Sightseeing

Dorfcheck Cala Ratjada: Hochsaison für Genießer

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Capdepera - Mallorca

Der Ferienort im Nordosten schläft noch. Ein Glück für alle, die die ruhige Seite des Urlaubsortes entdecken möchten. Mit Spaziergängen, Besichtigungen und leckerem Essen

JUTTA CHRISTOPH

Keine falschen Vorstellungen
Wer in Cala Ratjada typisches Dorfleben sucht, ist an Mallorcas Nordostspitze falsch. Was sich für gewöhnlich rund um die ­plaça versammelt – Bars, kleine Geschäfte, Brunnen und Dorfbewohner – zieht sich in Cala Ratjada an der knapp ein Kilometer langen Strandpromenade entlang. Auf der Flaniermeile ist es mit der Beschaulichkeit im Sommer allerdings ziemlich schnell vorbei. In der Urlaubssaison reihen sich hier Restaurants an Cocktailbars an Souvenir- und Eisläden. Jetzt ist die Atmosphäre noch beschaulich und man hat die kleinen Sandbuchten für sich und sein Picknick allein. Beginnen sollte man seinen Besuch aber mit einem Ausflug zum Leuchtturm, der auf einem Felsvorsprung liegt. Denn vom far de Cap­depera von 1861 genießt man einen wunderbaren Rundblick über die Küste. Wer die ­schmale Asphaltstraße zur punta de Capdepera mit dem Leuchtfeuer hoch läuft statt fährt (ca. 20 Min.), riecht Kiefernnadeln und entdeckt schroffe Felsformationen.


Hafen sehen und schmecken
Cala Ratjadas Wohnzimmer ist der Hafen. Hier trifft man immer jemanden zum Schnacken und erfährt den neuesten Dorftratsch. Um 17 Uhr laufen die Fischerboote ein, ab April starten von hier auch wieder die Ausflugsboote nach Cala Millor und Porto Cristo. Den schönsten Blick auf die schaukelnden Boote hat man im Restaurant von Josefina und Mariano. In ihrem gastlichen Lokal sitzt man winters hinter großen Glasscheiben, sommers auf der Terrasse unter Bäumen. Auf der Karte vom Es Mollet (geöffnet 11-24 Uhr) stehen hausgemachte Tapas wie chorizo a la sidre (ab 5,50 Euro) und Meeres­spezialitäten, die das Paar aus Asturien gleich nebenan auf dem Fischmarkt kauft.


Abseits der Promenade
Promenade, Leuchtturm, Hafen – jetzt hat man Cala Ratjada gesehen ... möchte man meinen. Pilar und Yolanda aus dem Touristeninformationsbüro (C/. de l‘Agulla, 50) belehren Besucher eines Besseren – übrigens in perfektem Deutsch. Im Centre Cap Vermell, in dem das Büro untergebracht ist, finden monatlich wechselnde Ausstellungen statt. Vom 28. bis 31.3. kann man in der zweiten Etage kunstvolle Ostereier von William Tétard bestaunen. Überhaupt ist zu Ostern einiges los in Cala Ratjada. Auf dem Programm stehen geführte Wanderungen (Reservierung Tel.: 971-81 94 67), Konzerte und Prozessionen (28., 29. und 31.3.). Auch die Gärten Can March, die der britische Garten­architekt Russell Page anlegte, sind wieder geöffnet (Führungen Mi und Sa 11 und 12.30 Uhr, Fr. 11 Uhr, Anmeldung: Tel.: 971-81 94 67). Wer sich für die Kirche von Cala Ratjada interessiert: Sie ist Dienstag und Mittwoch geöffnet. Der Wochenmarkt mit Obst, Gemüse und Kunsthandwerk findet jeden Samstag auf der Plaça de los Pinos statt.


Blick zurück und in die Ferne
Vor der Galerie Frank Krüger (Paseo Colon, 13) zieht ein Bild Passanten magisch an. Nein, es ist nicht das Porträt von Michael Douglas, sondern ein Motiv von der Fifth Avenue in New York mit ihrem Chaos an Autos, Hochhäusern und Reklameschildern. Mitten auf der Fahrbahn steht ein Stierkämpfer, schwingt sein rotes Tuch und bringt den mehrspurigen Verkehr zum Stehen. Wenn man länger auf das Werk „Torero en N.Y.C.“ blickt, erkennt man jedes Detail, etwa die Nummernschilder der Autos mit der Stadtsilhouette New Yorks auf der einen und den Niagarafällen auf der anderen Seite. Für solch ein Bild steht der gebürtige Berliner stundenlang im Atelier, Frank Krüger arbeitet gerade an einem ähnlichen Motiv und rechnet dafür 2.500 fast unbezahlbare Stunden ein. Kunstdrucke aller Werke, darunter auch Stiere, Weinregale und Innenhöfe Mallorcas, gibt‘s schon ab 25 Euro (16 x 22 cm). Der Künstler lebt seit 20 Jahren auf der Insel, Cala Ratjada kennt er aber schon seit den 70ern. Damals besuchte er das noch verschlafene Dorf  mit seiner Oma und spazierte jeden Tag an seiner heutigen Galerie vorbei zum Angeln. Das Haus, in dem er jetzt arbeitet, war schon damals eine kleine Berühmtheit: In den 60er Jahren ein kleines Hotel, beherbergte es Gäste wie Gina Lollobrigida und Sean Connery, die für Filmaufnahmen hier abstiegen.


Übernachten mit Stil und Meer
Heute residiert man etwa im The Sea Club am ruhigeren Teil der Promenade – und wer will mit Meerblick. Das Haus ist seit über 50 Jahren im Besitz der britischen Familie Cumberlege. Luis Cumberlege und seine Frau haben das Heim im Hacienda-ähnlichem Stil 1995 in ein feines Hotel verwandelt. Die 16 Zimmer und Studios (ab 70 Euro/Nacht) gruppieren sich um einen blumenbewachsenen Patio mit Pool. Jedes Zimmer ist anders und liebevoll eingerichtet, morgens wird ein Frühstück auf der Terrasse serviert. Wiedereröffnet ab dem 22. März, ist jetzt die beste Zeit für ein verträumtes Wochenende mit Meeresrauschen.

 www.theseaclub.es

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