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Tauchen Sie mit uns ein in die Unterwasserwelt vor Cabrera

Der erweiterte Nationalpark ist nun das größte Meeresschutz­gebiet im westlichen Mittelmeer. Zu Gast im Besucherzentrum in Colònia de Sant Jordi
20-03-2019 17:11
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Seit dem 1. Februar 2019 kann Mallorca auch offiziell mit dem größten Meeresschutzgebiet im westlichen Mittelmeer aufwarten. Der Ministerrat in Madrid hat die Fläche des Nationalparks Cabrera auf nun 90.794 Hektar verneunfacht. Der allergrößte Teil davon befindet sich allerdings unter Wasser – einen Eindruck vom Reichtum dieser Ökosysteme kann man sich lediglich in einem Besucherzentrum in Colònia de Sant Jordi sowie bei einer geführten Bootstour verschaffen.

Das Centro de Visitantes Parque Nacional de Cabrera sticht mit seinem kreisrunden Gebäude aus Naturstein deutlich aus dem Ortsbild des Ferienortes heraus. Es handelt sich um die architektonische Nachbildung eines Talaiots, wie die Turmbauten aus der Vorgeschichte der Balearen heißen. Schon beim Betreten des Zentrums fühlt man sich in eine andere Welt versetzt – es geht leicht bergab durch einen felsverkleideten Gang, der zur Anmeldung in einem höhlenartigen Raum führt.

Von hier aus kann der Besucher die Tour durch das Zentrum auf eigene Faust starten. Der Eintritt kostet 8 Euro, für Kinder und Studierende sind es 4 Euro. Wer will, kann sich noch für einen Aufpreis von 3 Euro mit einem Audioguide ausstatten. Dieser beinhaltet 50 Audiospuren, beginnend mit Erklärungen zu den Aquarien. Der größte Teil des Audioguides dreht sich allerdings um das großflächige Wandgemälde von Miguel Mansanet, das sich über mehrere Stockwerke im Innern des Turms erstreckt.

Den Audioguide gibt es in sechs verschiedenen Sprachen: Deutsch, Spanisch, Katalanisch, Englisch, Französisch und Russisch. „Von den rund 25.000 bis 30.000 Besuchern pro Jahr kommen 35 Prozent aus Spanien und 65 Prozent aus dem Ausland. Davon sind ein Großteil Deutsche", sagt der Direktor des Besucherzentrums, Carlos Andray.

Abtauchen
Der Besuch beginnt in der Unterwasserwelt. „Wir haben hier in unseren Becken etwa 200 Arten aus der Flora und Fauna des Mittelmeers", sagt Carlos Andray. Schon ist die Tür zu, und wir befinden uns in einem verdunkelten, bläulich schimmernden Raum vor einem großen Aquarium mit zahlreichen Fischen und Gewächsen. Es soll eine Nachbildung der Bucht von Cabrera, der Hauptinsel des Archipels, darstellen. Der mit Felsen verkleidete Gang führt dann zum nächsten Aquarium. Hier sind unter anderem kleine Haie und Rochen zu sehen. An vielen, leider nicht allen der insgesamt 18 Becken hängt ein Zettel, der die jeweiligen Arten samt Bild und Namen in verschiedenen Sprachen zeigt, auch auf Deutsch.

Ein weiteres Aquarium beherbergt eine Posidonia-Wiese. Das Neptungras beherbergt eines der insgesamt zwölf Ökosysteme, die durch die Erweiterung des Nationalparks nun unter Schutz gestellt sind. Das Gewächs ist Lebensraum und Zufluchtsort für viele Arten von Jungtieren wie Mönchsfischen oder Meerjunkern, die wir durch das Wasser flitzen sehen. „Zwar kann man im Park bei geführten Touren schnorcheln, aber da gibt es keine Garantie, so viele Fische zu sehen", sagt Carlos Andray. „Besonders Kinder kommen bei uns auf ihre Kosten."

An anderer Stelle in der Unterwasserwelt gibt es Informationen über die frühere Bedeutung Cabreras. Das Archipel war lange ein sicherer Zufluchtsort für Handelsschiffe, aber auch ein Gefangenen­lager für Soldaten des napoleonischen Heers Anfang des 19. Jahrhunderts.

Auftauchen
Nach den Aquarien führt der Rundgang wieder ans Tageslicht – es geht den Innenkegel des Talaiots hinauf, bis man sich ganz oben auf der Aussichtsplattform des Gebäudes befindet. Hier hat man bei gutem Wetter einen herrlichen Ausblick über Colònia de Sant Jordi, das Meer und das neun Seemeilen (etwa 17 Kilometer) entfernte Archipel. Auf der Plattform steht auch ein Fernrohr, das für einen Euro Cabrera noch ein wenig näher bringt. Auch der Außenbereich der Anlage fällt ins Auge – Terrassen und Stege aus Holz im flachen Wasser sollen an die Anordnung des Archipels erinnern. Verschiedene Wassertiefen werden durch unterschiedlich gefärbte Fliesen am Boden simuliert.

Der weitere Rundgang beinhaltet eher Kunst als Natur: Die Besucher erkunden über einen spiralförmigen Gang das Wandgemälde „La espiral del tiempo" (Die Spirale der Zeit) des Künstlers Miguel Mansanet. Auf beeindruckenden 500 Quadratmetern zeigt es die Menschheitsgeschichte im Mittelmeerraum. Einzelne Ausschnitte des Kunstwerks und die gezeigten Figuren werden durch den Audioguide erklärt. Einige kleine Infotafeln bieten Informationen, allerdings nur auf Spanisch und Katalanisch.

Auf das Besucherzentrum hat die Erweiterung des Nationalparks vorerst keine Auswirkungen: „Wir werden uns nicht vergrößern, das betrifft nur das Meeresschutzgebiet", sagt Carlos Andray, der schon seit 2008, als das Zentrum eröffnet wurde, hier arbeitet. Andray kann noch nicht einschätzen, ob die Erweiterung Folgen für das Zentrum haben wird: „Es wäre natürlich schön, wenn wir dadurch mehr Aufmerksamkeit bekämen. Viele erfahren erst jetzt von dem Nationalpark und wollen sich vielleicht weiter informieren."

Gut zu wissen
Es gibt viel zu sehen – ein bis zwei Stunden sollte man für den Besuch des Zentrums einplanen. In den Sommermonaten Juni, Juli, August und September steht es Besuchern täglich von 10–19 Uhr offen. Die Öffnungszeiten in der Nebensaison sind von 10–18 Uhr, im Dezember und Januar bleibt das Zentrum geschlossen. Weitere Informationen gibt es auf der Website cvcabrera.es. Alternativ können Besucher sich vorab telefonisch unter der Nummer +34 971-65 62 82 informieren. Das Centro de Interpretación ist von Palmas Zentrum mit der Buslinie 502 zu erreichen, die ganz in der Nähe hält.

Bootstouren
Unabhängig vom Besucherzentrum gibt es zwei Unternehmen, die geführte Bootstouren durch den Cabrera-Nationalpark anbieten. Die Ausflüge von Marcabrera und Excur­sions a Cabrera dauern zweieinhalb bis sechs Stunden. Viel Zeit, um Cabrera zu erkunden, ist das nicht – zumal meist auch noch die Blaue Grotte angesteuert wird: eine Einbuchtung im Fels mit tatsächlich beein­druckendem Farbenspiel. Bei schönen Wetter kann hier im Sommer auch kurz ins Wasser gesprungen werden.

Von März bis Oktober – Excursions a Cabrera fährt ab April – gibt es täglich unterschiedliche Touren. Die zweieinhalbstündige Exkursion mit Marcabrera, die einmal um die Halbinsel herumführt, kostet für Erwachsene 47 Euro, für Kinder (3–12 Jahre) 30 Euro. Bei Excursions a Cabrera kostet ein dreistündiger Bootsausflug 48 Euro für Erwachsene und 30 Euro für Kinder (3–11 Jahre). Mehr Informationen gibt es online unter marcabrera.com und excursionsacabrera.es

Übernachten
Seit 2014 kann man auf Cabrera auch in einer Herberge mit 24 Schlafplätzen übernachten. Bis zum Redaktionsschluss dieser Sonderbeilage stand allerdings nicht fest, wie Übernachtungen 2019 reserviert werden können und was sie kosten. Glücklich kann sich schätzen, wer mit einem eigenen oder gecharterten Boot an einer Boje in der Bucht anlegen und dort die Nacht verbringen kann – auch das muss angemeldet werden.

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