Sightseeing

Dorfcheck Porto Cristo: Durchwachsen wie guter Speck

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Manacor - Mallorca

In Porto Cristo hat das Hafen- und Touristenleben eine lange Tradition. Während einige Lokale mit der Zeit gehen, versprühen andere Ecken verstaubten Charme

JUTTA CHRISTOF

Statt Höhle besser Frittiertes
Die Höhlen von Porto Cristo sind zwar inselweit bekannt, doch heute lassen wir sie mal links liegen und fahren mit Vollgas an der Abzweigung vorbei und lieber gleich ins Dorf. Am zweiten Kreisel muss man dann aber doch auf die Bremse treten und am bunyols-Verkaufswagen von Mercedes halten. Die Mallorquinerin backt in ihrer winzigen mobilen Küche fettige Köstlichkeiten wie bunyols (eine Art Kartoffel-Krapfen, vier Stück 1 Euro), flores (Frittiertes in Blütenform) und churros. Den Teig rührt sie täglich frisch an, mit Mehl und Landeiern von glücklichen Hühnern, verfeinert ihn je nach Rezept mit Orangen- oder Zitronenzesten. Am Sonntag bleibt die große Wagenklappe geschlossen, dann findet man Merceds auf dem Markt an der Hafenpromenade von Porto Cristo.


Balkongezwitscher
Nicht jeder hat wie die Reporterin das Glück, eine Freundin im Dorf zu haben, die einem Kaffee und Küchlein auf ihrem Balkon mit Hafenblick serviert. Dazu hat sie Tipps parat, die hier natürlich verraten werden. Den frischesten Fisch vom Grill bekommt man zum Beispiel bei Mateo. Seine Fischbar Golondrinas liegt in einer kleinen unscheinbaren Seitenstraße (C./ d‘en Bordils, 12). Wer mittags kommt, hat die größte Auswahl. Noch leben sieben Fischer in Porto Cristo, die jeden Morgen mit ihren Booten rausfahren und um zehn Uhr ihren Fang am Hafen feilbieten. Daraus zaubert Mateo dann zum Beispiel eine köstliches triturado de pescado (6 Euro).


Porto Cristo unplugged
Ein Spaziergang entlang der Mole ist ein Muss. Hier zeigt sich Porto Cristo von seiner ungeschminkten Seite – Alt und Neu rückt eng zusammen: Herrschaftliche Häuser schauen auf gesichtslose Wohnblocks, modern eingerichtete Restaurants eröffnen neben verstaubten Bars mit ausgedienten Sitzmöbeln. Auf llauts mit Namen wie „Flor del mar“ erledigen die Besitzer in der Mittagssonne ein paar Reparatur­arbeiten. Neben den bunten Fischerbooten mit ihren Bojen, Netzen, Spulen und Rollen liegen Richtung Hafenausfahrt auch größere Kähne. Gerade eingelaufen ist eine sechs Meter lange Yacht mit Wochenend-Besuchern. In der Vorsaison macht man hier auch ohne Reservierung in der ersten Reihe fest. Wer sich für eine Ausfahrt auf einem Katamaran mit Glasboden interessiert: Die Boote legen hier jetzt wieder mehrmals täglich nach Cala Millor (hin und zurück 20 Euro) und Cala Ratjada (24 Euro) ab.


Kirch- und Kaffeeplatz
Über die mit Kiefern gesäumte Promenade kann man am Meer entlang und an schönen Häusern vorbei in rund 20 Minuten zur Hafeneinfahrt gehen – oder man nimmt die Abzweigung hoch zur neuromanischen Kirche. Sie ist der Schutz­herrin der Fischer und Seefahrer, Mare de Déu del Carme, geweiht.


Rund um die gleichnamige Plaça del Carme findet noch beschauliches Dorfleben statt, hier trifft man den Nachbarn beim Metzger oder in der Apotheke. Oder verabredet sich zum Frühstück bei Cati im La Magrana (Plaça del Carme, 15, dienstags geschlossen). In dem Café-­Bistro, das die Besitzerin mit viel Geschmack dekoriert hat, kann man auch gut Mittag essen. Es gibt Familienkost, liebevoll zubereitete Gerichte wie Gemüseauflauf oder Schmorhühnchen, zum Dessert frischen Kuchen. Zum Café gehört auch ein hübscher kleiner Garten.


Verführerische Pünktchen
Zeit für einen kleinen Einkaufsbummel! Der Wäscheladen Temptacions der Schwestern Marga und Maria Magdalena ist eine echte Versuchung (C/. dels Germans Pinzons, 13). Gerade neu hereingekommen ist die aktuelle Strand- und Bademode. Angesagt sind in dieser Saison gepunktete und gerüschte Bikinis im Côte d‘Azur-Chic. Dazu gibt‘s natürlich auch passende Kleider und pareos. Was die Auswahl angeht, ist man bei den Schwestern in besten Händen. Sie haben nicht nur den Blick für die richtige Größe, sondern zeigen auch verlockende Alternativen.


Von italienisch bis badisch
Mittags sitzt man schön mit Meerblick auf der Terrasse vom D‘il Porto und lässt sich hausgemachte Ravioli gefüllt mit Birnen in Gorgonzola-Sauce servieren (C/. Veri, 12, Tel.: 971-82 01 98). Die puristisch eingerichtete Trattoria hat zwar spanische Besitzer, die Küche ist aber unverwechselbar italienisch.


Abends führt der Weg dann ins Sa Sal (C/. de Tramuntana, 11, Tel.: 971-82 20 49). Das Restaurant von Mario Hekke und seiner Frau Tina liegt zwischen zwei Straßen und hat daher einen Eingang für den Sommer und einen weiteren für die kühlere Jahreszeit. In warmen Nächten sitzt man auf der mit Fackeln erleuchteten Terrasse, jetzt sind die Tische noch im Lokal gedeckt.


Das Restaurant des badischen Kochs versprüht französischen Bistro-Charakter: weiße Tischdecken zu Lederbänken, dekorative Fliesenböden zu gerahmten Fotos an den Wänden. Die kleine Karte mit fünf bis sechs Vor- und Hauptspeisen, darunter zum Beispiel Ravioli gefüllt mit Perlhuhn an Bärlauchschaum, wechselt alle drei Wochen. Das fünf­gängige Degustationsmenü gibt‘s auf Anfrage und kostet 35,90 Euro (ohne Getränke).

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