Sightseeing

Dorfcheck Galilea: Weit weg vom Alltag

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Banyalbufar - Mallorca

Im Tramuntana-Dorf Galilea strahlt im Februar vieles um die Wette: Sonne, Mandelbäume und die Menschen, die hier leben

JUTTA CHRISTOPH

Logieren wie ein König
Mit einem Lächeln und gutem Geschmack haben Daniela Hellmann und Martin Frank das Scott’s Galilea im vergangenen Frühjahr wieder zu Leben erweckt. Dass man sich im Scott’s in jedem der zehn Apartments (ab 75 Euro pro Nacht) erhaben fühlt wie ein König, dafür sorgt schon der Panoramablick bis Peguera. Die Zimmer haben eine eigene Terrasse – und keinen Fernseher. Den gibt’s nur auf Anfrage, so die gebürtigen Rostocker, beide Anfang 30 und leidenschaftliche Gastgeber. Ihre Gäste kommen hierher, um abzuschalten, wandern zu gehen und lecker zu essen. In dem kleinen gemütlichen Restaurant mit Kamin wird Frühstück und abends ein Menü serviert. Die Anlage mit Pool und Sauna, die sich über drei Terrassen zieht, baute der russische Architekt Pedro Otzoup Ende der 50er Jahre, ursprünglich als Teil einer Künstlerkolonie (www.scottsgalilea.com).


Mühlen-Kultur
Oberhalb des Scott’s, am höchsten Punkt des Dorfes, steht die Windmühle Molí d‘en Martí mit einem separaten Wohnhaus, beides in Privat­besitz. Bis 1920 wurde hier Korn zu Mehl gemahlen, doch im Zuge der Industrialisierung mussten viele Mühlenbauer ihr Handwerk aufgeben. Die Mühlen verfielen, wie auch Molí de can Soler in der Carrer de sa Mola Gran in Galilea. Doch Molí d‘en Martí hatte Glück, ihre heutige Besitzerin, eine gebürtige Hamburgerin, steckte Geld in die Ruine, baute den Turm vor sechs Jahren wieder auf und ließ die 15 Meter Durchmesser großen Flügel mit einem Hubschrauber einfliegen und montieren. Vom Vorplatz der Mühle schaut man bis zum Berg Randa, bei klarem Wetter bis Ibiza.


Am Puls der Zeit
Galileas Herz schlägt auf dem Kirchplatz, wer es hören möchte, setzt sich auf die Terrasse der Bar Parroquial, bestellt einen Kaffee, schließt die Augen und wartet. Ja richtig, man hört kaum etwas, so leise und entspannt geht die Dorfpumpe. Man bleibt sitzen, genießt diese unaufgeregte Welt noch ein bisschen, bis die Kirchuhr Mittag schlägt. Zeit, eine kleine gemischte tapa bei Mercedes zu bestellen: Bohnen, Fleischbällchen in roter Soße, eingelegte Pilze (5 Euro). Die studierte Geografin, die mit ihrem Mann Andres die Bar betreibt, schrieb ihre Diplomarbeit über Mallorcas Schneehäuser, in denen früher Eis gelagert und hergestellt wurde. Auch in Galilea gab es eine casa de neu, erbaut Ende 1900. Bis 1917 in Betrieb, war es das einzige Schneehaus Mallorcas, das sich nicht in der Wildnis der Tramuntana, sondern in einem Dorf befand. In der Carrer de sa Mola Gran sind heute leider nur noch die Wände des ehemaligen Eiskellers zu sehen.


Still sitzen für die Jungfrau
Der Seiteneingang zur Kirche sieht aus wie die Tür zu eine Wohnhaus, und so vermutet man hinter der gelben Glastür mit der Nummer 2 eher eine mallorquinische Diele als ein Gotteshaus. Erbaut ab 1806, wurde vier Jahre später die erste Messe in Galilea gefeiert und erst 140 Jahre später die Altarfigur der Jungfrau Maria eingeweiht. Ein Handwerker aus Galilea soll Gesicht, Hände und Füße der Figur geschnitzt haben, Modell saß ein Mädchen aus dem Dorf. Die Seitenkapellen sind kleine hölzerne Altäre mit Bildern verschiedener Heiliger wie Sant Antoni, Sant Sebastià und Mare de Déu del Carme. Die farbige Rosette auf der Rückseite der Kirche ist schon ein wenig verblasst, sie stellt aber eine Margeritenblüte dar.


Fremdenführer auf vier Pfoten
Am Ende des Kirchplatzes führt eine kleine Treppe eine Dorfetage tiefer, wo uns freudig wedelnd Micky begrüßt. Der Golden-Retriever-Rüde macht für uns den Fremdenführer, seine Herrin übersetzt das Hecheln in Menschensprache. Die Schwedin lebt mit ihrem Hund seit vielen Jahren im Dorf und liebt ihr Paradies wie am ersten Tag. Sie glaubt, dass in Galilea nichts Schlechtes passieren kann, weil alle es vorher sehen und verhindern würden. Wir laufen zusammen zur Fuente Es Pou de Rafal aus dem 18. Jahrhundert in der Carrer d‘es Rafal. Ob der Schöpfeimer heute noch herabgelassen wird, weiß man nicht so genau – jedenfalls ist die Brunnenöffnung mit einem Gitter gesichert. Anschließend zeigt uns Micky seinen Geheimweg zurück zur Straße. Wir folgen dem Vierbeiner einen Grasweg entlang, der an Gärten mit blühenden Mandel­bäumen vorbei führt.


Pizza, Pasta, Paella
Auch Dirk Reifferscheidt denkt nicht daran, Galilea zu verlassen. Der gebürtige Kölner lebt seit 25 Jahren in dem Bergdorf, das auch im Winter ganztags Sonne abbekommt, da es nach Süden ausgerichtet ist. Die Berge im Rücken schützen Galilea vor den kalten Mistral-Winden und vor Wolken, das macht das Klima auch im Februar so mild. Seit 2005 betreibt der Deutsche die Trattoria Galilea mit seiner Frau und verwöhnt Gäste mit einer großen Sonnenterrasse und italienischen Teigwaren, ab März auch mit Paella (täglich geöffnet ab 12 Uhr). Ihr Maskottchen Leila sieht aus wie Micky in schwarz und ist mindestens ebenso verschmust.

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