Nachrichten | Planes

Besuch im Hochsitz von König Jaume II.

Im Zentrum von Manacor stand einst ein Palast. Von ihm übrig ist nur ein Turm – der frisch renoviert wieder besichtigt werden kann
03-02-2018 00:00
0 Stimmen

Er steht da schon seit etwa 700 Jahren, mitten in Manacor: der Torre del Palau. Nach einer zehnjährigen Restaurierung ist der Turm im Zentrum der im Jahr 1300 gegründeten zweitgrößten Stadt der Insel wieder für Besucher geöffnet.

Beim Erkunden hilft Maria Antònia Cladera. Die Historikerin führt Gruppen durch das rechteckige und dreistöckige Gebäude, das über Holzdecken und -treppen verfügt. „Was nur Geschichts­interessierte wissen: Der Turm ist eine Kopie eines Turms am baugleichen Palast der Könige von Mallorca im südfranzösischen Perpignan", sagt sie. Bis ins 19. Jahrhundert gab es auch in Manacor den dazugehörigen Palast. Erbaut hatte beide Anlagen der christliche König Jaume II. (1243–1311). Den Palast in Manacor nutzte er dabei als Jagd-Residenz.

„Der Turm bildete den Eingang zu dem Komplex", sagt Maria Antònia Cladera. „Jaume II. ließ den Palast auf dem höchsten Punkt des Ortes errichten. Von hier aus hatte man einen weiten Blick auf das Gelände, um heranrückende Feinde zu bemerken."

Wenige Stücke, aber kostbar

Die wenigen, aber kostbaren Ausstellungsstücke befinden sich im ersten Stock unter Glas: Es handelt sich um Krüge aus dem 17. Jahrhundert. Die Tafeln an den Wänden ­erklären die lange Geschichte des Palast-Turms und schildern die archäo­logischen Arbeiten sowie die Schritte der Restaurierung. Noch gibt es nur Hinweisschilder mit katalanischen Aufschriften, doch bis April sollen noch Erklärungen auf Spanisch, Englisch, Deutsch und Französisch samt den passenden QR-Codes für Handys hinzukommen.

Bereits im 15. Jahrhundert – das nur kurzlebige Königreich Mallorca existierte schon lange nicht mehr und war im Königreich Aragonien aufgegangen – ging der Palast des Jaume II. und damit auch der Turm in private Hände über. Die Großgrundbesitzer-Familie Ballester war bis 1707 der Eigentümer, danach war es die Familie Orlandis. Im 18. Jahrhundert hatte der Turm noch ein Ziegeldach, das im 19. Jahrhundert von
Zinnen und einer Steindecke abgelöst wurde.

Die Familie Orlandis verkaufte die Anlage ab dem Jahr 1811 stückweise an verschiedene neue Besitzer. Diese rissen nach und nach Teile des Palastes ab, bis am Ende nur noch der Turm übrig blieb. Der wirkt angesichts neuerer hoher Gebäude, die rund um ihn he­rum platziert wurden, heutzutage etwas verloren.

Perlen für die Urlauber

Erstmals für Touristen zugänglich machte den Turm die Firma Perlas Manacor. Ab den 60er-Jahren und bis zur Übernahme durch die Stadt 1987 gehörte ihr das Gelände. „Hier war ein Möbel­museum untergebracht, in einem Laden konnten Besucher Perlen erstehen", erzählt Maria Antònia Cladera. Damals konnten die Urlauber auch aufs Dach des Turmes steigen und das Häusermeer von Manacor überblicken. Beim MZ-Besuch war dies leider nicht möglich. „Der Schreiner muss noch einen Zugang fertigen", sagt Maria Antònia Cladera.

Der Torre del Palau hat bereits jetzt montags und samstags jeweils von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

Compartir en Twitter
Compartir en Facebook