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El Rodizio: Ein kleines Stückchen geht noch

Neues Lokal in Santa Ponça: Brasilianisches vom Spieß und Argentinisches vom Grill - so viel man will
23-05-2012 23:00
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Das will gelernt sein: Fleischzubereitung auf dem Holzkohlegrill Foto: Rodizio

Das will gelernt sein: Fleischzubereitung auf dem Holzkohlegrill Foto: Rodizio

Mar del Plata, eine Großstadt 415 Kilometer südlich von Buenos Aires am Meer. Geburtsstadt von Astor Piazzolla, dem berühmten Tangomusiker und -komponisten Argentiniens, und von Estela ­Collado (42), Besitzerin zweier Lokale auf Mallorca. Die als 20-Jährige mitsamt ihrer Familie aus Argentinien eingewanderte Gastronomin hat vor acht Jahren von ihrem Vater Ramón die "Parrilla Buenos Aires" in Cala Major übernommen. Das Restaurant mit den vielen Bildern aus der Heimat, der passenden Musik und natürlich den argentinischen Spezialitäten à la empanadas criollas (2,30 Euro, gefüllte Teigtaschen), den mit speziellen argentinischen Gewürzen gefertigten Würsten (3,70 - 5,90 Euro für zwei Stück) und dem Fleisch im typischen Parrilla-Stil (über Holzkohle gegrillt, 14 - 32 Euro) hat seit über zwei Jahrzehnten zahlreiche Fans. Das zweite Lokal ist erst seit Ende März geöffnet - "El Rodizio" in Santa Ponça, ein brasilianisch-argentinischer Mix.

Beide Lokale nehmen an der aktuell noch bis zum 27. Mai stattfindenden "Ruta Gaucha" teil - eine in Kooperation mit dem argentinischen Konsulat organisierte Präsentation von circa 30 Lokalen mit argentinischen Gerichten, die den Mallorquinern und den Touristen die Küche dieses Landes nahebringen will (weitere Infos unter "Ruta Gaucha" bei Facebook).

Im neuen Restaurant - das besagt schon der Name - ist das argentinische Angebot um eine brasilianische Facette erweitert worden: rodizio. In Brasilien selbst, speziell im Süden des Landes, werden Lokale mit diesem Angebot als churrascarias bezeichnet, außerhalb von Brasilien kennt man sie meist als rodizios.

"Wir Argentinier mögen die brasilianische Methode, und die Brasilianer mögen unsere Grill-Tradition - da sind wir uns nahe", erzählt Collado. Zwischen beiden Ländern besteht eine intensive Freundschaft, die nur auf dem Fußballplatz endet. Aber ihre Herzen schlagen im gleichem Brutzel-Rhythmus. Und nicht nur dort: "Hier in Santa Ponça sehen wir bei den Touristen, dass speziell Deutsche das Rodizio kennen und mögen."

Kein Wunder, denn es ist eine unterhaltsame und lebendige Art des Essens. Auf dem Holzkohlegrill drehen die Spieße ihre Runden, jeweils bestückt mit einer Fleischsorte. Dann geht der sogenannte cortador ("Schneider") damit von Tisch zu Tisch und schneidet kleine Portionen ab. Es gibt im "El Rodizio" circa 10 bis 13 verschiedene Fleischsorten, darunter einige im brasilianischen Stil, wie picanha, maminha, alcatra, einige im argentinischen Stil, wie vacío, asado de tira, entraña (alles Rindfleisch-Varianten), sowie Hühnerflügel, Schweinerippchen, Würste und als Gaumen-Neutralisierer einen Fruchtspieß mit gegrillter Ananas (mit Zimt gewürzt).

Dazu werden verschiedene Beilagen gereicht: Brot, Salat, Reis, Backkartoffeln, das brasilianische Nationalgericht feijoada (schwarzer Bohnen-Fleisch-Eintopf), die vor allem in Argentinien und Uruguay beheimatete scharfe Sauce chimichurri und eine damit angereicherte Mayonnaise. Man kann die "Runden" so oft wiederholen, wie man möchte. Mit einem kleinen Holzstück gibt man dem Kellner ein Zeichen: Die grün bemalte Seite zeigt an, dass es ohne Einschränkung weitergehen kann. Dreht man es auf die rote Seite, will man eine Pause. Legt man das Stückchen quer, ist man satt. All you can eat auf brasilianische Art. Und das preisgünstig. Je nach Variante kostet das Vergnügen 13 bis 19 Euro.

"Aufgrund der gemeinsamen Geschichte ist Rodizio auch in Portugal stark vertreten. Dort haben wir auch die Spezialmaschine gekauft, und mein Mann hat einen Kurs gemacht." Denn beim Rodizio wird nicht nur einfach Fleisch auf den Spieß gesteckt, es kommt auf den richtigen Schnitt und die richtigen Stücke an - eine Kunst. "Wenn man es falsch macht, dann kann das Fleisch trocken werden oder zerfällt beim Abschneiden in Einzelteile", erzählt Juan Luis Oliva, der Ehemann von Estela Collado.

Beide Lokale sind fest in Familienhand. Estela ist die Chefin. Im Rodizio wird sie vom Ehemann und Vater Ramón unterstützt, im Parrilla Buenos Aires von den beiden Söhnen. Eine Schwester macht für die zwei Lokale den Empanada-Teig und rührt die Saucen an, die Mutter kümmert sich um alle Nachspeisen. Eine glückliche Familie, die auch ihre Gäste glücklich machen will - auf argentinisch-brasilianische Weise?

Fleisch satt

El Rodizio,
Mo - Fr 17 - 24 Uhr, Sa + So 13 - 24 Uhr, C/. Ramón de Moncada, 13, Santa Ponça, Tel.: 971-69 48 98, www.elrodizio.es

Parrilla Buenos Aires,
Mo 18 - 0.30 Uhr, Di - So 13 - 0.30 Uhr, Avda. Joan Miró, 280, Cala Major, Tel.: 971-40 18 42,
www.parrillabuenosaires.es

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