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Dorfcheck Marratxí: Wo bitte liegt das?

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Marratxí - Mallorca

Ein Zentrum sucht man in der Gemeinde vergeblich, dafür lockt das Nicht-Dorf mit vielen kleinen „Brennpunkten“

JUTTA CHRISTOPH

Zerstreuung gefällig
Marratxí gehört zwar zu den größeren Gemeinden Mallorcas, einen Hauptort Marratxí sucht man allerdings vergeblich. Stattdessen gibt es mehrere Siedlungen wie Sa Cabaneta, Pòrtol, Pont d’Inca, Pla de na Tesa und Marratxinet. Wer Marratxí erkunden möchte, kommt also am besten mit dem Fahrrad. Oder muss immer mal wieder sein Auto umparken. Der Dorf-Check startet an der Kirche Sant Marçal in Sa Cabaneta. Von hier geht‘s zum Ton-­Museum Museu del Fang, in dem man eine Broschüre bekommt, in der alle Töpfereien verzeichnet sind. Mit diesem Plan bewegt man sich anschließend durch die Ton-Hochburg Pòrtol und macht noch zwei kleine Abstecher in die Umgebung, zum Kloster und Bienenstock.


Brummiger Kirchenhirte
Zur Kirche gehört ein Pfarrhaus, in dem man sich auf der Stelle zu wohnen wünscht. Seitlich zum ­Gotteshaus gelegen, besitzt es einen eigenen Eingang mit großem schmiedeeisernen Tor, einen bewachsenen Innenhof und eine mediterran verwilderte Fassade. Wenn ein Auto vor dem Tor steht, ist Antoni Garau zu Hause. Der Pfarrer öffnet zwar willig die Kirchentore, Auskunft zu seinem Arbeitsplatz gibt er aber nur auf energische Nachfrage. Die Kirche, 1714 erbaut, war früher das einzige Gotteshaus der Gemeinde und wurde dementsprechend großzügig geplant. Samstag und Sonntag ist sie für Besucher geöffnet.


Zauberhafter Museumswärter
Herzlich empfangen wird man dafür im Museu del Fang oberhalb der Kirche (lilafarbige Schilder weisen den Weg). Die ehemalige Mühle, in der mal ein Maler lebte, der das Anwesen der Gemeinde vermachte, hütet jetzt Jaime. Er führt Besucher (Eintritt frei) durch drei Museumsräume und erklärt alles, was man wissen möchte. Zum Beispiel den Unterschied zwischen der roten und weißen Tonerde von Marratxí. Rote Erde ist sehr eisenhaltig und hitzebeständig. Weiße Erde enthält kein Eisen, dafür viel Kalzium. Gefäße aus hellem Ton eignen sich daher nicht zum Kochen und Backen, absorbieren aber gut Hitze und werden deshalb als Wasserkrüge und Tiertränken genutzt. Die verschiedenen Gefäßformen für die bunten Ansprüche des Alltags kann man auch auf der Fira del Fang bestaunen, vom 9.-16.3. in Sa Cabaneta.  


Das Spieler-Café
Wer eine siurelleria besichtigen möchte, also eine Werkstatt, in der die typischen Pfeifen-Figürchen gemacht werden, besucht die ­Siurelleria Ca Madò Bet schräg gegenüber des Museums. Danach bietet sich noch ein Stopp im Café Sa Nou an der Hauptstraße an, bevor man weiterfährt zu den Töpfereien in Portòl. Auf der Terrasse sitzt man geschützt unter einem Efeudach, drinnen heizt ein alter Mandel­schalenofen den Saal ein. Zwischen Kaffeehaustischen stehen ein Billard­tisch und mehrere Spieltische für Canasta & Co. Gespielt wird mittags und abends nach dem Essen, mitmachen darf, wer Lust hat.


Filmreife Kulisse
Margalida Serra arbeitet in fünfter Generation an der Töpferscheibe in der Ollería Sa Roca Llisa in der gleichnamigen Straße. Freilich wurde seit Gründung des Geschäfts vor 100 Jahren so einiges ausgewechselt. Zu sehen ist der alte gemauerte Töpfer­ofen aber noch immer, überhaupt ließe sich in der Werkstatt wunderbar ein Film drehen, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts spielt. Auf Boden, Wänden, Regalen und Maschinen liegt feiner roter Staub, wahrscheinlich aus der Zeit, als die Tonerde hier noch mit Füßen fein getreten wurde. Heute wird Ton aus Marratxí nur noch für die klassische greixonera verarbeitet, für moderne Schüsseln und Gefäße wird Ton aus Valencia dazugekauft. (Laden geöffnet Mo-Sa, Tel.: 971-60 24 97).


Franziskaner-Versteck
Das hübsche Dorf Marratxinet (ausgeschildert ab der Kirche) hat nicht mal 50 Einwohner. Dafür ein altes Kloster mit Kapelle. Okay, wenn man sich jetzt noch einmal entscheiden dürfte – man würde auf der Stelle ins Kloster statt ins Pfarrhaus
einziehen. In dem verwunschenen Anwesen mit Terrassen, Blumen- und Gemüsegarten darf man tatsächlich residieren, zumindest probe­halber. Zusammen mit den Franziskanernonnen Margarita, Maria und Francisca, die Gruppen bis 30 Personen unter ihrem Dach aufnehmen und für sie kochen (Infos unter Tel.: 971-62 01 17).


Bienenwunderland
Ein Schild an der Straße Richtung Santa Maria del Camí macht neugierig: Honey house S’Avenc (MA-3010, Km 2,5). Dort wohnt der Imker Josep Mates mit rund 200 Bienen, die jetzt für Mandelblüten­honig ausschwärmen. Zu besichtigen gibt‘s im Garten aber noch mehr, zum Beispiel 800 Jahre alte Bienen­häuser aus Ton sowie einen 24 Meter tiefen Brunnen, der laut Josep früher Pòrtols Tierfriedhof war. Da wendet man sich lieber wieder den Bienen zu und probiert die neueste Ernte: Erdbeerhonigcreme. Honig aus Erdbeerblüten, der vier Tage lang in einer Maschine gerührt wird, bis er seine cremige Konsistenz erhält (240g kosten 6 Euro).
 

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