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Palmas verrückteste Stadtführung

Die Tour im roten Bus war gestern. Heute zieht man mit einem bärtigen Spanier durch die Straßen und hört sich irrwitzige Geschichten von Sodasiphons an
11-11-2019 00:00
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Macht was aus seinen mehr als 500 Flaschen: Juan Carlos Montoro. Foto: Petzold

Macht was aus seinen mehr als 500 Flaschen: Juan Carlos Montoro. Foto: Petzold

Offiziell ist Juan Carlos Montoro der Betreiber der Bar Sifoneria. Das würde der bärtige Spanier so wohl aber nicht zugeben. Denn insgeheim leiten die Siphonflaschen den Laden. „Das sind lustige alte Rentner, die gern ihre ­Geschichte erzählen", sagt Montoro. Im Dezember bringen die Flaschen ihr erstes Buch „Yo, sifón" heraus. Bereits zuvor sind die Soda­spender in Aktion zu erleben. Juan Carlos Montoro, oder besser gesagt der Angestellte der Siphonflaschen, veranstaltet jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat kleine Stadtführungen durch Palma, Sifotours genannt.

Die Sifoneria in der Avinguda Joan Miró, 73, ist eine der eigenwilligeren Lokalitäten in Palma. Statt aus einer Mauer besteht die Fassade zur Straße hin aus aufgestapelten Getränkekisten. Kaum hat man die Bar betreten, wirft einem Montoro schon eine Tüte Chips entgegen. Umtriebig wuselt er in dem überraschend weitläufigen Lokal umher. Auf der großen Außenterrasse läuft gerade eine Geburtstagsfeier mit 30 Leuten. Montoro ist der einzige Angestellte der Siphonflaschen. Da kommt es gelegen, dass Selbstbedienung herrscht.

Die Sifoneria unterhalb des El-Terreno-Viertels ist eine Abspaltung der einst gemeinsam mit der Deutschen Uta Gritschke betriebenen Sifoneria in Palmas Altstadt unweit der Kathedrale. Montoro zog vor vier Jahren in die Avinguda Joan Miró. Damals wie heute standen immer die sifones im Mittelpunkt. Die altmodischen Druckflaschen waren aus der Mode gekommen, erleben als Sodaspender für den Wermut-Aperitif aber ein Revival und sind geschätzte Sammlerstücke. Wie viele genau die Wände der Bar zieren, kann Montoro nur schätzen. „Um die 500 bestimmt."„Auf Mallorca gab es einst über 100 Fabriken, die Sodawasser abfüllten, heute ist davon nur noch La Paduana in Petra übrig", sagt Juan ­Carlos Montoro. Um die Geschichte der Flaschen in Ehren zu halten, gibt es das Buch und die szenischen Führungen. „Die sifones erzählen Anekdoten aus den 60ern und über Gebäude, Bars und Diskotheken. Das geht natürlich am besten, wenn man vor dem jeweiligen ­Gebäude steht."

19 Euro kostet eine Sifotour pro Person. Dafür gibt es von 19.30 bis 22 Uhr Flatrate-Trinken, Pizza und Nachtisch in der Sifoneria. Es folgen Theaterstücke der Flaschen, in die das Publikum miteinbezogen wird. Danach geht es bis 23.30 Uhr auf die Straße. In der nächsten Sifotour am Mittwoch (20.11.) geht es nach Gomila. Im Dezember sind Santa Catalina und erneut Gomila dran.

Wer mittwochs nicht kann, bekommt bei einer Veranstaltung ab zehn Personen in der Sifoneria eine Sifotour gratis. Die Bar ist jedoch nur freitags und samstags ab 21.30 Uhr geöffnet. Schließlich brauchen die Flaschen auch noch Zeit, um das Buch zu beenden.

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