: Das Dorf an Mallorcas Westküste ist in kunstvollen Terrassen angelegt

JUTTA CHRISTOPH

Stein für Stein beschützt
Früher hätte man als Fremder nicht einfach in den „kleinen Weinberg am Hang“ einfallen können, was Banyalbufar auf Arabisch bedeutet. Um sich im 16. Jahrhundert vor maurischen Piraten zu schützen, errichteten die Bewohner zwei Wehrtürme am Ein- und Ausgang des Ortes sowie einen Schutzturm im Dorf. „Wenn tagsüber plötzlich von einem der Wehrtürme Rauch aufstieg, oder nachts Feuer zu sehen war, waren die Bewohner alarmiert“, erzählt Xisco vom Hotel Baronia. Dann wurden Frauen und Kinder über eine Ziehbrücke auf dem Dorfturm in Sicherheit gebracht, die Männer flohen in die Berge. Heute gehört der Turm zum Hotel und kann über eine öffentliche Treppe besichtigt werden. Er steht im Patio „Clastra de sa Baronia“ mit einem Brunnen aus dem 17. Jahrhundert – ebenfalls sehenswert (Sa Baronia, 16).


Weinstöcke über dem Meer
Tatsächlich waren die fruchtbaren Terrassen lange ein großer Wein­garten – bis die Reblaus kam. Die kranken Weinstöcke wurden entfernt und stattdessen Tomaten angepflanzt (am 20.7. findet zu Ehren der Tomate das Fest „Eres negra“ in Banyalbufar statt). Heute werden auf den rund 2.000 Terrassenparzellen neben Gemüse wieder mehr und mehr Weinstöcke kultiviert. Die Kooperative Malvasia de ­Banyalbufar mit fünf Winzern baut zum Beispiel seit gut zehn Jahren ­Malvasia-Trauben auf 1,7 Hektar über dem Meer an. Und keltert 6.000 bis 8.000 Flaschen Weißwein pro Jahr, die Hälfte davon im Barrique-Fass gereift. Probieren und kaufen kann man den Cornet sowie einen Cuveé und Dessertwein in einer kleinen Bodega (C/. Compte Sallent, 5).


Über die Himmelsleiter hinauf
Wer auf der Hauptstraße einmal hin und wieder zurück läuft, verpasst das beste in Banyalbufar. An der Bushaltestelle führt ein Treppenweg steil nach oben: Über diese Himmelsleiter erklimmt man das obere Dorf. Und hat von dort einen tollen Ausblick über die Terrassen bis zum Meer. Mindestens genau so schön sind die Einblicke links und rechts vom Weg: in Zitrusgärten mit Schmetterlingskolonien, auf Pferde­koppeln mit Palmen und Zypressen, in Gemüsegärten zu denen über Wasserrinnen das kostbare Nass aus den Bergen geführt wird.


Schlummern mit Ausblick
Das Treppenlaufen funktioniert natürlich auch in die andere Richtung. Unterhalb der Hauptstraße gibt‘s Cafés, Restaurants und kleine Hotels zu entdecken. Etwa das Ca Madó Paula mit vier Zimmern, eingerichtet mit alten Möbeln im mallorquinischen Stil (C/. Constitució, 11, Übernachtung ab 99 Euro inkl. Frühstück). Cristobal eröffnete das Hotel im ehemaligen Wohnhaus seiner Urgroßeltern. In den 140 Jahre alten Mauern gab es früher kein einziges Fenster zur Meerseite, weil die Menschen Angst hatten vor dem Meer. Heute hat jedes Zimmer Panoramablick auf das glitzernde Blau, das sich sehr dekorativ von den grünen Terrassen abhebt.


Eine mandelsüße Erfindung
Der Ofen steht im Keller, die Bäckerei befindet sich darunter – im Erdgeschoss. „Die Bauweise in Banyal­bufar ist schon schräg“, sagt Margarita und kommt auf einer Hebebühne in den Verkaufsladen gefahren. Sie erklärt: Der Ofen steht im Keller eines Hauses, das eine Straße weiter oben steht. Von dort gibt‘s einen Durchbruch zum Laden. Gebacken wird täglich frisch, auch mit Bio-Dinkelmehl. Unbedingt probieren sollte man die Mandelplätzchen mit Orangen und Backobst, eine Erfindung von Tochter Maria (C/. Baronia, 1).


Kunstvolle Schiffchenarbeit
Auch wenn man mallorquinische Stickerei nicht mag, den Handarbeits­laden von Antònia muss man gesehen haben (C/. Compte Sallent). Die Mallorquinerin wurde in Ban­yalbufar im Elternhaus geboren. In ihrer kleinen Boutique findet man bestickte Tischdecken, Kissenhüllen und Beutel in großer Auswahl – es scheint, als habe Antonia ihr Leben lang mit Handarbeiten verbracht. Besonders kunstvoll ist ein Sonnenschirm
in Frivolité- oder Schiffchentechnik, ein stilvoller Begleiter auf Strand­spaziergängen (45 Euro).


Tafeln im Bistro
Gegenüber von Antonia spaziert man ins 1661 von Julia und Tobias Bürgel. Die Geschwister aus Frankfurt betreiben ihr Restaurant in einem ehemaligen Wohnhaus mit Stallungen von 1661. Julia studierte Tourismus auf der Insel und führt seit sieben Jahren ein Restaurant. Ihre Eltern stehen am Herd und kochen mit viel Leidenschaft und Produkten Mallorcas. Zum Beispiel mit Biofleisch der Finca Son Mayol oder Spargel mit Parmesanschaum und Feigeneis (C/. Baronia, 1-3).

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