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Dorfcheck Fornalutx: Dem Paradies schon so nah

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Fornalutx - Mallorca

Fornalutx gilt als eines der schönsten Dörfer der Insel. In der Tat findet man hier, was vor allem Nordeuropäer zum Schwärmen bringt

JUTTA CHRISTOPH

Ausblicke und Einblicke
Schon der Parkplatz in Fornalutx besticht mit Weitblick ins Tal von Sóller. Wer hier ankommt, will aber noch höher hinaus. Man nähert sich dem Dorf, das als eines der schönsten Mallorcas gilt und in Stufen den Berg hochwächst, am besten über einen kleinen Umweg: Vom Parkplatz führt ein schmaler Fußweg am Bergkamm entlang. Man passiert zwei Wasserbecken mit Gold­fischen, hält die Nase in üppige Orangengärten und kann sich satt sehen an grünen Terrassen und schroffen Bergen. Auf der Carrer d‘Alba unterhalb des Rathauses betritt man das Dorf auf untouristischen Wegen.


Landschaft und Tourismus
Bürgermeister Juan Alberti Sastre residiert in einem alten Herrenhaus mit einem Wehrturm aus dem 17. Jahrhundert. Die Ölmühle im Souterrain ist auch noch erhalten, aber nicht zu besichtigen. Macht nichts, denn auch der hübschen Patio ist ein Foto wert. Der Mallorquiner kommt eigentlich aus der Gastronomie, fünf Jahre arbeitete er mit Eckart Witzigmann im Res­taurant Ca‘s Puers in Sóller. Heute liegt ihm das rund 700 Einwohner zählende Dorf mehr am Herzen. Gerade ist eine neue mehrsprachige Broschüre über Fornalutx erschienen, mit Adressen aller Hotels, Restaurants und öffentlichen Wegen. Die nächste Veranstaltung ist schon in der Planung: Am 2.6. steigt die „Feria de la Naranja“, ein Orangenfest, auf dem Dorfplatz. Es gibt viel zu probieren, jede Hausfrau aus Fornalutx backt ihren Lieblingsorangenkuchen. „Wir müssen das schützen und pflegen, was wir haben“, sagt Sastre, „Landschaft und Tourismus.“


Alte Funde, junge Forscher
Sastre begleitet uns persönlich zum Museum Can Xoroi (C/. de Sa Font, 8, Fr und Sa 10.30 bis 18.30 Uhr), das im selben Gebäude untergebracht und nur zwei Tage die Woche geöffnet ist. Ausgestellt sind dort mit Symbolen bemalte Dachziegeln, hauptsächlich von Gebäuden aus Fornalutx. Die Ursprünge der Malerei reichen bis ins Mittel­alter zurück. Auf den Spuren dieser Kunst kann man einer Karte folgen, die im Museum ausliegt, und das Dorf zum zweiten Mal auf etwas andere Art kennenlernen. Neben den Ziegeln dürfen auch zwei junge Archäologen ihre Funde in zwei Vitrinen ausstellen. Jaume Deyà und Pablo Galera haben vor zwei Jahren in der Gegend des Stausees Gorg Blau zufällig Reste von Behausungen, Keramikscherben, eines Friedhofs und einer Moschee entdeckt. Die Überreste von Almallutx sind der wichtigste Fund aus arabischer Zeit auf Mallorca. Gelder gibt es für das Projekt trotzdem nicht. Und so müssen sich Deyà und Galera mit freiwilligen Helfern und Spenden durchschlagen. Im Museum Can Xoroi dürfen sie kostenlos einen Raum als Labor nutzen, wo sie Tonscherben, Erdproben und Knochenreste katalogisieren. Die beiden Jungforscher wünschen sich, noch mehr Urlauber für das Kulturerbe Mallorcas zu begeistern. Am liebsten würden sie das Museum um einen Shop und eine Bar erweitern – noch fehlt aber das Geld dazu.


Ein Ort zum Ja-Sagen
Sollten Sie demnächst heiraten wollen – in Fornalutx gibt es einen perfekten Ort dafür. Oberhalb des Hauptplatzes wacht die Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert über das Dorfgeschehen. Wer dem Gottesdienst nichts abgewinnt (So 9.30 Uhr), nimmt auf einer Steinbank gegenüber des Hauptportals Platz. Genießt den Ausblick und betrachtet das liebevoll angelegte Kirchengärtchen mit Palme, Gummi- und Orangenbaum. Es würde einen hübschen Hintergrund abgeben für Fotos von der Hochzeitsgesellschaft auf der breiten feierlichen Treppe. Bleibt nur die Frage, wie man die vielen unbekannten Zuschauer, die im Sommer jeden Tag Fornalutx besuchen, aus dem Bild raushält.


Willkommen im Paradies
Auch ohne Hochzeitsglocken fühlt man sich in Fornalutx wie im Paradies. Zum Beispiel im Hotel Ca‘n Reus (C/. Alba, 26). Zu dem hundert Jahre alten Stadthaus im Pariser Stil gehört eine mit Blumen umrankte Terrasse, am Pool eine Etage tiefer liegt man unter Orangenbäumen im Garten Eden von Fornalutx. Sollten die neun Zimmer ausgebucht sein – zwei Häuser weiter residiert man im Petit Hotel in einem ehemaligen Nonnenkloster (C/. Alba, 22). Hier besticht ein Überlaufpool, der sich geradewegs in den Zitrushain ergießt.


Herzlichkeit und Bergblick
Wer nur eine Stunde Zeit zum Träumen und Genießen hat, der möge das Restaurant Es Turó besuchen (Avda. Arbona Colom, 12, Do geschlossen, Tel.: 971-63 08 08). Auf der erhöhten Terrasse mit Bergblick sitzt man unter einem schattigen Blätterdach, aus dem unteren Garten recken sich vier Meter hohe Kakteen zum Gast empor. Papa Jacinto kümmert sich um die Pflanzenpracht, Mama Catalina kocht mallorquinische Küche auf leichte, gemüsereiche Art. Tochter Francisca empfängt jeden Besucher mit einem herzlichen Lächeln. Was sie heute empfiehlt: frito de marisco mit frischem Fenchelkraut (11 Euro) oder tumbet mit saisonalem Gemüse (9 Euro).
 

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