Nachrichten | Hosteleria

Wo sich Schweine auf Mallorca wohlfühlen

In der Villa Vegana bei Inca gibt es sogar ein Oktoberfest
28-09-2018 23:00
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Miriam Spann und Jens Schmitt mit Trudi (li.) und Tyson. Foto: Bendgens

Miriam Spann und Jens Schmitt mit Trudi (li.) und Tyson. Foto: Bendgens

Grad zünftig wird das Oktoberfest am 30. September: Mit Brez'n, Weißwürsten, Obazda, Bierkäsesuppe, Bayerische Creme, Zwetschgendatschi, Weißbier und noch einigem mehr. Dazu spielt eine Band, allerdings nicht bayerische Blasmusik, sondern Rockabilly und Rock?'n'?Roll. Bierbänke und passende blau-weiße Deko runden die Atmosphäre ab.

Aber halt. Etwas ist anders! Denn das Fest findet in der Villa Vegana bei Inca statt. Ein kleines Hotel auf dem Land (acht Zimmer und Suiten) mit einem Restaurant, betrieben von dem deutschen Paar Miriam Spann und Jens Schmitt. Und alle Oktoberfest-Angebote sind vegane Köstlichkeiten. Was dem Genuss keinen Abbruch tut.

Von Herbst 2013 bis Ende 2017 hatten die beiden eine kleine Version der Villa Vegana in Esporles, allerdings noch ohne ein offizielles Restaurant – es gab nur Essen für Hausgäste sowie Kochkurse. Nun kann jedermann das Restaurant besuchen, auch mit Kindern, und solange es warm ist und man die weitläufige Terrasse nutzt, auch mit Hunden. Davon laufen schon einige auf dem Gelände herum, gemeinsam mit Katzen und zwei netten Schweinen, Trudi und Tyson, die hier ein friedliches Leben führen und die Gäste lieber lebendig erfreuen und nicht als Schnitzelversion...

Das gibt es im Übrigen in der veganen Version ab und an auch im Restaurant, wobei das Wort Schnitzel, sonst mit Fleisch assoziiert, eine Ableitung des mittelhochdeutschen sniz für Schnitt ist. In Ermangelung von Fleisch gab es auch früher schon Gemüseschnitzel. „Das Thema Benennung ist schwierig, denn zum einen wollen wir ja kein Fleischgericht kopieren, aber zum anderen zumindest in etwa beschreiben, welchem Gericht das unsere ähnelt." Weitere Beispiele dafür sind auch Leberwurst oder die Blutwurst botifarró. Erstere wird auf Bohnen-Tofu-Basis hergestellt, bei der ­botifarró sorgen Bohnen, Pilze und Kartoffeln mit den entsprechenden Gewürzen für den
Geschmack.

Vegane Weltreise

Das Restaurantkonzept ist raffiniert und abwechslungsreich: Jeden Tag steht ein anderes Land im Vordergrund mit den veganen Versionen der landestypischen Speisen. Das Vier-Gänge-Menü mit Amuse-Gueule kostet 35 Euro. So gibt es am Griechenland-Tag einen griechischen Salat mit selbst gemachtem Feta-Käse, am Amerika-Tag einen Schwarze-Bohnen-Burger mit Krautsalat und Räuchertofu, am Ungarn-Tag ein Gulasch auf Sojabasis und am Korea-Tag ein Bibimbap mit Venere-Reis und verschiedenen Gemüsen wie Kimchi, Rote Bete, Möhren, Pilzen. Das obligatorische Ei in einem Bibimbap wird ersetzt durch Avocadoscheiben, gewürzt mit Kala-Namak-Salz. Augen zu, und es schmeckt tatsächlich wie Ei.

Auch das Frühstückbuffet gibt es für auswärtige Gäste: hausgemachtes Brot, verschiedene selbst gemachte Patés und Marmeladen, Müsli, Nüsse, Obstsalat, vegane Tortilla, Gemüse-Coca und Croissants inklusive einem Getränk (15 Euro, von 9 bis 11 Uhr, Frühstück und Abendessen bitte jeweils anmelden).

„Viele Rezepte stammen aus unserem Kochbuch ,Vegan aus aller Welt', andere entwickeln wir gemeinsam mit unseren Köchen Zahira Font und Timo Franke. Er war früher ein ganz normaler Koch mit Vorliebe für Deftiges. Aus Gesundheitsgründen wurde er Veganer und kocht nun tolle schwäbische Gerichte wie etwa Schupfnudeln oder Maultaschen", sagt Miriam Spann. Sie seien weder missionarisch unterwegs noch kochen sie vegan, weil es „Mode" sei, sondern einfach aus Überzeugung und weil es ihnen Spaß macht. Ebenso sei es nicht „automatisch gesund, gluten- und zucker­frei oder kalorienarm, sondern einfach nur vegan und lecker". Obst und Gemüse kommen aus dem eigenen Garten oder (noch) vom Nachbarn, denn im nächsten Jahr wollen die beiden noch mehr selbst anbauen.

Anderes beziehen sie aus dem bekannten Veganer-Geschäft Lo Vegano oder über das Internet. Miriam Spann, die gelernte Grafikerin aus Kassel, und Jens Schmitt, der Bürokaufmann vom Bodensee, lernten sich vor über zehn Jahren auf der Insel kennen und verliebten sich. Als sie acht Jahre alt war, sah Miriam einen Film von Otto Waalkes mit einer toten Kuh. „Das war so einprägsam, dass ich von da an kein Fleisch mehr essen wollte", erinnert sie sich. „Meine Tante, bei der ich aufwuchs, akzeptierte dies, zumal ihre eigene ältere Tochter ebenfalls schon Vegetarierin war."

Auch im Hotel konsequent

Auch wenn Jens Schmitt keine so frühen Erfahrungen machte, so aß auch er schon als Kind kaum Fleisch, da „meine Mutter ein Yogazentrum führte und selbst Vegetarierin war. Sie hat mir zwar erlaubt, alles zu essen, aber Fleisch fand ich nie so toll, mit Ausnahme von Rouladen", sagt er. Gemeinsam mit Miriam wurde er zum Vegetarier. Seit 2012 leben beide auch vegan. Im Hotel erstreckt sich dies auch auf Kosmetika, Reinigungsmittel, Stoffe und vieles mehr. Da gibt es weder Wolle, noch Seide, noch Leder – nur glückliche Tiere und augenscheinlich zufriedene Menschen.

INFORMATIONi

Natur-Paradies
Villa Vegana, Fr.­–Di. 19–21 Uhr und täglich geöffnet
für Frühstück 9–11 Uhr,
Cami d'es Pedregar, km 2,2 (Finca Son Olive), Selva.
Tel.: 971-51 58 41,
www.villavegana.com,
Facebook: Villa Vegana

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